USA

So kann Michael Bloomberg Donald Trump besiegen

Michael Bloomberg, Ex-Bürgermeister von New York.

Michael Bloomberg, Ex-Bürgermeister von New York.

Foto: imago stock

Der Milliardär Michael Bloomberg setzt für den US-Wahlkampf vor allem auf seinen Reichtum – und auf den „Super Tuesday“ am 3. März.

Washington. Sieht man von Donald Trump ab, dann ist der Griff Superreicher nach der Macht in Amerika bislang selten geglückt. 1992 versuchte es der Texaner Ross Perot gegen Bill Clinton und George H. W. Bush als Unabhängiger – und verlor. Steve Forbes, der Verleger des gleichnamigen Magazins für die oberen Zehntausend, spielte in den republikanischen Vorwahlen 1996 und 2000 keine große Rolle.

Ein Schicksal, das im aktuellen Vorwahlkampf ums Weiße Haus bei den Demokraten auch dem ehemaligen Hedgefonds-Manager Tom Steyer (1,6 Milliarden Dollar Privatvermögen) vorherbestimmt ist.

Zieht man dann noch in Betracht, dass die Bewunderung Amerikas für die Ultrareichen abgeflaut ist (mehr als 50 Prozent misstrauen Milliardären), müsste auch die Personalie Michael Bloomberg bald aus den Schlagzeilen verschwinden. Wird sie aber nicht.

Seit der 77-jährige Gründer des gleichnamigen Finanzinformationsdienstes seinen Eintritt ins Rennen um das demokratische Präsidentschaftsticket erklärt hat, um Amerika vor, wie er sagt, irreparablem Schaden durch weitere vier Jahre Trump zu bewahren, geht eine latente Verunsicherung um.

Bernie Sanders ist Bloomberg zu links

Das liegt weniger an der politischen Vita des Unternehmers, dessen Familie russisch-jüdischer Herkunft ist. Bloomberg hält die bisherigen Favoriten Bernie Sanders und Elizabeth Warren für zu weit links und die Zentristen Joe Biden und Pete Buttigieg für zu schwach, um eine Wiederwahl Trumps zu verhindern. Als Bürgermeister in New York hat er es zu drei Amtszeiten gebracht und diverse Projekte (Waffenkontrolle, Klimaschutz, Gesundheit) angeschoben. Er kann auf reichlich Exekutiv-Erfahrung verweisen.

Entscheidender ist aber sein Kontostand: 55 Milliarden Dollar Privatvermögen könnten den sündhaft teuren Wahlkämpfen in den USA neue Superlative bescheren. Zur Einordnung: Donald Trump gehört mit geschätzten drei Milliarden Dollar nur zum Prekariat der Wohlhabenden.

Wie beispiellos Bloomberg aus dem Vollen schöpft, zeigt ein Vergleich: Mit knapp 25 Millionen Dollar hat die Galionsfigur der Linken, Sozialist Bernie Sanders, unter allen 18 demokratischen Bewerbern im dritten Quartal bisher das größte Spendenaufkommen generiert. Bloomberg gibt seit Montag allein 30 Millionen Dollar für eine TV-Werbekampagne aus, mit der er seinen überschaubaren Bekanntheitsgrad verbessern will.

Weitere 100 Millionen Dollar steckt er in Internetbotschaften gegen Trump in umkämpften Bundesstaaten. Plus 20 Millionen Dollar in Kampagnen, mit denen er 500.000 bislang nicht registrierte Wähler an die Wahlurnen bringen will. Ein festes Budget habe er nicht, sagt einer seiner Berater. Er werde schlicht das ausgeben, „was nötig ist, um Trump zu schlagen“.

Bloomberg ist so reich, dass ihn niemand bestechen kann

Und zwar aus der eigenen Tasche. Bloomberg will keinen Penny von privaten Spendern annehmen. Was zur Folge hat, dass er an keiner TV-Debatte teilnehmen kann – dafür müsste er, um sich zu qualifizieren, eine ausreichende Zahl an Spendern nachweisen, so die Kriterien der Demokraten. Bloomberg will das durch direkte Ansprache im Fernsehen und in sozialen Medien kompensieren.

Über allem steht: „Er ist nicht käuflich“, sagt sein Vertrauter Howard Wolfson, „von niemandem“. Die nahezu unbegrenzte Verfügbarkeit von Finanzmitteln und ein unorthodoxer Angang um die Kandidatur machen Bloomberg trotz vieler Nachteile – er ist alt, hat keinen Schlag bei afro-amerikanischen Wählern und ist sozialpolitisch wie mit seinem Reichtum die personifizierte Antithese zum Linksschwenk bei den Demokraten – zu einem Faktor, den man im nächsten März beachten muss.

Dann entscheidet sich, ob seine Strategie aufgehen kann. Bloomberg wird die ersten Vorwahlen in Iowa, New Hampshire, Nevada und South Carolina im Februar ignorieren.

Seine Konzentration gilt dem 3. März, kurz: „Super Tuesday“. An diesem Tag werden in 14 Bundesstaaten auf einen Schlag rund 1600 Delegiertenstimmen für den Nominierungsparteitag im Sommer in Milwaukee vergeben. Rund 1900 braucht Bloomberg zum Sieg. Er will sich früh an die Spitze setzen. Sein Kalkül: Wer die größere finanzielle Ausdauer besitzt, bezwingt Donald Trump. Der hat bisher rund 100 Millionen Dollar in der Wahlkampfkasse. Für Michael Bloomberg nicht mehr als Spielgeld.