Wikileaks-Gründer

Mediziner: Julian Assange könnte im Gefängnis sterben

Schweden stellt Vergewaltigungsermittlungen gegen Assange ein

Dem Wikileaks-Gründer war vorgeworfen worden, im Jahr 2010 in Stockholm eine Frau vergewaltigt zu haben.

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Dutzende Ärzte haben einen offenen Brief an die britische Innenministerin geschrieben. Sie sorgen sich um das Leben von Julian Assange.

Genf/Berlin. Vor rund drei Wochen hatte Nils Melzer, UN-Sonderberichterstatter zum Thema Folter, bereits gewarnt: Das Leben von Julian Assange sei in Gefahr. Der Wikileaks-Gründer habe schon im Mai dieses Jahres typische Anzeichen von „psychologischer Folter“ gezeigt, die britischen Behörden blieben aber tatenlos. Seit seiner Inhaftierung habe sich seine Gesundheit stetig verschlechtert.

Nun haben sich mehr als 60 Mediziner in einem offenen Brief an die britische Innenministerin Priti Patel gewandt und gefordert, Assange vom Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh in eine Universitätsklinik verlegen zu lassen. Die Ärzte seien besorgt, dass der 48-Jährige ohne entsprechende Behandlung in Haft sterben könnte, heißt es in dem Brief, aus dem die Nachrichtenagentur PA und andere Medien am Montag zitierten.

Julian Assange: Ärzte stützen sich auf Augenzeugenberichte und UN-Experten

Sowohl die körperliche als auch die psychische Verfassung Assanges müsse von Experten überprüft werden, hieß es weiter. Im Gefängnis habe sich sein Gesundheitszustand rapide verschlechtert.

„Sollte die dringende Untersuchung und Behandlung nicht erfolgen, haben wir, auf Grundlage der derzeit verfügbaren Erkenntnisse, die dringende Sorge, dass Herr Assange im Gefängnis sterben könnte“, zitieren britische Medien aus dem auf Wikileaks veröffentlichten Brief, den laut „Guardian“ unter anderem Ärzte aus Großbritannien, Australien, Deutschland und Schweden unterzeichnet haben.

„Wir dürfen keine Zeit verlieren“, heißt es. Die Ärzte stützen ihre Bewertung laut „Guardian“ auf Augenzeugenberichte über einen Auftritt Assanges im Oktober vor einem Londoner Gericht sowie auf den Bericht des UN-Sonderberichterstatters Melzer.

Julian Assange drohen bis zu 175 Jahre Haft

Am 25. Februar beginnt die Verhandlung zu einem Auslieferungsantrag der US-Justiz. Diese wirft Assange vor, der Whistleblowerin Chelsea Manning geholfen zu haben, geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan zu veröffentlichen. Bei einer Verurteilung in allen 18 Anklagepunkten drohen ihm bis zu 175 Jahre Haft.

Seit April sitzt Assange in Belmarsh, nachdem ihm das Asyl in der ecuadorianischen Botschaft entzogen worden war. Er hatte sich dort jahrelang verschanzt, um einer Auslieferung an Schweden zu entgehen. Dort wurde wegen Vergewaltigung gegen ihn ermittelt. Die schwedische Staatsanwaltschaft hat inzwischen die Ermittlungen eingestellt. (mbr/dpa)