Demokraten

Bloomberg fordert Trump heraus – scharfe Kritik von Sanders

Michael Bloomberg bestätigt Teilnahme am Rennen der Demokraten um US-Präsidentschaft

Noch im März hatte der heute 77-Jährige gesagt, er wolle nicht für die Wahl im kommenden Jahr kandidieren. Bloomberg ist auch Gründer eines Nachrichtenimperiums.

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New Yorks Ex-Bürgermeister Bloomberg will Präsidentschaftskandidat der Demokraten werden – stößt aber auf Kritik in der eigenen Partei.

New York. Wird der nächste Wahlkampf um die US-Präsidentschaft zu einem Duell der Milliardäre? Die Chancen steigen, weil Michael Bloomberg nun angekündigt hat, sich um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten zu bewerben. Auf seiner Website war am Sonntag zu lesen: „I’m running for president to defeat Donald Trump and rebuild America.“ („Ich bewerbe mich als Präsident, um Donald Trump zu besiegen und Amerika wieder aufzubauen“)

Der 77-jährige Bloomberg hätte als Milliardär genug Geld, um dem ebenfalls superreichen Donald Trump, in einem kostspieligen Wahlkampf entgegenzutreten. Bloomberg hat sein Geld mit der von ihm gegründeten Finanznachrichtenagentur verdient und war von 2002 bis Ende 2013 Bürgermeister von New York. Nun scheint er nach einem höheren politischen Amt zu streben.

Bernie Sanders: Bloomberg darf sich Wahl nicht „kaufen“

Scharfe Kritik daran kommt von einem demokratischen Mitbewerber: „Wir glauben nicht, dass Milliardäre das Recht haben, sich Wahlen zu kaufen“, schrieb der linke Senator Bernie Sanders am Sonntag auf Twitter. „Deswegen werden Multi-Milliardäre wie Michael Bloomberg bei dieser Wahl nicht sehr weit kommen.“

Fragen warf zudem der Einfluss Bloombergs auf sein Medienimperium auf. Der CNN-Journalist Oliver Darcy verbreitete am Sonntag ein internes Schreiben von Chefredakteur John Micklethwait an Mitarbeiter der Bloomberg-Nachrichtenagentur. Darin hieß es, Leitartikel der Agentur hätten bislang Bloombergs Meinung gespiegelt. Künftig werde es nur noch namentlich gezeichnete Meinungsbeiträge geben.

Man werde die „Tradition“ fortsetzen, keine investigativen Recherchen zu Bloomberg zu betreiben. Das gelte nun auch für demokratische Mitbewerber um die Kandidatur. Weiterhin werde aber zur Trump-Regierung recherchiert.

Sanders kritisiert das Bloomberg-Lager

US-Präsidentschaft: Bloomberg hat Vorbereitungen für Kandidatur getroffen

In den vergangenen Tagen hatten bereits US-Medien berichtet, dass Michael Bloomberg in mehreren Bundesstaaten Unterlagen eingereicht habe, die nötig seien, um an dem parteiinternen Wahlkampf der US-Demokraten um die Präsidentschaftskandidatur teilzunehmen.

Um die Kandidatur der Demokraten buhlen bereits zahlreiche Politiker, darunter Ex-Vizepräsident Joe Biden sowie Senatorin Elizabeth Warren und Senator Bernie Sanders. Bloomberg hat sich kritisch zu Warrens Steuerplänen geäußert, wonach die Abgaben für extrem reiche Amerikaner erhöht werden sollen.

Bloomberg gilt als moderater Demokrat. Er macht damit im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten vor allem dem früheren US-Vizepräsidenten Joe Biden Konkurrenz, der in Umfragen bislang vorne liegt. Zuletzt schwächelte Biden allerdings. Die interne Konkurrenz schloss in Umfragen zu ihm auf, beim Spendensammeln überholte sie ihn zum Teil.

Michael Bloomberg will Waffengesetze verschärfen

Im März hatte Bloomberg noch öffentlich erklärt, er wolle nicht Präsidentschaftskandidat werden. Berichten zufolge verzichtete er damals bewusst auf eine Kandidatur, um Biden nicht in die Quere zu kommen. Bidens Auftritt scheint Bloomberg aber enttäuscht zu haben. Der Ex-Bürgermeister setzt sich unter anderem für Klimaschutz und strengere Waffengesetze ein.

In seiner Mitteilung zur Kandidatur schreibt Bloomberg nun, dass er schon in New York strenge Waffenregelungen durchgesetzt habe und dies nun auch auf Bundesebene durchsetzen wolle. Bloomberg scheint sich in der Ankündigung zudem als erfolgreicher Geschäftsmann zu stilisieren. Und damit stellt er sich direkt als Gegenkandidat zu Trump dar, der stets betont, wie viele erfolgreiche Deals er als Geschäftsmann und Politiker geschlossen habe.

Die US-Demokraten hatten eigentlich auf ein Impeachment gesetzt, aber die Republikaner stehen zu Trump und die Chancen für eine Amtsenthebung schwinden damit.

Trump selbst äußerte sich zunächst nicht zu Bloombergs Kandidatur. Allerdings hatte der Präsident bereits vor Tagen mit Spott auf Berichte über eine mögliche Bewerbung Bloombergs reagiert. Dem „kleinen Michael“ fehle die für einen Wahlsieg nötige „Magie“, stichelte Trump. „Er wird nicht gut abschneiden.“

Bloomberg warf Trump am Sonntag „Engstirnigkeit und Hass und falsche Politik“ vor. Er sei nie besorgter um die Zukunft Amerikas gewesen als heute. „Trump zu besiegen – und Amerika wieder aufzubauen – ist der dringendste und wichtigste Kampf unseres Lebens.“

(ac/rtr/dpa)