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Schafft es Greta bis zur Weltklimakonferenz nach Madrid?

Greta Thunberg sagt Bye Bye: Der Katamaran „La Vagabonde" ist mit der Klimaaktivistin an Bord in Hampton (USA) in See gestochen und nimmt Kurs in Richtung Europa.

Greta Thunberg sagt Bye Bye: Der Katamaran „La Vagabonde" ist mit der Klimaaktivistin an Bord in Hampton (USA) in See gestochen und nimmt Kurs in Richtung Europa.

Foto: Rob Ostermaier / dpa

Greta Thunberg, ganz Klima-Ikone, will emissionsfrei über den Atlantik zur Weltklimakonferenz reisen. Alle Infos zu ihrem Segeltörn.

Berlin. Klimaaktivistin Greta Thunberg bleibt sich treu. Die 16-jährige Schwedin, die bereits mit einer Segeljacht von Großbritannien zum UN-Klimagipfel nach New York geschippert war, um möglichst emissionsfrei zu reisen, ist wieder auf hoher See unterwegs. Ihr Kurs: Richtung Europa. Dort – genauer: in Madrid – findet ab dem 2. Dezember die Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen statt.

Bereits am 13. November legte der Katamaran „La Vagabonde“ in Hampton (US-Bundesstaat Virginia) ab – nachdem die Planung des Törns für Thunberg alles andere als einfach war. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur Reise der „Fridays for Future“-Ikone.

Wie geht es Greta Thunberg an Bord?

Die letzten Updates der Crew in den sozialen Medien zeigen doch recht deutlich, dass die Anstrengungen nach mehr als zwei Wochen auf dem Atlantik nicht spurlos an den Seglern vorbeigehen. Riley Whitelum, Co-Besitzer der „La Vagabonde“ neben seiner Frau Elayna Carausu, schrieb am Mittwoch (27. November) unverblümt: „Noch 1200 nautische Meilen bis zum Ziel. Bin ernsthaft kaputt, aber wir schaffen es.“

Greta Thunberg, die selbst beinahe täglich ein Posting absetzt, ist auf ihrem jüngsten Instagram-Beitrag vom 27. November mit einem verhaltenen Lächeln zu sehen und beschreibt ihren Zeitvertreib: „Hörbücher hören, Yatzy spielen, Babysitten und endlosen Wetter-Diskussionen zuhören ...“

Sollte sie unter den Strapazen an Bord leiden, zeigt sie es zumindest nicht im Netz. Ihre Posts und Bilder wirken meist durchaus positiv und optimistisch.

Profi-Skipperin Nikki Henderson, die den Katamaran hauptsächlich steuert, berichtete allerdings auch, dass Greta Thunberg bereits am zweiten Reisetag mit Seekrankheit zu kämpfen hatte. Ein Umstand, um den sie den Erzählungen nach bei ihrer letzten Atlantik-Überfahrt herumgekommen war. Elayna Carausu berichtete bei Instagram zwischenzeitlich von schweren Stürmen. „Um ehrlich zu sein, war es ein bisschen wie in der Waschmaschine.“

Laut Nikki Henderson habe man sich aber dafür entschieden bei der Geschwindigkeit, die „La Vagabonde“ nicht zum Limit zu treiben. An Bord gebe es keine Zweifel daran, dass das die richtige Entscheidung sei – auch wenn sich die Profi-Seglerin zum Teil „limitiert“ fühle, wie sie auf Facebook schrieb. „Es ist sicher und es ist bequem, und das ist zweifellos das Wichtigste.“

Außerdem blieb Henderson so auch zumindest ein wenig Zeit für Spieleabende mit den Thunbergs. Beim Yatzy, so schrieb sie in den ersten Tagen, hat sie allerdings keine Chance gegen Greta und ihren Vater Svante Thunberg. „Verdächtig“, meint Henderson. „Ich würde sagen, sie haben geübt.“

Welche Route nimmt die „La Vagabonde“ nach Europa? Wann kommt sie an?

Nach dem Ablegen in Hampton und dem Verlassen der Chesapeake Bay an der US-Ostküste nahm die „La Vagabonde“ zunächst Kurs auf Bermuda. Aktuell befindet sich das Boot nordwestlich der Azoren und segelt Richtung Europa.

Zumindest der Zielort scheint festzustehen: „Noch 1140 nautische Meilen bis Lissabon“, schrieb Greta Thunberg am 27. November bei Instagram. Auch bei Twitter schrieb sie, dass sie darauf hoffe, Lissabon Anfang Dezember zu erreichen.

Auf der Internetseite der Besitzer der „La Vagabonde“ kann man die Route verfolgen. Ein Screenshot der Seite zeigt den Weg des Katamarans bis zum 28. November:

Der Termin ihrer Ankunft lässt sich noch nicht vorhersagen. Die Weltklimakonferenz sei sehr wichtig und sie werde ihr Bestes tun, um rechtzeitig in Madrid einzutreffen, sagte Greta Thunberg vor der Abfahrt. Fest steht jedoch, dass sie die ersten Tage der Konferenz verpassen wird.

Zwölf Tage benötigte die „La Vagabonde“, um die Hälfte der Strecke hinter sich zu bringen. Sollte die zweite Hälfte der Strecke genauso viel Zeit in Anspruch nehmen, würde Greta am 7. Dezember Europa erreichen – fünf Tage nach dem Start der Konferenz.

Ob sie es pünktlich schaffe oder nicht, spiele aber keine große Rolle, sagte Thunberg vor ihrer Abfahrt: „Es sind unzählige andere Aktivisten da, die dort sprechen werden und dieselbe Botschaft wie ich überbringen. Und es ist nicht so, dass meine Stimme unersetzbar ist.“

Warum segelt Greta Thunberg überhaupt?

Die Klima-Aktivistin will reisen und dabei möglichst wenig CO2-Emissionen produzieren. Außerdem geht es ihr darum, zu zeigen, wie schwer es heutzutage ist, nachhaltig und umweltschonend zu leben – besonders, wenn man sich international engagieren will.

Die Entbehrungen, die sie damit in Kauf nimmt, sind nicht zu unterschätzen. Zum einen, weil das Leben an Bord eines Segelboots alles andere als komfortabel ist. Und zum anderen, weil eine Atlantiküberquerung gerade im Herbst ziemlich ungemütlich werden kann.

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Im August hatte Greta Thunberg den ersten Trip über den Atlantik hinter sich gebracht. Der deutsche Segelprofi Boris Herrmann und dessen Co-Skipper Pierre Casiraghi brachten die Aktivistin an Bord der „Malizia II“ von England nach New York, wo die 16-Jährige beim UN-Klimagipfel eine wütende und viel beachtete Rede hielt.

Boris Herrmann war nach dem Törn an der Seite der schwedischen Klima-Ikone übrigens schwer beeindruckt. Während selbst die Segel-Profis an Bord der „Malizia II“ schon mal ein bisschen blass um die Nase gewesen wären, sei das Mädchen aufgeblüht, sagte Herrmann im September in der Talkshow von Markus Lanz. Bei höchstem Wellengang habe sie „Schneller!“ und „Mehr!“ gerufen. Und nachts ruhig geschlafen. „Das war wirklich ein großes Wunder.“

Wer bringt Greta Thunberg auf der „La Vagabonde“ über den Atlantik?

Das australische YouTuber-Paar Riley Whitelum und Elayna Carausu meldete sich über Twitter bei Greta Thunberg und lud sie ein, die Überfahrt nach Europa auf ihrem 15-Meter-Katamaran anzutreten. Seit 2014 ist das Paar mit der „La Vagabonde“ unterwegs, genießt das Aussteigerleben und präsentiert sich in den sozialen Medien (1,19 Abonnenten auf YouTube).

Die englische Profi-Skipperin Nikki Henderson stieß ebenfalls dazu. Gretas Vater Svante und Baby Lenny, der Sohn von Whitelum und Carausu, komplettieren die aktuelle Mannschaft der „La Vagabonde“.

Bei der Suche nach einer passenden Mitfahrgelegenheit war Greta Thunberg in Zeitnot geraten, nachdem die Weltklimakonferenz relativ kurzfristig auf einen anderen Kontinent verlegt wurde. Ursprünglich sollte sie vom 2. bis 13. Dezember in Santiago de Chile stattfinden. Die chilenische Regierung nahm jedoch Abstand von der Ausrichtung, nachdem in dem südamerikanischen Land Unruhen ausgebrochen waren. Erst Ende Oktober stand fest, dass die Konferenz nach Madrid verlegt wird – und der Terminplan von Greta Thunberg war damit schlagartig straffer geworden.

Bevor Riley Whitelum und Elayna Carausu das passende Angebot bereithielten, hatte Thunberg auch eine Einladung der Airline Eurowings erhalten – auf einen Flug von New York nach Düsseldorf. In einem Tweet an Thunberg argumentierte die Fluggesellschaft, dieser Reiseweg sei auch klimaneutral, weil Eurowings die Schweizer Klimaschutzstiftung Myclimate unterstützen würde. Ein PR-Stunt, der bei vielen Twitter-Nutzern nicht gut ankam – und Thunberg nicht davon überzeugen konnte, ein Flugzeug zu besteigen.

Das Hin und Her bei der Planung tat der Vorfreude von Thunberg aber offensichtlich keinen Abbruch. „Das ist eine tolle Gelegenheit und ich bin extrem dankbar für das Privileg, solche Dinge zu erleben“, erklärte sie vor ihrer Rückkehr auf den Atlantik.

Welche Aufgaben warten auf Greta Thunberg in Europa?

Die Weltklimakonferenz in Madrid und weitere Schulstreiks auf dem ganzen Kontinent dürften den Terminkalender von Greta Thunberg in den ersten Wochen nach ihrer Ankunft füllen.

Eine große Aufgabe wartet zunächst, noch während sie auf dem Atlantik unterwegs ist – zumindest als Unterstützerin am Smartphone: Für den 29. November, natürlich ein Freitag, finden die von „Fridays for Future“ initiierten Klima-Demos wieder weltweit statt.

Bereits am 20. September hatte es so einen globalen Klimastreik gegeben. Mehrere Tausend Aktionen in mehr als 150 Ländern widmeten sich damals dem Thema Klimaschutz.

Bei der Weltklimakonferenz (2. bis 13. Dezember) wollen dann Delegierte aus mehr als 190 Ländern über die weitere Umsetzung des 2015 in Paris vereinbarten Klimaabkommens beraten. Der Vertrag setzt das Ziel, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter, zu begrenzen.

Unter anderem wird es darum gehen, nach welchen Regeln Staaten mit Verschmutzungsrechten handeln können.

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(br)