Attentat

Heftige Proteste gegen Trump – so reagiert der US-Präsident

„Geh nach Hause, Rassist“ - klare Worte beim Besuch von US-Präsident Trump in El Paso/Texas.

„Geh nach Hause, Rassist“ - klare Worte beim Besuch von US-Präsident Trump in El Paso/Texas.

Foto: Evan Vucci / dpa

Der US-Präsident besucht die Tatorte der jüngsten Massaker. Doch dort ist er nicht willkommen. Donald Trump hat dafür kein Verständnis.

Washington/El Paso/Dayton. Die Besuche in El Paso und Dayton hatte sich Donald Trump wohl anders vorgestellt. Nach den tödlichen Attentaten in den beiden Städten am Wochenende hatte sich der US-Präsident auf den Weg nach Texas und Ohio gemacht. Nur war er dort nicht unbedingt willkommen.

Trump traf sich in Dayton und El Paso mit Opfern der beiden tödlichen Angriffe und auch mit Helfern. Seine Besuche in beiden Städten wurden von massiven Protesten begleitet. Auch Trump-Unterstützer gingen auf die Straße.

Viele werfen Trump vor, seine aggressive Rhetorik in den vergangenen Tagen habe zur Eskalation der Situation beigetragen. Noch dazu werden die Rufe nach einer Verschärfung der Waffengesetze im Land lauter. Von beidem will der Präsident aber nicht recht etwas hören.

Trump: „Verbot von Schnellfeuerwaffen ist nicht mehrheitsfähig“

Politiker forderten in beiden Städten eindringlich strikte Hintergrundchecks für Waffenkäufer und ein Verbot von Sturmgewehren im Land. Trump äußerte sich aufgeschlossen für Hintergrundprüfungen für Waffenbesitzer, ließ aber offen, in welchem Umfang.

Die Rufe nach einem Verbot von Schnellfeuerwaffen wies er als nicht mehrheitsfähig zurück. Trump traf sich in Dayton und El Paso mit Opfern und Helfern.

In El Paso an der Grenze zu Mexiko hatte ein Schütze am Samstag in einem Einkaufszentrum um sich gefeuert. Insgesamt kamen 22 Menschen ums Leben, darunter mehrere Mexikaner und auch ein Deutscher. Die Ermittler gehen von einem rassistischen Hintergrund aus. Der mutmaßliche Täter, ein 21-jähriger Weißer, hatte ein Manifest hinterlassen. Er ergab sich der Polizei und ist in Gewahrsam.

In der Nacht zum Sonntag hatte in Dayton ein weiterer Schütze neun Menschen getötet, darunter seine Schwester. Das Motiv des 24 Jahre alten Täters ist bislang unklar. Der Mann wurde von der Polizei erschossen.

Bürgermeisterin von Dayton kritisiert Trump – der schlägt zurück

In Dayton besuchte der US-Präsident gemeinsam mit seiner Frau Melania ein Krankenhaus und traf dort nach Angaben des Weißen Hauses Verletzte, Angehörige der Opfer, Rettungskräfte und Polizisten. Medien waren dabei nicht zugelassen. Trump verbreitete aber später Fotos von dem Besuch auf Twitter.


Trump verzichtete demonstrativ darauf, öffentlich aufzutreten oder das Stadtviertel zu besuchen, in dem sich die blutige Attacke abgespielt hatte. Aus dem Weißen Haus hieß es, die Opfer sollten im Vordergrund stehen.

Die Bürgermeisterin von Dayton, die Demokratin Nan Whaley, sagte, es sei eine gute Entscheidung Trumps gewesen, dass er nicht zum Ort des Geschehens gegangen sei. In der Gemeinde gebe es viel Wut, dass es zu der Tat gekommen sei.

Whaley sagte, die Opfer und Rettungskräfte hätten sich über Trumps Besuch gefreut. Sie sagte aber auch mit Blick auf den Präsidenten: „Seine Art zu reden kann sehr spaltend sein. Und das ist das Letzte, was wir hier gebrauchen können.“

Der Präsident reagierte schon kurze Zeit später – und kritisierte Bürgermeisterin Whaley in einem Tweet. „Es war ein herzlicher und wundervoller Besuch. Gewaltiger Enthusiasmus und sogar Liebe“, schrieb Trump. „Dann habe ich den gescheiterten Präsidentschaftskandidaten Sherrod Brown und Bürgermeisterin Whaley gesehen, die das, was im Krankenhaus passiert ist, total falsch dargestellt haben.“

Demonstranten werfen Donald Trump Rassismus vor

In El Paso besuchten Trump und die First Lady am Mittwochnachmittag (Ortszeit) ebenfalls ein Krankenhaus und sprachen dort – wieder hinter verschlossenen Türen – mit Opfern der Attacke. Sie trafen sich außerdem mit Polizisten, die bei dem Angriff im Einsatz waren. Dort wurden sie von Journalisten begleitet.

Demonstranten in El Paso warfen Trump auf Schildern unter anderem Rassismus vor. In Dayton ließen Protestler auch den überdimensionalen Baby-Trump-Ballon aufsteigen. Es gab aber auch Trump-Unterstützer, die auf die Straße gingen.

Daytons Bürgermeisterin Whaley sagte, sie habe Trump bei seinem Besuch dringend aufgerufen, eine Verschärfung der Waffengesetze anzustoßen. Waffen wie jene des Schützen von Dayton müssten verboten werden. Der Schütze hatte ein Sturmgewehr benutzt. Diese sind in vielen US-Staaten leicht zu erwerben, werden anderswo aber fast nur vom Militär genutzt. Whaley warnte, wenn nichts passiere, werde es wahrscheinlich schon sehr bald das nächste Blutbad geben.

Der demokratische Senator aus Ohio, Sherrod Brown, erklärte, er habe Trump bei der Visite aufgerufen, sich für eine Sondersitzung des republikanisch dominierten Senats einzusetzen, um dort die Einführung strenger Hintergrundchecks für Waffenkäufer zu beschließen.

Trump: „Mein Rhetorik bringt Menschen zusammen“

Trump sagte, Hintergrundchecks für Waffenbesitzer seien wichtig. Dafür gebe es im Kongress in beiden Parteien große Unterstützung. Unklar blieb aber, ob Trump den Entwurf der Demokraten unterstützt oder nur Checks in geringerem Umfang befürwortet. „Ich will mental instabilen Menschen keine Waffen geben, oder Menschen mit Wut und Hass, oder kranken Menschen“, sagte er. Weitergehende Schritte wie ein Verbot von Sturmgewehren hätten keine Unterstützung, sagte er.

Kritiker werfen dem Präsidenten auch vor, mit seiner Rhetorik gegen Migranten den Rassismus im Land zu befeuern. Sie sehen daher eine Mitschuld Trumps an der rassistisch motivierten Attacke von El Paso. Der mutmaßliche Täter dort soll seinen Angriff „als Antwort auf die hispanische Invasion in Texas“ bezeichnet haben. Trump hatte die Eindämmung illegaler Einwanderung über die Grenze zu Mexiko zu seiner Priorität gemacht und dabei selbst öfter von „Invasion“ gesprochen.

Ex-US-Vizepräsident Joe Biden warf Trump vor, er befeuere mit seiner Sprache den Rechtsextremismus von Weißen im Land. Trump fehle die moralische Autorität, das Land zu führen, sagte Biden bei einem Auftritt im US-Bundesstaat Iowa. Biden ist bislang der aussichtsreichste Bewerber der Demokraten für die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei für 2020.

Bereits seit Tagen ist Trump mit derlei Vorwürfen konfrontiert. Er wies diese Anschuldigungen zurück. Vor seiner Abreise nach Dayton und El Paso sagte Trump auf Fragen von Journalisten, er glaube nicht, dass seine Worte Rassismus und Gewalt beförderten. „Ich denke, meine Rhetorik bringt Menschen zusammen“, sagte Trump.

(dpa/sdo)