Studie

Ostdeutsche gehen deutlich öfter zum Zahnarzt – aber warum?

Eine Frau beim Zahnarztbesuch. (Symbolbild)

Eine Frau beim Zahnarztbesuch. (Symbolbild)

Foto: istock / iStock

Die Krankenkasse Barmer hat regionale Unterschiede bei zahnärztlicher Versorgung ermittelt. Nun stehen die Experten vor einem Rätsel.

Berlin.  Christoph Straub steht vor einem Rätsel. Der Chef der Barmer, der zweitgrößten gesetzlichen Krankenkasse, kann noch nicht erklären, was seine Experten herausgefunden haben: In Deutschland gibt es große regionale Unterschiede in der zahnmedizinischen Versorgung. „Mit der Untersuchung der Ursachen beginnen wir erst“, sagt Straub. Sichtbar werden diese Unterschiede im „Zahngesundheitsatlas“ der Barmer, den die Kasse zum ersten Mal erstellt hat und der unserer Redaktion in Teilen bereits vorliegt.

Den größten Unterschied gibt es zwischen den östlichen und den westlichen Bundesländern. Die wichtigste Erkenntnis: Wer im Osten wohnt, geht häufiger zum Zahnarzt. Spitzenreiter ist Sachsen: Mehr als drei Viertel (77,1 Prozent) der dort lebenden Menschen waren 2017 mindestens einmal aus irgendeinem Grund beim Zahnarzt. Im Saarland waren es nur 65,2 Prozent. Ein Grund dafür könnte das „traditionell höhere Präventionsverhalten in den östlichen Bundesländern“ sein, vermutet Barmer-Chef Straub.

Ostdeutsche sorgen beim Zahnarzt deutlich öfter vor

Den aus Sicht der Kasse bedeutendsten Unterschied gibt es bei den Kosten für Zahnersatz, also für Kronen oder Implantate. Das Ergebnis hier: In den östlichen Ländern gibt die Barmer für jeden Versicherten im Mittel rund 1300 Euro dafür aus. Im Bundesdurchschnitt sind es rund 1500 Euro und in NRW rund 1660 Euro. Spitzenreiter ist Niedersachsen mit 1877 Euro Gesamtausgaben pro Versicherten. Am preiswertesten ist es in Sachsen mit 1275 Euro pro Versicherten.

„Es stellt sich hier die Frage, ob es immer der alleinige Wunsch der Patienten ist, wenn sie sich für einen besonders aufwendigen Zahnersatz entscheiden“, kommentiert Barmer-Chef Straub die Zahlen.

Ebenfalls große Unterscheide zwischen Ost und West hat die Krankenkasse bei der Prophylaxe festgestellt, also bei Vorsorgeuntersuchungen. Hier sind einige ostdeutsche Länder vorn dabei. Thüringen ist Spitzenreiter bei der Früherkennung für Kinder zwischen sechs und 18 Jahren: Hier gehen gut 72 Prozent aller Sechs- bis 18-Jährigen zur Vorsorge. Im Bundesschnitt sind es 66 Prozent. Niedersachsen und NRW liegen sogar noch darunter.