Seenotretter

„Sea Watch 3“: Wie die Spenden fair verteilt werden sollen

Ruben Neugebauer sagte am Freitag in Berlin, dass es richtig gewesen sei, dass die Sea-Watch 3 Kapitänin Carola Rackete trotz Verbot in italienische Gewässer gefahren sei.

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Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf sammeln für die „Sea Watch 3“-Kapitänin Carola Rackete. Die Spendensumme steigt rasend schnell.

Berlin. Die Kapitänin des Rettungsschiffes „Sea Watch 3“ hatte im Hafen von Lampedusa angelegt – dafür wurde Kapitänin Carola Rackete festgenommen. Die Moderatoren Klaas Heufer-Umlauf und Jan Böhmermann haben deshalb eine Spendenaktion gestartet – nicht die einzige Aktion, bei der Geld gesammelt wird. Insgesamt sind schon mehr als eine Million Euro für Rackete und Sea-Watch zusammengekommen.

Die Aktion von Böhmermann und Heuer-Umlauf ist dabei für den Löwenanteil verantwortlich, bisher wurde eine knappe Million gegeben – und wie diese verteilt werden soll, wird nun beraten. Sea-Watch gab dazu bekannt, das Geld nicht allein nutzen zu wollen.

Spendenaufruf für Carola Rackete und Sea-Watch – darum geht es:

  • Jan Böhmermann und Klaas Heuer-Umlauf starteten eine Spenden-Aktion
  • Sie läuft bis Ende Juli – fast eine Million Euro ist schon zusammengekommen
  • Ein Gremium soll nun über die Verteilung entscheiden
  • Es geht um die effektivst mögliche Nutzung des Geldes für mehrere Rettungsorganisationen,

„Es wird ein Gremium gebildet, weil wir das Geld möglichst effektiv für die Seenotrettung einsetzen wollen, nicht nur für Sea-Watch, sondern wir wollen gemeinsam schauen, wo es am dringendsten gebraucht wird“, sagte Sprecher Ruben Neugebauer der Deutschen Presse-Agentur.

In diesem Gremium seien unter anderem Vertreter von Hilfsorganisationen und von dem Netzwerk Seebrücke, das sich für die Rettung von Migranten auf dem Mittelmeer einsetzt. Ein Teil der Spenden soll für die Verfahrenskosten von Rackete verwendet werden.

Böhmermann und Heuer-Umlauf: Erschüttert nach Racketes Festnahme

Die Fernsehmoderatoren bitten um Spenden für die Hilfsorganisation Sea-Watch. In einem gut fünfminütigen Video zeigten sie sich erschüttert von den Geschehnissen auf der italienischen Insel Lampedusa. Inzwischen ist Carola Rackete zwar vorerst wieder frei. Beendet sein wird das Kapitel damit aber nicht.

Spendenaufruf von Böhmermann und Heufer-Umlauf

Böhmermann sagte: „Mit den Ereignissen der letzten Tagen hat diese unmenschliche, kaltblütige und skrupellose Politik einen neuen Tiefpunkt erreicht.“ Sie betonten in einer gemeinsamen Erklärung: „Wer Menschenleben rettet, ist kein Verbrecher.“

Wie die meisten könnten auch sie nicht persönlich vor Ort im Mittelmeer helfen. „Darum möchten wir spenden und gemeinsam mit Euch Geld sammeln.“

Carola Rackete vorerst frei: Was passiert jetzt mit den Spenden?

Dienstagmorgen (Stand: 6.51 Uhr) waren bereits Spenden in Höhe von mehr als 995.000 Euro eingegangen. Fast 36.000 Einzelspenden wurden registriert. Heufer-Umlauf bedankte sich umgehend für die Spenden: „Das ist überwältigend. Danke!“, schrieb er auf Twitter.

Für den Fall, dass die italienischen Behörden Rackete strafrechtlich verfolgen würden, „werden wir, wie im letzten Jahr, Geld für die anfallenden Rechtskosten und Ausgaben der Lebensretter sammeln und spenden“. Die Aktion soll bis Ende Juli laufen. Zur Spendenaktion von Böhmermann und Heufer-Umlauf auf Leetchi.

Nun ist Carola Rackete nicht mehr in Untersuchungshaft. Was passiert jetzt mit dem Geld der Spendenaktion? Ist damit also der Zweck der Spendenaktion überholt, weil keine Unterstützung mehr in dem Verfahren nötig ist? Nein – und den Grund dafür liefert Klaas Heufer-Umlauf in dem Video zum Spendenaufruf. So führt der Moderator aus, wie das gesammelte Geld investiert werden soll.

„Wir können einen Fonds einrichten und so flexibel gestalten, dass die Leute vor Ort mit dem Geld machen können, was für sie gerade am notwendigsten ist“, sagt Heufer-Umlauf. Und die Bedürfnisse würden sich von Tag zu Tag ändern. Unklar bleibt in dem Spendenaufruf jedoch, wer diesen Fonds verwalten würde, ob nur die Sea-Watch-Crew Zugriff auf die Mittel hat und, ob bestimmte Einsatzzwecke ausgeschlossen werden.

„Sea Watch 3“-Kapitänin Rackete drohte Haft

Das Rettungsschiff „Sea-Watch 3“ hatte in der Nacht zum Samstag nach mehr als zwei Wochen auf offener See mit 40 Migranten unerlaubt im Hafen der italienischen Insel Lampedusa angelegt. Die Kapitänin wurde festgenommen, die „Sea Watch 3“ beschlagnahmt. Der Kapitänin drohte nicht nur eine Geldstrafe, sondern im schlimmsten Fall Haft.

Rackete wurde in der sizilianischen Stadt Agrigent vernommen. Die Finanzpolizei habe sie zu dem Termin mit Ermittlungsrichter begleitet.

Flüchtlingsschiff legt in Lampedusa an - Kapitänin verhaftet

(dpa/cho/fmg/aba/ac)