Wikileaks-Gründer

Linke-Abgeordnete wollen Assange im Gefängnis besuchen

Sie wollen Julian Assange in London in Untersuchungshaft besuchen: die Linke-Bundestagsabgeordneten Sevim Dagdelen (r.) und Heike Hänsel (M.) und die spanische Grünen-Politikerin Ana Miranda Paz.

Sie wollen Julian Assange in London in Untersuchungshaft besuchen: die Linke-Bundestagsabgeordneten Sevim Dagdelen (r.) und Heike Hänsel (M.) und die spanische Grünen-Politikerin Ana Miranda Paz.

Foto: PETER NICHOLLS / Reuters

Nach seiner Verhaftung wartet Julian Assange in London auf weitere Gerichtsentscheidungen. Linke-Abgeordnete wollen ihn besuchen.

London/Quito. Julian Assange soll versucht haben, die ecuadorianische Botschaft in London als „Spionage-Zentrum“ zu missbrauchen: Das wirft Ecuadors Präsident Lenín Moreno dem Wikileaks-Gründer laut einem Medienbericht vor. Ecuador hatte dem Australier am vergangenen Donnerstag das politische Asyl entzogen, daraufhin war Assange festgenommen worden.

„Mit der Erlaubnis der Behörden der Vorgängerregierung (in Ecuador) wurden Einrichtungen in der Botschaft zur Verfügung gestellt, um in Prozesse anderer Staaten einzugreifen“, sagte Moreno der britischen Zeitung „The Guardian“. Der Präsident bestritt, dass er Assange mit dem Asyl-Entzug habe bestrafen wollen. Wikileaks war mit einer anonymen Webseite in Verbindung gebracht worden, die Dokumente und Fotos von Moreno und seiner Familie veröffentlicht hatte.

Linke-Abgeordnete versuchen, Assange zu besuchen

Deutsche und spanische Abgeordnete haben unterdessen am Montag vergeblich versucht, Assange im Gefängnis zu besuchen. Der 47-Jährige war noch am Donnerstag einem Haftrichter vorgeführt und für schuldig befunden worden , gegen Kautionsauflagen verstoßen zu haben. Gegen Assange hatte ein Europäischer Haftbefehl vorgelegen, weil in Schweden wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung gegen ihn ermittelt worden war.

Die Linke-Bundestagsabgeordneten Heike Hänsel und Sevim Dagdelen sind in London, hatten aber nur eine Besuchsgenehmigung für die Botschaft, wie eine Sprecherin der Partei in Berlin sagte. „Vom Gefängnis gab es keine Antwort.“

Auch die spanische Grünen-Europa-Abgeordnete Ana Miranda war nach London gereist. Das Verhalten der Regierung Ecuadors gegenüber Assange sei ein „eklatanter Verstoß gegen das Völkerrecht“, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung der drei Politiker. Sie sprachen von einer „Schmutz- und Verleumdungskampagne“ gegen den 47-Jährigen.

USA ersuchen Großbritannien um Auslieferung von Assange

Assange hatte sich der Abschiebung nach Schweden entzogen, weil er befürchtete, von dort an die USA ausgeliefert zu werden. Die Vorwürfe wies er stets zurück. Ecuador hatte ihm Asyl gewährt, sechs Jahre und zehn Monate hatte der Australier in der Londoner Botschaft gelebt. Es mehren sich aber in Großbritannien die Stimmen, dass Assange sich in Schweden verantworten müsse. Dort hatte die Staatsanwaltschaft 2017 ihre Ermittlungen eingestellt. Die Anwältin einer Frau, die Assange beschuldigt, beantragte die Wiederaufnahme.

Die USA werfen Assange Verschwörung mit der vor, um ein Passwort eines Computernetzwerks der Regierung zu knacken. Manning hatte Wikileaks 2010 – damals noch als Bradley Manning – hunderttausende geheime Militärdokumente zukommen lassen. Es ging dabei unter anderem um Menschenrechtsverletzungen während der US-Militäreinsätze im Irak und in Afghanistan. (dpa/moi)