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„Hart aber fair“ zeigt, was eine Organspende bewirken kann

Skandale und Gäste-Rankings: Diese fünf Dinge muss man über Polit-Talkshows wissen

Ob "Anne Will", "Hart aber Fair", “Maybrit Illner“ oder “Maischberger“: Polit-Talkshows prägen unsere politischen Debatten. Fünf Dinge, die man über dieseTalkshows wissen muss.

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Sie bekam seine Niere, lehnt aber die Widerspruchslösung ab: Bei „Hart aber fair“ waren der Ex-DGB-Chef und seine Frau besondere Gäste.

Berlin. Bei „Hart aber fair“ ging es am Montagabend um ein hochmoralisches Thema. Soll derjenige, der nicht explizit „Nein“ gesagt hat, automatisch Organspender sein? So sieht es ein Gesetzentwurf von Jens Spahn vor.

Bei Frank Plasberg wurde daraus eine Anklage: „Moralischer Zwang zur Organspende: Wollen Sie das, Herr Spahn?“, lautete der Titel. Antworten darauf kamen in der Runde vom Gesundheitsminister selbst. Außerdem mit dabei: Grünen-Chefin Annalena Baerbock, der Journalist Werner Bartens und der frühere DGB-Chef Michael Sommer sowie seine Frau Ulrike Sommer.

Was eine Organspende bewirken kann

Zunächst aber war Chantal Bausch dran. Eindrücklich schilderte die junge Studentin, was eine Organspende bewirken kann. Im Alter von zwölf erkrankte Bausch am Herzen. Nach nur dreieinhalb Monaten mit einem künstlichen Organ bekam sie ein Spenderherz.

„Das zerreißt einen“, sagte Bausch, weil man sich einerseits wahnsinnig freue – andererseits aber klar sei, dass ein Mensch gestorben ist. Für die Spende empfindet Bausch größten Dank. Heute spielt sie in der Hockey-Bundesliga, segelt, reitet und fährt Rennrad. Alles ohne Einschränkungen.

„Alles was ich von zwölf an erlebt habe, habe ich einer anderen Person zu verdanken“, sagte die junge Frau. Daher sei es ihre Pflicht, für den Gesetzentwurf zu werben, damit es mehr Menschen so ergehen könne, wie ihr. Lesen Sie hier, was Jens Spahns Widerspruchslösung bei der Organspende bedeutet.

Die Alternative zu Spahns Vorschlag zur Organspende

Was also könnte dagegen sprechen, eine aktive Entscheidung für oder gegen die Organspende zu fordern? Auf den ersten Blick nicht viel. Und so hatte Spahn einen Punkt, als er ausführte, dass die Aufforderung zum klaren Bekenntnis – Organspende: Ja oder Nein? – zwar ein Eingriff in die Freiheit sei. Doch müsse man das abwägen mit dem Schicksal der 9400 Menschen, die derzeit auf eine Organspende warten.

Diese Abwägung klingt vernünftig, doch wäre die Vorgehensweise tatsächlich weitreichend: Wer drei Mal nicht auf Briefe reagiert, wäre automatisch Spender. Grünen-Chefin Baerbock warb daher für eine Alternative, derzufolge man bei der Beantragung des Personalausweises gefragt werden soll, ob man Organspender werden wolle. Eigentlich eine gute Idee. Doch vielleicht nicht auf dem vollen Bürgeramt?

Das besondere Paar Michael und Ulrike Sommer

Für eine ungewöhnliche Perspektive sorgte in der Debatte das Ehepaar Sommer. Auf der einen Seite der frühere Gewerkschaftschef, der seiner Frau eine Niere spendete und den Vorschlag von Spahn befürwortet. Auf der anderen Seite seine Frau, die den Vorstoß trotz allem kritisch sieht.

„Ich bin wirklich gesegnet“, sagte Ulrike Sommer über das „riesige Geschenk“ von ihrem Mann. Zugleich forderte sie, dass die Entscheidung eben wegen ihrer Größe nicht erzwungen werden dürfe. Schließlich übe man moralischen Druck aus: Wer „Nein“ sage, müsse das vor sich und anderen verargumentieren. Auch wollten sich manche Menschen mit dem Tod schlicht nicht beschäftigen.

Am Ende wurde Sommer persönlich: „Die Krankheit ist ein stückweit meine Krankheit, da ist die Gesellschaft nicht zuständig.“

Pro und KontraOrganspende: Sollte das Recht neu geregelt werden?

Organspenden und die Sache mit dem Hirntod

Trotz dieser Ausführungen: Am Ende dieser gelungenen Ausgabe von „Hart aber fair“ überwog bei der moralischen Perspektive dann doch der Eindruck, dass der Gesetzentwurf sehr vernünftig ist. Eine Einschränkung kam allerdings noch aus medizinischer Perspektive, nämlich bei der Frage nach dem Hirntod.

„Früher war man tot oder man lebte“, führte dazu der Journalist und Arzt Werner Bartens aus. Dann aber sei der Hirntod definiert worden – um Organe entnehmen zu können. Dabei seien die Betroffenen für Laien noch am Leben und würden in Teilen auch noch Schmerzreaktionen zeigen. „Es sind Sterbende, auch wenn der Prozess irreversibel ist.“

Spürt man am Ende also doch irgendwas? Diese Frage hätte in der Debatte mehr Raum einnehmen sollen. In jedem Fall zeigt sich: Ganz gleich, ob der Gesetzentwurf durchkommt – man sollte sich dringend mit der eigenen Haltung zum Thema Organspende beschäftigen.

Zur Ausgabe von „Hart aber fair“ in der ARD-Mediathek.