Missbrauchsfall

Zahl der Opfer in Lügde steigt auf 34 – Beamter suspendiert

Auf einem Campingplatz in Lügde (Nordrhein-Westfalen) sind mehrere Kinder missbraucht worden.

Auf einem Campingplatz in Lügde (Nordrhein-Westfalen) sind mehrere Kinder missbraucht worden.

Foto: Guido Kirchner / dpa

Der Missbrauchsfall in Lügde weitet sich aus. Es gibt mindestens 34 Opfer. Zudem ist ein ermittelnder Beamter nicht mehr im Dienst.

Düsseldorf. Die Zahl der Opfer im Missbrauchsfall von Lügde ist auf mindestens 34 gestiegen. Bei 14 weiteren Personen bestehe der Verdacht, dass auch sie Opfer des vielfachen Missbrauchs auf einem Campingplatz in Nordrhein-Westfalen geworden sein könnten, sagte Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) am Donnerstag im Innenausschuss des Landtags.

Es sei demnach denkbar, dass die Opferzahl weiter steigen könnte. Bislang waren die Ermittler von mindestens 31 Opfern ausgegangen. Drei Hauptverdächtige sitzen in Untersuchungshaft.

Fall Lügde – Grausames Verbrechen und Behördenversagen

Ein zeitweiliger Leiter der Ermittlungskommission wurde zudem vorläufig vom Dienst suspendiert. Der Beamte habe die Kommission von Mitte Dezember bis Anfang Januar bei der Polizei Lippe geführt, teilte Reul mit. Gegen den Beamten des Kriminalkommissariats Bad Salzuflen bestehe in einem anderen Sexualstraffall der Verdacht der Strafvereitelung im Amt.

Wie auch im Fall des massenhaften Missbrauchs in Lügde seien Beweismittel in jenem Fall nicht mehr auffindbar gewesen. Der betreffende Beamte habe im Fall Lügde den Polizeischüler betreut, der die aus einem speziellen Asservatenraum verschwundenen 155 CDs und DVDs gesichtet hatte. Anfang März sei gegen ihn ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden.

Hintergrund: Kindesmissbrauch: Zahl der Verdächtigen steigt auf sechs

Nach bisherigen Erkenntnissen hatte es seit 2008 auf dem Campingplatz mehr als 1000 Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen gegeben. Zudem gibt es laut Reul Hinweise, dass der Hauptverdächtige schon 2002 ein damals achtjähriges Mädchen missbraucht haben soll.

Der Missbrauchsfall wird begleitet von einer Serie von Versäumnissen und Pannen bei den Ermittlungen: Die Polizei steht nach dem Horror von Lügde wieder am Anfang. Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass an der Lügder Polizeibehörde ein Polizist arbeitete, der wohl wegen Kinderpornografie vorbestraft war. (dpa)