Zugverkehr

Scheuer: Bahn hat bis Sommer Zeit, um pünktlicher zu werden

Die Deutsche Bahn gilt als chronisch unpünktlich. Wir zeigen vier Fakten rund um die Pünktlichkeit auf den deutschen Schienen.

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Minister Scheuer verlangt von der Bahn mehr Pünktlichkeit und Qualität. Konkrete Ziele soll das Krisengespräch am Donnerstag bringen.

Berlin.  Wenn es nach ihm gegangen wäre, dann hätte er „den ganzen Tag Zeit“ gehabt, scherzte Andreas Scheuer anschließend. Es blieb dann aber doch nur bei den geplanten zwei Stunden, die der Verkehrsminister Dienstagfrüh in seinem Büro mit den obersten Managern der Deutschen Bahn zusammensaß. Das Thema des Treffens: Wie kommt die Bahn aus der Krise?

Die Antworten fallen dem CSU-Politiker und dem Bahn-Vorstand offenbar schwerer als gedacht. Man habe ein „sehr, sehr konstruktives und konzentriertes Gespräch“ gehabt, berichtete Scheuer. Was die Bahn aber nun konkret besser machen soll, muss noch in zwei weiteren Treffen an diesem Donnerstag und in der letzten Januarwoche besprochen werden.

Deutsche Bahn: Pünktlichkeit und Qualität soll besser werden

„Ich erwarte schon, dass Kunden die Verbesserungen spüren“, sagte der Minister und machte deutlich, wo dies geschehen solle: bei der Pünktlichkeit, der Qualität und dem Service. Vor allem aber: Das alles soll nach Scheuers Worten bis zum Sommer für die Kunden erkennbar sein.

Ob und wie das zu leisten ist, wollten Bahn-Chef Richard Lutz und seine beiden Vorstände Ronald Pofalla (Infrastruktur) und Alexander Doll (Finanzen) am Dienstag noch nicht verraten. Sie signalisierten aber, was möglich ist: „Engpässe und Baustellen sollen besser gesteuert werden“, sagte Minister Scheuer nach dem Treffen.

Verspätete Züge sollen andere nicht mehr blockieren

Konkret soll das bedeuten, dass Züge auf besonders viel befahrenen Strecken besser als bisher gelenkt werden. Das Ziel: Verspätete Züge sollen andere Züge nicht mehr blockieren. Erprobt wird dieses Engpass-Management – die Bahn spricht von Plankorridoren – bereits auf den viel befahrenen Strecken zwischen Köln und Dortmund und zwischen Fulda und Mannheim.

Scheuer kündigte an, dass nun auch „im Ballungsraum Hamburg“ und auf der Strecke zwischen Nürnberg und Würzburg eine solche extra Zugsteuerung eingerichtet wird. Der Bahn-Vorstand beschloss dies am Dienstag.

Bahn investierte bereits 30 Millionen Euro

Alle vier Strecken gehören zu den am meisten befahrenen in Deutschland. Die Schienen dort sind schon jetzt zu mehr als 100 Prozent ausgelastet. Auf den Abschnitten Köln-Dortmund und Fulda-Würzburg hat die Bahn bereits 30 Millionen Euro für dieses spezielle Zugmanagement investiert.

Dort kümmern sich spezielle Steuerungs-Teams darum, dass die Züge der Bahn und ihrer Konkurrenten so koordiniert werden, dass ein verspäteter Zug nicht dazu führt, dass auch andere Züge verspätet fahren.

Scheuer sagt nicht, wie pünktlich die Züge genau werden sollen

Konkret funktioniert das so: Züge fahren auf dem betreffenden Streckenabschnitt schneller oder langsamer als normal. Unpünktliche Züge können auch umgeleitet werden, damit pünktliche überholen können. Die verspäteten Züge sammeln dadurch zwar möglicherweise eine noch größere Verspätung an, bringen aber den Fahrplan nicht noch weiter durcheinander. Scheuer lobte dieses Zugmanagement, es bringe „erhebliche Verbesserungen“.

Auch mit der Strategie, mehr Züge als bisher pünktlich abfahren zu lassen, will die Bahn die Pünktlichkeit verbessern. Wie pünktlich die Züge werden sollen, darauf wollte sich Scheuer nicht festlegen. „Es geht mir um die Maßnahmen, nicht um die Zielformulierung“, sagte er. Es bringe nichts, „eine Zahl aufs Papier zu schreiben, um dann festzustellen, dass man darunterbleibt.“

Dieses Ziel setzt sich die Bahn für den Fernverkehr

In Koalitionskreisen wird allerdings erwartet, dass die Bahn-Spitze am Donnerstag trotzdem konkrete Ziele für Pünktlichkeit und Qualität der Züge nennt. Vorstandschef Lutz hatte am Wochenende angekündigt, dass 2019 im Fernverkehr 76,5 Prozent aller Züge pünktlich – also nicht mehr als fünf Minuten verspätet – fahren sollen. 2018 waren 74,9 Prozent der Fernzüge pünktlich, 2017 waren es 78,5 Prozent.

Auch über die Finanzen soll am Donnerstag gesprochen werden. „Wir sind dabei, die finanzielle Basis der Bahn zu garantieren“, sagte Scheuer. Es sei „jedem klar, dass es finanzielle Mehrbedarfe gibt“. Er werde deshalb noch einmal mit den Haushaltspolitikern der Koalition sprechen. Für einen möglichen Verkauf der Bahn-Tochter Arriva zeigte sich Scheuer offen.

Während der Minister am Dienstag erkennbar bemüht war, die Bahn-Spitze nicht zu kritisieren, machte Scheuers Parlamentarischer Staatssekretär Enak Ferlemann (CDU) erneut Druck. Er sei mit dem Gespräch „nicht zufrieden“, sagte er. Ob das in Scheuers Sinn war, blieb unklar.