Falschinformationen

Fake-Accounts: Facebook wappnet sich für US-Kongresswahlen

Facebook in der Kritik: Das sind die schwersten Vorwürfe

Facebook in der Kritik: Das sind die schwersten Vorwürfe

Facebook in der Kritik: Das sind die schwersten Vorwürfe

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Bots und Trolle: Vor den Kongresswahlen im November will Facebook die Zahl der Mitarbeiter im Sicherheitsbereich auf 20.000 verdoppeln.

Menlo Park, Kalifornien.  Ende Juli hatte Facebook hastig eine Konferenz für Journalisten einberufen: Das Unternehmen berichtete von Angriffen über das soziale Netzwerk. Die amerikanischen Wähler sollen so wenige Wochen vor den Halbzeitwahlen in den USA im November beeinflusst werden.

Diesen Dienstag folgte nun der Gegenangriff: Facebook löschte eigenen Angaben zufolge 625 Profile, Seiten und Gruppen , die aus dem Iran und mutmaßlich aus dem Umfeld des russischen Militärgeheimdiensts betrieben worden seien.

Die jüngsten Löschungen waren bereits der zweite Schlag gegen „unauthentisches Verhalten“ in einem Monat. Und sie sind Teil der Unternehmensstrategie im Kampf gegen Manipulation und Fehlinformation vor den US-Kongresswahlen im November. Nach Angaben des Technikblogs recode.net kündigte das Unternehmen an, die Anzahl der Mitarbeiter im Sicherheitsbereich in dem Zuge auf 20.000 zu verdoppeln.

Wie recode.net mitteilte, will Facebook mit Blick auf die Wahlen so falsche und unauthentische Accounts schneller ausfindig machen und löschen können. Genauso sollen Fake-News zügiger ermittelt und entfernt werden. Eine weitere Strategie wird sein, dass es Außenstehende künftig schwerer haben sollen, Werbeplätze zu kaufen, über die Wahlkandidaten oder wichtige Wahlinhalte promotet werden sollen.

Iran erstmals im Verdacht, Informationen manipuliert zu haben

„Koordiniertes unauthentisches Verhalten“ – So nennen Zuckerberg und seine Firma mutmaßliche Versuche, die öffentliche Meinung durch manipulierte Informationen zu beeinflussen. In dem aktuellen Fall soll seit vergangenem Jahr eine groß angelegte Medienkampagne aufgebaut worden sein, um die Interessen des Iran zu verbreiten.

Erstmals rückt nun neben Russland die islamische Republik in den Fokus. In Iran ist Facebook, ebenso wie Twitter, offiziell nicht zugänglich und nur mit Hilfe bestimmter Software zu erreichen. Für die jüngsten Manipulationen wurden falsche Nachrichtenplattformen aufgebaut, die teils existierenden Internetseiten nachempfunden waren, und Konten eröffnet, die Iranern zugeordnet wurden.

Einige Domains sollen bereits vor vier bis fünf Jahren registriert, aber lange nicht genutzt worden sein. Wer genau hinter den Aktivitäten steht, ist dem IT-Sicherheitsanbieter FireEye zufolge bisher unklar.

13 Russen wurden wegen Einflussnahme auf Wahlen 2016 bereits angeklagt

Die „falschen Nutzer“, wie Facebook sie gegenüber recode.net nennt, haben demnach fingierte Events erstellt, über Faschismus und Donald Trump gepostet – und sie haben Facebook dafür bezahlt, ihre Posts zu promoten.

„Einige Aktivitäten stimmen mit denen der IRA vor und nach den Wahlen 2016 überein“, heißt es in einem Blog-Eintrag. Bei der IRA handelt es sich um den vom Kreml unterstützten Troll „Internet Research Agency“, der bereits die Präsidentschaftswahl vor zwei Jahren massiv beeinflusst haben soll.

In Washington wird die Einmischung Russlands in den US-Wahlkampf vor zwei Jahren weiterhin untersucht. 13 Russen wurden bereits angeklagt. Bekannt ist, dass damals Beiträge von teils gefälschten Nutzerprofilen rund 126 Millionen Facebook-Mitglieder erreichten.

Facebook verliert durch Überwachung politischer Anzeigen viel Geld

Nach Angaben von recode.net koste es Facebook derart viel Geld, politische Anzeigen zu überwachen, dass dadurch Gewinn verloren geht. Bei den so genannten Zwischenwahlen im November werden sowohl das Repräsentantenhaus als auch ein Drittel des Senats neu gewählt. Sie gelten als bedeutendster Stimmungstest für Donald Trumps Präsidentschaft. (nqq, mit Reuters)

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