Todesfall

Ein Kämpfer für den Weltfrieden – Kofi Annan ist tot

Kofi Annan, der frühere Generalsekretär der Vereinten Nationen, ist nach Angaben seiner Stiftung am Samstag gestorben.

Kofi Annan, der frühere Generalsekretär der Vereinten Nationen, ist nach Angaben seiner Stiftung am Samstag gestorben.

Foto: Denis Balibouse / REUTERS

Kofi Annan ist tot. Das teilte seine Familie am Samstag mit. Der frühere Generalsekretär der Vereinten Nationen wurde 80 Jahre alt.

Berlin.  Kofi Annan ist tot. Das teilte die Familie des ghanaischen Diplomaten am Samstag mit. Der frühere Generalsekretär der Vereinten Nationen und Träger des Friedensnobelpreises wurde 80 Jahre alt.

Einer Mitteilung der Familie und der Kofi Annan Stiftung zufolge starb Annan nach kurzer Krankheit. Seine Frau Nane und die Kinder des Paares, Ama, Kojo und Nina, seien in den vergangenen Tagen bei ihm gewesen. Er habe „während seines gesamten Lebens für eine gerechtere und friedlichere Welt“ gekämpft, heißt es in der Mitteilung.

Als UN-Generalsekretär galt Annan als „Gewissen der Welt“

In seinen zehn Jahren an der Spitze der Vereinten Nationen galt Kofi Annan als das moralische Gewissen der Welt. 1997 wurde der Ghanaer auf Vorschlag der USA, die sich einer Wiederwahl des Ägypters Butros Butros-Ghali widersetzten, als erster Mann aus Subsahara-Afrika UN-Generalsekretär. Fünf Jahre später hatte er sich international einen solchen Ruf erworben, dass seine Wiederwahl unumstritten war.

Annan setzte sich mit Charisma und diplomatischem Geschick für Arme und Unterdrückte ein, warb für Frieden und Gerechtigkeit und bot den USA im Streit um den Irakkrieg die Stirn. Immer wieder bekam er aber auch die Ohnmacht der Weltorganisation zu spüren.

Annan verschaffte den Vereinten Nationen neues Ansehen

Am 8. April 1938 geboren, verbrachte Annan fast sein gesamtes Berufsleben bei den UN. Nach einem Verwaltungsstudium in Genf und den USA kletterte er schnell die Diplomatenleiter hinauf und lernte die Organisation auf mehreren Posten von Grund auf kennen. 1993 erhielt er als Untergeneralsekretär für die weltweiten Friedenseinsätze eine Schlüsselposition im Haus.

Als Generalsekretär gelang es ihm, der verschuldeten und als unbeweglich geltenden Organisation neues Ansehen zu verschaffen. 2001 erhielt er zusammen mit den Vereinten Nationen den Friedensnobelpreis.

Sein letzter Einsatz wurde jedoch zu einem schweren Misserfolg. Fast sechs Monate lang versuchte Annan als UN-Sondergesandter, eine Lösung für den Syrienkonflikt zu finden und den Krieg zu einem Ende zu führen. Doch die Interessensgegensätze der syrischen und ausländischen Kriegsparteien waren zu groß.

Staatschefs aus aller Welt kondolieren

Annans Tod löst weltweit Trauer aus. Sein Nachfolger als UN-Generalsekretär, António Guterres, sagt über Annan: „In diesen turbulenten und schwierigen Zeiten hat er immer weiter daran gearbeitet, die Werte der UN-Charta mit Leben zu erfüllen. Sein Vermächtnis werde eine wahrhafte Inspiration für alle bleiben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte Annan als „herausragenden Staatsmann im Dienste der Weltgemeinschaft.“ Mit seinen Ideen, aufrechten Überzeugungen und seinem Charisma habe er sie und viele andere inspiriert. „Es wird unvergessen bleiben, wie unerschütterlich er für Frieden, Sicherheit, Entwicklung und Menschenrechte eintrat“, schrieb Merkel in einer Mitteilung.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schrieb auf Twitter: „Frankreich erweist ihm die Ehre. Wir werden sein ruhiges und entschlossenes Antlitz niemals vergessen, genauso wenig wie seine Kämpfe.“

„Er war ein Gerechter unter den Völkern“

Indiens Regierungschef Narendra Modi schrieb ebenfalls auf Twitter: „Die Welt hat nicht nur einen großartigen afrikanischen Diplomaten und Menschenrechtler verloren, sondern auch einen Mahner für internationalen Frieden und Sicherheit.“

„Mit Wehmut, Respekt und großer Dankbarkeit“ haben sich auch Auschwitz-Überlebende von Annan verabschiedet. „Seine Präsenz und seine Haltung waren ein Licht in vielen Dunkelheiten der letzten Jahrzehnte“, erklärte der Exekutiv Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Christoph Heubner, am Samstag in Berlin. „Er war ein Gerechter unter den Völkern, der uns in einer immer absurderen und gewaltbereiteren Zeit sehr fehlen wird“. (moi/dpa)