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„Alles Fleisch ist Gras“: Das Alpenlied vom Tod im ZDF

Chefinspektor Nathan Weiß (Tobias Moretti, l.) entdeckt seine Liebe zur Selbstjustiz. Journalist Ingomar Kranz (Harald Schrott) schaut ihm auf die Finger.

Chefinspektor Nathan Weiß (Tobias Moretti, l.) entdeckt seine Liebe zur Selbstjustiz. Journalist Ingomar Kranz (Harald Schrott) schaut ihm auf die Finger.

Foto: Oliver Roth / ZDF und Oliver Roth

Die österreichische Krimi-Komödie „Alles Fleisch ist Gras“ ist mit seinem politisch unkorrekten schwarzen Humor ein wahrer Glücksfall.

Essen. Still und starr ruht der Bodensee, leise rieselt der Schnee über Dornbirn. Nacht liegt über der Häusern der kleinen Anliegerstraße mit ihren festlich dekorierten Fenstern. Ein Wagen, der langsam durch die Siedlung rollt, ein einsamer Weihnachtsmann wohl auf dem Rückweg von einem späten Einsatz: Zunächst passiert absolut nichts. Doch ahnt der Zuschauer von der ersten Sekunde an, dass diese geradezu kontemplativen Bilder nur die Ouvertüre zu etwas Ungeheurem sein können.

Denn die verhaltene Musik, die Raimund Hepp der fast Sergio-Leone-mäßigen Eröffnung (Regie: Reinhold Bilgeri) unterlegt und die unaufhaltsam wachsende Spannung aus dem Nichts erzeugt, ist eine mitreißende Hommage an Ennio Morricone.

Krimi-Komödie aus Österreich ist voll mit schwarzem Humor

Dann kommt tatsächlich der Moment, im dem aus dem Krimi „Alles Fleisch ist Gras“, dessen Titel unter anderem auf die Bibel und das Deutsche Requiem von Brahms anspielt und damit auf die falsche Fährte lenkt, das Alpenlied vom Tod wird. Durch eine gewaltige Explosion wird eines der Häuser zerstört. Zwei Bewohner wirbeln durch die Luft, fast wie fliegende Weihnachtsmänner, nur ohne Rentiere. Halleluja.

Eine so bitterböse, von schwärzestem Humor getragene Krimi-„Komödie“, die den platten Witz scheut wie der Teufel das Weihwasser und sich kein bisschen um politische Korrektheit schert, hat man im deutschen Fernsehen lange nicht gesehen.

Für den Zuschauer ist „Alles Fleisch ist Gras“ nach einem Roman von Christian Mähr in jeder Hinsicht ein Glücksfall. Wo als Folge der Corona-Krise der Vorrat an neuen Eigenproduktionen allmählich erschöpft ist, greifen die Mainzer in diesem Fall zum Rettungsanker „Erstausstrahlung“. Der dritte Fall der vom ORF produzierten und vom Bundesland Vorarlberg mitfinanzierten Landkrimi-Reihe stammt bereits aus dem Jahr 2014, wurde bisher aber nur in Österreich ausgestrahlt. Egal. Besser spät als nie.

„Alles Fleisch ist Gras“: Ein Häcksler wird zum beliebten Mordgerät

Anton Galba (Wolfgang Böck), Leiter einer Abwasserreinigungsanlage und begnadeter Chemiker, hat ein Verfahren entwickelt, um aus Klärschlamm einen ökologisch einwandfreien Superdünger zu gewinnen. Galba ist aber auch potenter Fremdgeher. Als ein Mitarbeiter ihn damit zu erpressen versucht, kommt es in der Hitze des Gesprächs zum Unfall. Der Mann stürzt unglücklich, Galba weiß sich keinen anderen Rat, als die Leiche seinem Mega-Häcksler zu überantworten. Fleisch wird zu Gras.

Chefinspektor Nathan Weiß (Tobias Moretti) kommt Galba zwar bald auf die Spur. Allerdings gibt es auch in seinem Umfeld einen brutalen Widerling, den er aus privaten wie beruflichen Gründen gern loswerden würde. Notgedrungen stellt Galba den Häcksler einmalig zur Verfügung.

Doch Weiß, der seine Liebe zur Selbstjustiz entdeckt hat, fallen andere Kandidaten ein, denen mit legalen Mitteln nicht beizukommen ist. Und auch TV-Journalist Kranz (Harald Schrott), der Weiß auf die Schliche kommt, hat einen Erz-Gegner. Der verzweifelte Galba muss sehen, wie er aus dieser Nummer wieder rauskommt.

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