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Warum Sabine Postel nicht gegen das Alter anspielen will

Als Strafverteidigerin Isa von Brede hilft Sabine Postel in der Serie „Die Kanzlei“ wieder kleinen Leuten aus der Patsche.

Als Strafverteidigerin Isa von Brede hilft Sabine Postel in der Serie „Die Kanzlei“ wieder kleinen Leuten aus der Patsche.

Foto: dpa Picture-Alliance / Georg Wendt / picture alliance/dpa

Schauspielerin Sabine Postel (66) über „Die Kanzlei“, wunderbare „Tatort“-Jahre, Dreharbeiten in Corona-Zeiten und Altern in Würde.

Köln. Ihren Job als „Tatort“-Kommissarin hat sie an den Nagel gehängt, doch als Anwältin mit Herz macht sie weiter: Sabine Postel spielt in der neuen Staffel der populären ARD-Serie „Die Kanzlei“ (ab 4.8., dienstags, 20.15 Uhr) wieder die Strafverteidigerin Isa von Brede, die gemeinsam mit ihrem Sozius Markus Gellert (Herbert Knaup) kleinen Leuten aus der Patsche hilft.

Frau Postel, vor etwa einem Jahr haben Sie Ihren letzten Fall als „Tatort“-Kommissarin Inga Lürsen gelöst. Haben Sie daheim irgendwelche Erinnerungsstücke an Ihre Rolle im Schrank stehen?

Sabine Postel: Nein. Ich hatte ja auf meinen Dienstausweis spekuliert, aber der wurde mir nach dem Dreh weggenommen – vielleicht damit ich damit keinen Missbrauch treibe und den zücke, wenn ich mal zu schnell gefahren bin (lacht). Ich habe dann aber von der Polizei eine Ehrenurkunde bekommen, die hängt jetzt bei mir in der Küche an der Wand neben einer Zeichnung von Loriot. Ansonsten habe ich nichts mitgenommen außer schönen Erinnerungen und den ganzen DVDs.

Jetzt geht Ihre Serie „Die Kanzlei“ weiter. Die von Ihnen gespielte Anwältin Isa von Brede hat einen Hygienezwang und lässt keinen Desinfektionsspender aus. Das ist heutzutage nicht mehr lustig.

Postel: Nein, wirklich nicht. Wir hatten das ursprünglich mal als Macke in den Charakter eingeschrieben, und die Zuschauer haben sich amüsiert, wenn ich zur Unzeit die Feuchttücher oder das Desinfektionsspray rausgeholt habe, oder Türklinken nicht anfassen wollte. Das sollte ein komischer Aspekt der Figur sein, aber jetzt bleibt einem das Lachen wohl im Hals stecken.

Die Serie ist beim Publikum sehr beliebt. Woran liegt das?

Postel: Die Anwälte in der Serie sind kleine Kämpfer für Gerechtigkeit, und das macht sie so sympathisch. Sie kümmern sich um die Sorgen der kleinen Leute, um die Underdogs, die woanders keine Chance haben – und das macht den Charme der Geschichte aus. Das war übrigens von Anfang an der Kern der Serie, die es ja schon sehr lange gibt. 2003 wurde die erste Folge produziert, und ich bin jetzt auch schon seit 13 Jahren dabei.

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Angefangen hatte seinerzeit alles mit Dieter Pfaff als Hauptfigur, die Serie hieß damals noch „Der Dicke“. Pfaff starb 2013, vermissen Sie ihn manchmal noch?

Postel: Ja, sehr. Er war ein sehr intelligenter, warmherziger Mensch, auch als Privatmann, deswegen waren wir befreundet, und deswegen vermisse ich ihn natürlich. Indem wir die Serie und damit sein Werk weitergeführt haben, ist er immer noch sehr präsent für mich.

Was ist an den Gerüchten dran, dass es einen Spielfilm zu „Die Kanzlei“ geben soll?

Postel: Ja, den wollten wir ursprünglich schon im April auf einer Nordsee-Insel drehen, das ging wegen Corona nicht. Nun soll es Mitte August weitergehen – statt in windiger, einsamer Atmosphäre wird nun in einer Ecke voll von Touristen mitten im Sommer gedreht. Mal sehen wie das alles klappt. Das Drehbuch sah ursprünglich viel Nähe zwischen den Figuren vor, es geht um Isas Familie. Mir ist noch nicht ganz klar, wie das unter den Hygiene-Maßnahmen funktionieren soll.

Die Vorschriften für Dreharbeiten in der Coronakrise sind sehr streng. Könnten Sie sich zur Not auch selber schminken?

Postel: Theoretisch ginge das, nur wie sähe ich dann aus? Nicht zu Unrecht ist der Beruf der Maskenbildner ein so wichtiger, gerade jetzt, wo wir mit hochauflösender Kameratechnik drehen. Durch das Licht, das gesetzt wird, und durch die feinste Auflösung sieht jeder Pickel aus wie ein Berg und jede Falte wie der Grand Canyon. Da kann man sich nicht einfach ein bisschen Rouge auf die Backen machen, sondern muss da sehr aufwendig arbeiten, um ganz normal auszusehen.

Wird dadurch das Älterwerden vor der Kamera noch schwerer als früher?

Postel: Wissen Sie, ich bin dafür, in Würde reifer und älter zu werden. Es hat ja keinen Sinn, dass ich mir das Gesicht durch eine Schönheitsoperation verzerren lasse. Wenn ich das Glück habe und die OP gut ist, kann ich noch fünf Jahre lang jüngere Rollen verkörpern, aber das bringt‘s ja nicht. Ich bin der Meinung, man muss gut aussehen, möglichst präsentabel und frisch wirken. Gegen sein Alter anzuspielen halte ich persönlich für unklug. Wir werden alle älter, und damit muss man umgehen.

Welche neuen Projekte haben Sie seit Ihrem „Tatort“-Ausstieg in Angriff genommen?

Postel: Vor Corona habe ich einen „Katie Fforde“-Film in Boston gedreht, das war großartig. Ich hatte außerdem das große Glück, eine Traumschiff-Reise zu machen, die wirklich sensationell war. Wir haben Festland-Szenen in Sambia gedreht, was unglaubliche Eindrücke für mich waren, und sind auf dem Schiff von Dubai nach Singapur gefahren, das war für mich die Erfüllung eines Traums.

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Waren Sie mal wieder in England, wo Sie früher gelebt haben?

Postel: Ich habe vor allem zu London eine enge Beziehung. Mein verstorbener Mann, der ja Verleger und Autor war, hatte seinen Verlag dort, und vor meiner Ehe habe ich Mitte der 80er drei Jahre in London gelebt. Ich habe eine Serie für Channel 4 namens „The Brief“ gedreht und hatte in England sogar eine gewisse Prominenz. Außerdem hat mein Sohn seine Lebensgefährtin beim Studium in London kennengelernt, seit zwei Jahren lebt er aber in Edinburgh. Deshalb bin ich eigentlich regelmäßig in Schottland und auch in London, aber wegen Corona ging das ja zuletzt nicht mehr. Dass ich meinen Sohn so lange nicht sehen konnte, bricht mir ein bisschen das Herz.