Interview

Warum TV-Star Clemens Schick fast ins Kloster gegangen wäre

Clemens Schick hatte in 2020 noch keinen Drehtag. Er mache gerade das Beste aus dieser Situation, sagt der Bauernhof-Besitzer.

Clemens Schick hatte in 2020 noch keinen Drehtag. Er mache gerade das Beste aus dieser Situation, sagt der Bauernhof-Besitzer.

Foto: Reto Klar / ffs

Clemens Schick, derzeit Dauergast im Fernsehen, führt ein Doppelleben zwischen Alleinsein und Adrenalin. Früher wollte er Mönch werden.

Berlin. Aktuell ist Clemens Schick Dauergast auf deutschen Bildschirmen. Neben dem Boot ist er als Kommissar in den beiden neuen Filmen der „Barcelona-Krimi“-Reihe (21. und 28. Mai, 20:15 Uhr, ARD) zu sehen. Doch gleichzeitig ist er gerade in die Stille abgetaucht. Der 48-Jährige führt ein Doppelleben zwischen Alleinsein und Adrenalin.

Wie viele Drehtage haben Sie in diesem Jahr schon absolviert?

Clemens Schick: Noch keinen. Ich hätte jetzt gearbeitet, aber dann kam der Drehstopp. Andererseits habe ich letztes Jahr viel gedreht. Ich brauche auch sonst Pausen, um alles geben zu können. Von daher mache ich gerade das Beste aus dieser Situation.

Was machen Sie, wenn Sie auf die Bremse treten?

Schick: Ich habe mir letztes Jahr einen kleinen Bauernhof auf dem Land gekauft und bin viel in der Natur draußen. Ich kümmere mich auch um meine Familie viel, ich schreibe an einem Drehbuch. Mir ist es mit mir selbst noch nie langweilig geworden. Alleinsein, in der Stille zu sein, mich mit mir zu beschäftigen, ist für mich kein Problem.

Passt das zu Ihrem Wahlberuf, der eher das Gegenteil verkörpert?

Schick: Ich finde nicht, dass mein Beruf das Gegenteil ist. Schauspiel lebt von der Konzentration. Und von der Phantasie. Ich liebe es, Geschichten zu erzählen – das ist mein Ausdruck, meine Leidenschaft. Und ich liebe Teamwork. Wenn ich drehe wie beispielsweise die „Barcelona“-Krimis, dann bin ich von morgens bis abends nonstop mit 100 Leuten umgeben, jeder trägt dazu bei, dass wir am Ende einen Film haben. Jeder ist ein Rädchen der ganzen großen Produktion. Es ist sicher kein Zufall, dass ich mit 14 zum Zirkus wollte. Dazu brauche ich dann aber eben einen Ausgleich, wo ich viel alleine und für mich bin.

Und was treibt Sie bei dieser Lust an? – Sie spielen ja höchst unterschiedliche Rollen

Schick: Mich interessiert der Mensch, was er tut, und warum er es tut. Mein Grundmotor ist die Neugierde.

Was für Antworten haben Sie zur Natur des Menschen gefunden?

Schick: Die einzige wirkliche Antwort ist, dass man nie eine Antwort findet. Jedenfalls gehe ich immer davon aus, dass jemand einen Grund für seine Handlungen hat. Liegt der in der Kindheit, im Jetzt, in der Frustration, in der Verletzung?

Was waren bei Ihnen prägende Faktoren?

Schick: Das waren am Anfang natürlich meine Eltern und meine Geschwister. Wobei mir erst später wirklich bewusst wurde, wie sehr meine Eltern mich geprägt haben. Dann waren es teilweise Kolleginnen und Kollegen mit ihrer Arbeitshaltung. Außerdem Schriftsteller, literarische Figuren – einfach kreuz und quer.

Können Sie ein Beispiel für einen Autoren nennen, der für Sie wichtig war?

Schick: Ich habe „Der Berg der sieben Stufen“ des amerikanischen Trappisten Thomas Merton gelesen, und das war für mich der letzte ausschlaggebende Grund, Mönch werden zu wollen.

Warum sind Sie das nicht geworden?

Schick: Weil das Kloster mich nicht genommen hat. Die haben geglaubt, dass das nichts für mich ist.

Mit welcher Begründung?

Schick: Diese Mönche haben zeitlebens Anwärter ankommen gesehen und eine Kenntnis entwickelt, ob jemand die Berufung dazu hat. Bei mir haben sie eine andere Berufung erkannt und gesagt: ‚Werde Schauspieler.’ Ich hatte das damals schon ein Jahr studiert und es abgebrochen.

Wie haben Sie damals reagiert?

Schick: Es war eine große Enttäuschung. Aber ich habe dann weiterstudiert, weil ich nicht wusste, was ich sonst machen sollte, und habe mich wieder in diesen Beruf verliebt.

Wie glatt verlief denn diese Rückkehr?

Schick: Mein Weg war nie ein leichter in dem Sinne, dass ich ein Shooting Star war. Ich musste mir immer in meinem Leben viele Dinge erkämpfen. Das war oft anstrengend und hat mich viel Kraft gekostet, aber der Weg ging immer in eine Richtung nach oben. Ich bin mit meinem Leben sehr zufrieden. Das ist nicht mein Charakter.

Können Sie ein Beispiel für eine Niederlage nennen?

Schick: Ich wollte auf eine staatliche Schauspielschule, bin aber nirgends genommen worden und habe auf einer privaten studieren müssen. Um mir das leisten zu können, musste ich dreimal die Woche kellnern. Dann habe ich fünf Jahre lang gewartet, bis ich danach mein erstes Festengagement bekommen habe. Solange habe ich frei an Theatern gearbeitet.

Sind Sie für die harten Erfahrungen dankbar oder hätten Sie’s lieber einfacher gehabt?

Schick: Beidseitig. Auf der einen Seite hat mich das stark gemacht, weil ich kämpfen gelernt habe. Auf der anderen Seite habe ich mir manchmal in meinem Leben mehr Leichtigkeit gewünscht.

Müssen Sie heute noch kämpfen?

Schick: In jedem Fall um Anspruch. Ich will tolle Rollen spielen, die viel erzählen, mit tollen Kollegen, Regisseurinnen und Regisseuren. Zum Glück finde ich diese auch immer wieder. Zum Beispiel in Isabel Šuba, die Regisseurin der neuen „Barcelona“-Krimis, auch wenn sie mich mit ihren Anforderungen in den Wahnsinn treiben konnte. Und das war gut so, denn der Anspruch war auch meiner. Ich unterrichte in Ludwigsburg an der Schauspielschule, und ich will viel von meinen Studenten. Da habe ich schlaflose Nächte, weil ich nicht weiß, wie ich denen am nächsten Tag begegnen soll.

Haben auch Ihre Studenten schlaflose Nächte, weil sie nicht wissen, ob sie Ihren Ansprüchen genügen?

Schick: Das weiß ich nicht. Da müssen Sie die Studenten fragen. Ich hoffe, sie haben schlaflose Nächte. Nicht im Negativen. Ich will viel von denen, und natürlich macht das auch Druck.

Das heißt, eigentlich ist Ihr Beruf eine einzige Stresserfahrung.

Schick: Nein, definitiv nicht. Nur reden wir gerade über diese Aspekte. Der Schauspielberuf hat meiner Meinung nach einfach mit Risiko zu tun, weil man sich in etwas hineinbegibt, was man nicht immer kontrollieren kann. Auf die Bühne zu treten, einen Abend zu spielen, da man weiß nie, wie wird das. Deshalb gehört immer Mut zum Risiko dazu. Eine Droge, die ich immer schon geliebt habe, ist Adrenalin. Und dank meines Berufs bin ich damit immer wieder versorgt.