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„Kommissar Dupin“: Hochspannender und entspannender Krimi

Arzt Pierre Chaboseau (Stefan Morawietz, liegend) ist zu Tode gestürzt – offenbar wurde er gestoßen. Kommissar Dupin (Pasquale Aleardi) – der im gleichen Haus wohnt – nimmt die Ermittlungen auf.

Arzt Pierre Chaboseau (Stefan Morawietz, liegend) ist zu Tode gestürzt – offenbar wurde er gestoßen. Kommissar Dupin (Pasquale Aleardi) – der im gleichen Haus wohnt – nimmt die Ermittlungen auf.

Foto: ARD Degeto/Wolfgang Ennenbach

Im Bretagne-Krimi muss der Titelheld den Tod eines Arztes aufklären. Dabei verfängt er sich in einem Netz aus Lügen und Geheimnissen.

Essen. An diesem Morgen läuft nichts so richtig rund im friedlichen Concarneau. Erst steht Kommissar Dupin (Pasquale Aleardi), der den herrlichen Tag in aller Ruhe mit einem Kaffee in seinem Stamm-Bistro beginnen möchte, vor verschlossenen Türen. Umbauarbeiten. Im Ausweich-Restaurant bringt ihm eine junge Kellnerin prompt einen Café au Lait statt des gewünschten Petit. Die telefonische Absprache mit Mutter, die aus Paris anreist und vom Bahnhof abgeholt werden will, gestaltet sich eher schwierig.

Und als endlich der bestellte „kleine Schwarze“ serviert wird, da fällt ihm aus heiterem Himmel ein Mann praktisch vor die Füße. Der Arzt Pierre Chaboseau, der im gleichen Haus wohnt, ist vom Balkon zu Tode gestürzt. Offensichtlich wurde er gestoßen.

„Kommissar Dupin“: Ein toter Arzt und lauter Geheimnisse

Dem achten Krimi „Bretonisches Vermächtnis“ der beliebten Fernsehreihe „Kommissar Dupin“, die inzwischen weltweit in über 40 Länder verkauft wurde und die auch in Frankreich auf großes Zuschauerinteresse stößt, liegt wieder ein gleichnamiger Bestseller-Roman von Jean-Luc Bannalec zugrunde.

Während sich Dupins Verlobte Claire (Christina Hecke) um Mutter Dupin kümmert, führen die Ermittlungen den Kommissar und seinen pingeligen Mitarbeiter Kadec (Jan Georg Schütte) in die Vergangenheit. Der ermordete Arzt war auch in der Immobilienbranche erfolgreich und hat mit seinen Geschäftspartnern Luzel (Peter Benedict) und Priziac (Hans-Uwe Bauer) das Gesicht des Städtchens in den letzten Jahrzehnten entscheidend mitgeprägt.

Wer war dieser Chaboseau wirklich, was verbindet die drei Männer? Wie glaubwürdig ist die desorientiert wirkende Arztgattin Maelle (Karin Giegerich), die eine offene Affäre mit Luzel hatte, welche wohl von ihrem Mann, aber vermutlich nicht von Luzels Frau akzeptiert wurde? Der Sohn des Doktors, ebenfalls Mediziner, wollte die Praxis übernehmen. Gab es vielleicht Streit um Kompetenzen?

ARD-Krimi Großartige Bilder, atmosphärischer Klang

Das Netz aus Lügen und Geheimnissen, in dem sich Dupin und Kadec immer wieder aufs Neue verfangen, wurde vor langer Zeit geknüpft. Auch die junge Kellnerin Sieren Cléac (Amy Benkenstein), die Chaboseau an jenem Morgen als letzte lebend gesehen hat, ist keine große Hilfe. Und dann wird derjenige, der noch am ehesten unter Verdacht steht, ermordet.

Die Romanbearbeitung von Eckhard Vollmar und Bruno Grass‘ einfühlsame, von einer exzellenten Kameraführung gestützte Regie bringen den ungeheuren rauen Charme der Atlantikküste konsequent zur Geltung; die atmosphärischen Schwenks durch die malerischen Gässchen der alten Hafenstadt sind, obwohl über jeden Zweifel plakativer Tourismus-Werbung erhaben, sogar dazu angetan, den Zuschauer zumindest 90 Minuten lang die Corona-Beschränkungen vergessen zu lassen.

Dass der neue Bretagne-Krimi gleichermaßen hochspannend wie wunderbar entspannend ist, liegt nicht zuletzt auch an Fabian Römer, der das Geschehen nicht mit nervender Filmmusik übertönt, vielmehr mit zurückhaltendem Sound-Design für eine zusätzliche atmosphärische Tiefe sorgt.

ARD, 20.15 Uhr.

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