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„Maischberger“: Experte warnt vor „Mutter aller Rezessionen“

Kontaktsperren in der Corona-Krise: Diese Regeln gelten jetzt

Abstand halten und Kontakte weiter reduzieren: Auf diese Regeln haben sich Bund und Länder geeinigt, um Infektionen mit dem Coronavirus einzudämmen.

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Bei „Maischberger“ geht es um die Frage: Wann wird das Leben in Deutschland wieder normal? Es ist die richtige Frage zur falschen Zeit.

Berlin. Das Land steht wegen der Corona-Pandemie erst seit wenigen Tagen in weiten Teilen still. Wie lange dies noch medizinisch nötig ist, kann nach so kurzer Zeit bislang niemand sagen. Dennoch ging es bei „Maischberger. Die Woche“ am Mittwochabend vor allem um die Zeit nach der weitreichenden Kontaktsperre. Aus der Wirtschaft werden bereits erste Forderungen zur Lockerung laut.

Die Gäste waren sich einig, dass es für diese Diskussion noch viel zu früh ist – mit einer Ausnahme.

„Maischberger. Die Woche“: Das waren die Gäste am Mittwochabend

  • Hubertus Heil (SPD), Bundesarbeitsminister
  • Margot Käßmann, Theologin
  • Karoline Preisler, Corona-Patientin
  • Gabriel Felbermayr, Präsident des Weltwirtschaftsinstituts
  • Georg Mascolo, Journalist
  • Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe

Erst hatte „Springer“-Chef Matthias Döpfner Anfang der Woche die umfassenden Maßnahmen kritisiert, anschließend wurden Stimmen aus der Wirtschaft lauter und schlussendlich war auch aus der CDU zu hören, dass der Gesundheitsschutz zwar wichtig sei, die Wirtschaft aber eben auch.

Arbeitsminister Heil bei Maischberger: „Gesundheitsschutz hat Vorrang“

Bei „Maischberger“ forderte Wirtschaftsexperte Gabriel Felbermayr dann auch: „Nach Ostern müssen die Schrauben gelockert werden.“ Schließlich würde die Krise der deutschen Wirtschaft derzeit 35 Milliarden Euro Einbußen pro Woche bedeuten. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte dafür wenig Verständnis: „Gesundheitsschutz hat Vorrang“, sagte Heil.

Doch Felbermayr ließ nicht locker, machte deutlich, dass jetzt zumindest vernünftige Statistiken und Prognosen über den Verlauf der Erkrankungen nötig seien, mit der die Wirtschaft arbeiten und planen kann. Worauf er aber auch bei geringem täglichem Nachrichtenkonsum von selbst hätte kommen können, erklärte ihm der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit in kurzen klaren Worten: „Das ist so derzeit nicht möglich.“ Für seriöse Aussagen oder gar Prognosen ist es schlicht noch zu früh.

„Maischberger. Die Woche“: Richtiges Thema zum falschen Zeitpunkt

Dabei hatte Felbermayr natürlich mit seinen Argumenten nicht Unrecht: Drei bis vier Millionen Menschen sind oder werden bald in Kurzarbeit sein und viele kleine Betriebe und Soloselbstständige haben Existenzängste. Zugleich hatte aber erst wenige Stunden vor der Sendung der Bundestag die Schuldenbremse aufgeweicht und damit den Weg für ein milliardenschweres Hilfsprogramm frei gemacht: 156 Milliarden Euro sollen an Bürger und Betriebe in Deutschland verteilt werden. Kurzarbeit wegen Coronavirus: Lesen Sie hier, was man jetzt über Kurzarbeit wissen muss

Dennoch mahnte Felbermayr weiter vor einer dunklen Zukunft und prophezeite gar – immer mit der Forderung nach einer baldigen Rückkehr zur Normalität verbunden – die anstehende „Mutter aller Rezessionen“. Für eine solch fatalistische Welt sicht hatte der Journalist Georg Mascolo nur bedingt Verständnis: „So verständlich das Thema grundsätzlich ist: Es ist jetzt der falsche Zeitpunkt für diese Diskussion“, sagte Mascolo.

Mahnungen vor der Pandemie wurden nicht ernst genommen

Dass die Diskussion trotzdem geführt wurde, war umso ärgerlicher, weil ein zweites Thema nur am Rande diskutiert wurde: die Fehleranalyse. „Viele haben frühe Warnungen nicht ernst genommen“, beklagte Mascolo. Vielfach gab es schon vor Jahren Stimmen – ob von Microsoft-Gründe Bill Gates oder dem früheren UN-Generalsekretär Kofi Annan – die mahnten, dass Pandemien in globalisierten Zeiten ernster genommen werden müssen. Auch die Bundesregierung hatte bereits vor Jahren Notfallpläne geschmiedet – an Atemschutzmasken fehlt es dennoch.

Das Fazit

Politiker und Experten rufen derzeit durchweg zu Geduld in der Bevölkerung auf. Auch bei „Maischberger“ klang das von den Gästen immer wieder an. Gleichzeitig zeigte sich an der zentralen Frage der Sendung – Wie geht es weiter nach der Krise? – doch bereits ein Hauch von Ungeduld. Schon das wirkte paradox.

Hinzu kam: Es ist offenkundig, dass es für diese Frage noch zu früh ist – wie soll eine Talkshow darüber also sinnvoll diskutieren lassen? Eher wenig, deshalb: richtige Frage, falscher Zeitpunkt.

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