Krimikomödie

„Das Gesetz sind wir“: Polizeistreife narrt den Clanchef

Maja Witt (Julia Koschitz) und Klaus Burck (Aljoscha Stadelmann) spielen in „Das Gesetz sind wir“ Streifenpolizisten in Bremen.

Maja Witt (Julia Koschitz) und Klaus Burck (Aljoscha Stadelmann) spielen in „Das Gesetz sind wir“ Streifenpolizisten in Bremen.

Foto: Michael Ihle / ZDF und Michael Ihle

In „Das Gesetz sind wir“ bekommen es zwei Bremer Polizisten mit einem Clanchef zu tun. Dabei handeln sie nur zum Teil nach Handbuch.

Berlin. Irgendwann fällt dieser eine Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Im Fall von Klaus Burck ist tatsächlich Flüssigkeit im Spiel: Als ihm ein halbstarker Jugendlicher ins Gesicht spuckt, platzt dem Bremer Streifenpolizisten in „Das Gesetz sind wir“ (25. März, 20.15 Uhr, ZDF) der Kragen. Der Schlag ist ein Reflex, aber er hat fatale Folgen, zunächst für das Nasenbein des Jungen, dann für Burck und seine Kollegin Maja Witt.

Das Opfer, das eigentlich ein Täter ist – der Bursche wollte mit seinen Freunden einen Obdachlosen anzünden – entpuppt sich als jüngster Sohn von Clanchef Djamal Issa; und der betrachtet den Schlag selbstredend als Verletzung der Familienehre. Burck und Witt haben nun die Wahl: Kuschen oder Krieg; aber Kuschen ist nicht ihr Ding.

„Das Gesetz sind wir“: Dieses Muster taucht immer wieder auf

Freunde der Filme von Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt werden bereits beim Namen Klaus Burck aufmerken: So hieß eine von Hinnerk Schönemann verkörperte Figur in dem Thriller „Mörderische Erpressung“; ein mutiger Dorfpolizist, der sich wie im Western-Klassiker „High Noon“ gegen eine Übermacht stellt.

Dieses Muster taucht in Schmidts Geschichten immer wieder auf, unter anderem in „13 Uhr mittags“ (ARD, 2018) mit Jörg Schüttauf als Dorfsheriff, der über sich hinauswachsen muss. Das Drehbuch hat Schmidt unter einem Pseudonym geschrieben: Klaus Burck.

Querverweise dieser Art gibt es im Universum des Autors ständig, und das nicht nur wegen der regelmäßig auftauchenden Figur des unerschrockenen Dorfpolizisten, wie ihn Aljoscha Stadelmann in der ARD-Reihe „Harter Brocken“ verkörpert. Stadelmann spielt auch den Bremer Burck, Regie führte Markus Imboden, der schon ein Dutzend von Schmidts Drehbüchern verfilmt hat; die beiden sind 2010 für den Insel-Western „Mörder auf Amrum“ (ZDF) mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet worden.

„Das Gesetz sind wir“ fällt zu früheren Produktionen etwas ab

An diese Klasse kommt „Das Gesetz sind wir“ allerdings ebenso wenig ran wie an „Harter Brocken“. Auch im Vergleich zur vierteiligen Finn-Zehender-Reihe mit Schönemann, die Imboden und Schmidt ebenfalls fürs ZDF (2011 bis 2014) gemacht haben, wirkt der Film insgesamt weicher.

Die Figuren sind nicht ganz so hartgesotten, der Humor ist längst nicht so grimmig, die Sprüche sind bei Weitem nicht so böse, die einzige Actionszene gegen Ende ist relativ harmlos; selbst die Schussgeräusche klingen nicht tödlich.

Vielleicht rührt daher das ZDF-Etikett „Krimikomödie“. Die Handlung hat zwar gelegentlich heiteres Potenzial, aber Imboden hat zum Glück darauf verzichtet, die entsprechenden Szenen komödiantisch zu inszenieren.

Ermittler ziehen ihren Kopf äußerst clever aus der Schlinge

Von den anderen Krimis Schmidts unterscheidet sich „Das Gesetz sind wir“ nicht zuletzt durch den auch für einen ZDF-Film ungewöhnlichen Schauplatz Bremen: In einer Stadt funktionieren selbst typische Schmidt-Geschichten zwangsläufig anders als in freier Wildbahn, zumal Burck und seine Kollegin Witt (Julia Koschitz) ihren skrupellosen Gegner (Merab Ninidze) mit List und Verstand bekämpfen.

Zunächst gelingt es ihnen, den jungen Ahmed Issa (Rauand Taleb) und seinen gerissenen Anwalt (Marc Hosemann) reinzulegen, indem sie den beiden Drogen unterjubeln. Aber der alte Issa hat seine Leute auch bei der Polizei, weshalb der Plan doch noch misslingt. Außerdem schlägt der Clan zurück und trifft die beiden dort, wo es ihnen am meisten weh tut.

Burck und Witt ist daher klar: Dieses Problem muss ein für alle mal gelöst werden, sonst werden sie ihres Lebens nie wieder froh. Ihr Clou mag nicht so ausgeklügelt sein wie im gleichnamigen Klassiker mit Robert Redford und Paul Newman, aber wie sie ihren Kopf aus der Schlinge ziehen, ist nicht nur äußerst clever, sondern auch ein großes Vergnügen.

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Film lebt vom Wandel der Figuren

Die Geschichte lebt vor allem vom verblüffenden Wandel der beiden Hauptfiguren, die schließlich neben einer beachtlichen Raffinesse auch große Freude an der Hochstapelei offenbaren: Um sich im Fuhrpark der Polizei bedienen zu können, geben sich die beiden frech als Verfassungsschützer aus; clever verzögert Schmidt Ziel und Zweck dieser Aktion.

Reizvoll ist auch die umgekehrte Rollenverteilung „Guter Bulle, böser Bulle“: Burck ist ein sanftmütiger Typ, der Delinquenten ausgesucht höflich behandelt; Witt ist dafür zuständig, die Ganoven im Wortsinne aufs Kreuz zu legen. Stadelmann und Koschitz haben sich schon in zwei Episoden von „Harter Brocken“ perfekt ergänzt, dort allerdings als Gegenspieler.

Die schönsten Szenen sind trotzdem jene, in denen sich Burck liebevoll um seinen dementen Vater kümmert. Der alte Herr wird von Heiner Stadelmeier verkörpert, der auch im wahren Leben Aljoschas Vater ist.

• Mittwoch, 25. März, 20.15 Uhr. ZDF: „Das Gesetz sind wir“