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„Höhle der Löwen“: Gründer helfen Rezemo ohne Deal weiter

"Die Höhle der Löwen": Das ist die Jury 2019
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In „Die Höhle der Löwen“ gab es einen Deal für die Kaffeekapseln von Rezemo. Doch nach der Sendung ging es nicht so positiv weiter.

Berlin. Wer in der „Höhle der Löwen“ einen Deal abschließen will, muss drei Dinge mitbringen: Leidenschaft, Persönlichkeit – und eine Idee, für die es einen Markt gibt. Je größer, desto besser. Eigentlich ein einfaches Erfolgsrezept. Was könnte also besser funktionieren als Kaffee? Immerhin wird der Wachmacher immer und überall getrunken.

Auf diesem riesigen Markt will auch das Start-up Rezemo punkten und ihren Kaffee in Kapseln vertreiben. Allerdings wollen die Gründer verhindern, dass wie bei der Konkurrenz riesige Mengen an Müll durch die Kapseln entstehen. „Weltweit sind es 60 Milliarden Stück“, sagt der 27-jährige Unternehmer Julian Reitze aus Stuttgart. Zusammen mit Partner Stefan Zender hat er sein Unternehmen gegründet.

Mit Kapseln aus Holz und natürlichen Verbundstoffen wollen sie den Kaffeemarkt revolutionieren. Und da standen sie nun am Dienstagabend vor der Investoren-Jury bei der „Höhle der Löwen“. Zwei junge Männer, die von ihrer Geschäftsidee überzeugt sind. Für eine halbe Million Euro boten sie zehn Prozent an ihrem Unternehmen an. Erst 2018 sind sie in den Markt eingestiegen – mit gerade mal 100.000 abgesetzten Kapseln. Jetzt setzen sie auf Größe.

„Die Höhle der Löwen“ – Die Produkte der zweiten Folge:

  • Rezemo: Nachhaltige Kaffeekapseln aus Holz
  • Soummé: Antitranspirant gegen starkes Schwitzen
  • SofaConcerts: Buchungsplattform für Privatkonzerte
  • Everest Climbing: Die rotierende Kletterwand
  • Vetevo: App für die medizinische Versorgung von Tieren

Kaffeekapseln von Rezemo: Millionen-Deal platzt nach Show

Der Zeitpunkt ist günstig: Nachhaltige Produkte sind im Trend – auch dank Bewegungen wie „Fridays for Future“. Potential ist also da. Davon zeigten sich auch die Löwen, also die Juroren, überzeugt. Carsten Maschmeyer, Dagmar Wöhrl und Ralf Dümmel berieten sich, wollten gemeinsam einsteigen. Eine Million Euro für zwanzig Prozent legten sie auf den Tisch. „Und jetzt sagt ja“, rief Ralf Dümmel, der sich zuletzt einer Kollegen-Attacke gegenüber sah. Und tatsächlich sagten die Gründer ja. Das gab‘s auch noch nicht: Dass Gründer doppelt so viel Kapital aus der „Höhle“ mitnehmen, als eigentlich gefordert.

Doch mittlerweile ist klar: Der Deal ist nach der Sendung geplatzt. Wie die Gründer von Rezemo in einer Pressemitteilung bekanntgaben. Demnach habe sich im Verlauf der Gespräche mit den drei „Löwen“ herauskristallisiert, dass man sich in der Frage um die zukünftige strategische Ausrichtung des Unternehmens nicht einigen kann. „So kam letztlich doch keine Beteiligung der drei Investoren zustande“, gaben die Start-up-Unternehmer weiter bekannt. Dennoch hätten die drei Investoren ihre „Unterstützung mit ihrem Know-how und ihrem Netzwerk zugesagt“.

Laut der Mitteilung hätten sich bei beispielsweise Carsten Maschmeyer und dessen Mitarbeiter mehrfach mit den Gründern von Rezemo getroffen. Dagmar Wöhrl gibt laut der Mittelung noch einen Ausblick darauf, welche Produkte das unternehmen in Zukunft entwickeln könnte: „Ich hoffe, dass rezemo den Lebensmittelmarkt revolutionieren wird,sodass irgendwann selbst Joghurts eine rezemo-Verpackung erhalten.“, heißt es in der Stellungnahme.

Georg Kofler investiert in Everest Climbing

Die Kandidaten der zweiten Folge in Staffel sechs der beliebten Gründershow hatten allesamt nette Ideen im Gepäck. So wie Piotr Malecki und Dariusz Salamonowicz aus Frankfurt von Everest Climbing. Sie haben eine Kletterwand entwickelt. Die ist ausgestattet mit fünf Laufbändern, die in unterschiedlichen Geschwindigkeiten rotieren.

So entstehen immer neue Kletterstrecken. Damit die Firma weiterwachsen kann, benötigen sie 220.000 Euro für 15 Prozent Anteile. Allerdings: Im letzten Jahr haben die Gründer nur sechs Geräte verkauft – und ihr Produkt für mehrere Events verliehen. „Der Gesamtumsatz lag bei 170.000 Euro“, sagte Malecki. Ihre Zielgruppe: Schulen, Kindergärten, Fitnessstudios, Büros. „Ich glaube nicht an den geschäftlichen Erfolg“, senkte Carsten Maschmeyer den Daumen. Nur Georg Kofler ließ sich vom Optimismus der Gründer anstecken.

Immerhin haben sie fünf Mitarbeiter in Polen, eine angemietete Produktionshalle. Und sie machen alles selbst. „Mir gefällt das“, sagte Kofler. Und stieg mit 30 Prozent ein.

Zwei Gründerinnen, die in der „Höhle der Löwen“ auf den Deal verzichten

Doch es gibt auch Gründer, die bei 30 Prozent hart bleiben. Und auf den Deal verzichten. Marie-Lene Armingeon und Miriam Schütt gehören dazu. Die beiden haben mit Sofa Concerts ein Portal für Sofa-Konzerte entwickelt. Musikfans können dort eine Band buchen – fürs Konzert in den eigenen vier Wänden. 5000 Künstler sind nach eigenen Angaben schon dabei. Von den Löwen erhofften sie sich 350.000 Euro – und boten dafür zehn Prozent Firmenanteile.

„Wir sind Macher-Typen“, sagte Schütt. Deswegen bieten sie die Dienstleistung auch Firmen an. „Ihr verzettelt euch“, fand Dagmar Wöhrl. Und Neu-Juror Nils Glagau sekundierte: „Ich verstehe nicht, wie ihr von Sofa-Konzerten wieder zu Firmen kommt“. Auch Ralf Dümmel konnte mit der Geschäftsidee wenig anfangen. Wieder war es Georg Kofler, der zum Deal bereit war. „Für 350.000 Euro will ich 30 Prozent“, sagte er. Die beiden jungen Frauen zogen sich zurück, telefonierten mit ihrem Berater – und sagten ab. Ohne nochmal in die Verhandlungen einzusteigen. Ein Verhalten, das die Jury irritierte. Carsten Maschmeyer zürnte: „In Ihrer Bewertung ist der Wurm drin!“

Maschmeyer kritisiert Gründerin: „Sie sollten mal bei sich den Bewertungswurm-Test machen“

Doch eine wirkliche Überraschung bot erst der Auftritt von Mareile Wölwer. Die 25-Jährige, die Geschäftspartner Felix mitgebracht hatte, überzeugte weniger durch ihr Produkt, einen Wurmtest für Tiere und die dazugehörige App Vetevo. Das gibt’s in der Form schon – nur nicht digitalisiert und zum Selbermachen. Was auffiel, war ihr Angebot: Für zehn Prozent Anteile wollten die Jungunternehmer sage und schreibe 1,1 Millionen Euro haben.

Doch je länger sie redeten, desto mehr verfinsterte sich die Miene von Carsten Maschmeyer . „Sie haben einen Test, den es sowieso gibt. Wurmkuren gab’s auch schon vorher. Sie haben nur die App. Und Ihre Firma soll elf Millionen Euro wert sein, wenn das Geld von uns noch dazu kommt?“, fragte er. Der angegebene Umsatz sei schöngerechnet – um den Unternehmenswert zu pushen.

„Ihre Bewertung sehe ich nicht, die ist absolut überhöht“, sagte auch Frank Thelen. Georg Kofler winkte ebenfalls ab. Und Judith Williams schimpfte: „Das ist kein faires Angebot“. Damit wäre eigentlich alles gesagt. Nur einer hatte noch nicht genug: Carsten Maschmeyer , der in der vorangegangenen Folge einem Gründer noch hinterhergelaufen war. „In Ihrer Bewertung ist der Wurm drin“, zürnte er. „Sie sollten mal bei sich den Bewertungswurm-Test machen“, empfahl er. Maschmeyer warf den beiden vor, nur in die Sendung gekommen zu sein, um Werbung zu machen.

„Sie wussten, dass Sie hier keinen Deal bekommen“. „Das stimmt nicht. Für uns ist es wichtig, unsere Plattform auszubauen“, sagte die so gescholtene Kandidatin hinterher. Immerhin: Die Löwen waren jetzt auf Temperatur.

Deo „Soummé“ überzeugt die Jury

Doch die nächste Kandidatin beruhigte die Gemüter wieder: Sümmeyya Bach schaffte es, die Juroren zu begeistern. Von sich und ihrer Idee. Die ehemalige Vielschwitzerin hat ein entsprechendes Deo entwickelt, das die Schweißkanäle verengt, ohne sie zu verstopfen. Bach berichtete von ihrer Krankheit Hyperhidrose, Schweißflecken selbst in Winterjacken und der Angst, in der Schule den Arm zum Melden zu heben. Ein glaubwürdiger Auftritt mit dem Produkt „Soummé“.

Für ihr Unternehmen habe sie das Jura-Studium aufgegeben. Jetzt wolle sie ins Marketing investieren – mit 150.000 Euro von den Investoren, die dafür zehn Prozent Anteile erhalten. Ihr Produkt sei für alle geeignet. Auch für Menschen, die normal schwitzen. „Ich bin tief beeindruckt. Sie kommen hier rein mit einer Bescheidenheit, die mich bewegt“, sagte Judith Williams. Auch Ralf Dümmel und Georg Kofler wären bereit gewesen, einzusteigen.

Am Ende entschied sich die Jungunternehmerin für Dümmel – den Favoriten ihrer kranken Mutter. 150.000 Euro für 20 Prozent. Sümmeyya Bach hat alles mitgebracht, was bei der „Höhle der Löwen“ zum Erfolg führt. Leidenschaft, Persönlichkeit und eine gute Idee. Wie gesagt: Das Erfolgsrezept ist einfach. Eigentlich.