ARD-Dokumentation

Doku zeigt: So verschlossen ist die Welt der Milliardäre

Im Schlosshotel Kronberg richtet das Manager Magazin die „Hall of Fame“ aus, wo Superreiche zusammenkommen.

Im Schlosshotel Kronberg richtet das Manager Magazin die „Hall of Fame“ aus, wo Superreiche zusammenkommen.

Foto: rbb/EIKON Media/Andy Lehmann

Deutschlands Superreiche geben nur selten Einblicke in ihr Leben. Eine TV-Dokumentation versucht, ihnen nahe zu kommen – und scheitert.

Berlin.  Hinter den mächtigen Holztüren des Schlosshotels Kronberg erhaschen wir einen Einblick: Zwischen prunkvollen Kronleuchtern und rotem Teppichboden sieht man schwarze Anzüge und Krawatten, auch goldene Armbanduhren und viele graue Haare.

Die ARD-Dokumentation „Ganz oben – Die diskrete Welt der Milliardäre“ schaut an diesem Montag (11.2., ARD um 23 Uhr) in die Welt der Superreichen Deutschlands. Diese gilt als ein männlich dominiertes und verschlossenes Reich. Die Doku selbst scheint diese Welt nur ganz kurz zu streifen.

Milliardäre outen sich oft nicht gerne als reich

Das hat viel damit zu tun, dass Deutschlands Reiche offenbar eine ganz spezielle Kategorie unter den vermögendsten Menschen der Welt bilden: Die meisten von ihnen outen sich nicht gerne als reich, verstecken sich und möchten ein „normales Leben“ führen.

Das ist das Ergebnis einer Redaktionskonferenz beim „Manager Magazin“, die die Dokumentarfilmemacher begleiten.

Die Redakteure des Magazins erstellen jährlich die Liste der 1001 reichsten Menschen in Deutschland und gelten als Experten der Milliardärs-Szene. Chefredakteur Steffen Klusmann erzählt, wer die Liste stets anführt, wie viele Milliarden die Menschen besitzen und um wie viele Milliarden nach oben sich die Redakteure trotz allem eigentlich verschätzen.

Deutsche Reiche sind ganz anders als Gründer von Google & Co.

Der deutsche Typus des Schwermilliardärs sei ein ganz anderer als der amerikanische, weiß der Wirtschaftsjournalist Klusmann. Das Vermögen der deutschen Superreichen sei „altes Geld“, entstamme aus „alten Unternehmen“ – anders als das Vermögen der Riege um die jungen Gründer von Facebook, Google und Co.

Der deutsche Superreiche halte sich gern zurück mit seinem Reichtum, sagt Klusmann, sei schon fast bieder. Statt sich eine luxuriöse Yacht anzulegen, fahre er daheim lieber einen VW.

In der Öffentlichkeit treten sie lieber nicht auf, weil sie negative Darstellung vermeiden wollen, behauptet in der Doku auch der Vermögensberater Christian Freiherr von Bechtholsheim, der selbst einer Adelsfamilie entstammt.

Dirk Roßmann spekuliert lieber mit Aktien

Für die Macher der Doku war es nicht leicht, an Milliardäre heranzukommen, die bereit zu waren, mit ihnen zu sprechen. Ein paar zeigen sich dann aber doch: Michael Otto, Dirk Roßmann und Rainer Schaller – und sie berichten aus ihrem Leben als reiche Deutsche.

Dirk Roßmann etwa, Gründer der Drogeriekette Rossmann. Er behauptet, sich mit seinem Vermögen nicht mulmig zu fühlen. Er habe ja was, weil er dafür was leiste.

Sein Leben scheint die Klischees über Superreiche in vielerlei Hinsicht zu erfüllen: Tennis spielen, die Loge im Fußballstadion besetzen. Lotto findet er langweilig, sagt Roßmann, mit Aktien spekulieren – das mache ihm Spaß.

Sein Sohn Raoul Roßmann soll bald die Nachfolge antreten. Doch für den Vater war es ein Stück Arbeit, ihn dazu zu überreden. Eigentlich habe Raoul Regisseur werden wollen, erklärt er im Interview. „Da habe ich gedacht, ich will das nicht“, sagt Dirk Roßmann in der Doku. Um ihn zu überzeugen, hätte er dem Sohn dann gesagt, ein Unternehmen zu führen, das sei ja auch wie in einem Film Regie führen...

Das klingt fast spielfilmreif – Verhältnisse, die beinahe an „Denver-Clan“ oder „Dallas“ erinnern.

Rainer Schaller: „Man muss schon ein Alpha-Tier sein“

Die Filmemacher begleiten auch Rainer Schaller, Gründer von McFit, bei seinen Planungen, die Billig-Fitnesskette weiter auszubauen und mit einer Fitnesshalle das „Silicon Valley der Fitness“ im Ruhrgebiet aufzubauen.

„Einfacher ist es die Nummer 1 zu werden, als zu bleiben“, sagt Schaller, der auch die Loveparade veranstaltet. „Man muss schon ein Alpha-Tier sein“, sagt der Unternehmer, der aus einem Dorf bei Bamberg stammt und zunächst als Verkäufer seine Karriere begonnen hat.

Heute taucht Schaller im Manager-Magazin-Ranking der 1001 reichsten Deutschen auf.

Michael Otto möchte nicht wie Dagobert Duck gesehen werden

Von einem anderen Klischée über Millionäre erzählt in der Doku dann Michael Otto, Aufsichtsratsvorsitzender der Otto Group. Er wolle nicht wie die Comicfigur Dagobert Duck gezeichnet sehen. „Man sitzt nicht im Geldspeicher unten und klingelt mit den Goldmünzen“, sagt der Erbe des Familienunternehmens, das sich derzeit inmitten des Ausbaus zum Online-Versandhandel befindet.

So dicht verschlossen wie der Geldspeicher scheint die Welt der Milliardäre für den durchschnittlichen Zuschauer am Ende aber doch zu bleiben. Dem Menschen Michael Otto, der auch als Stifter tätig ist, kommt der Zuschauer zumindest kaum nahe. Was hängen bleibt, ist allenfalls seine Aussprache von Dagobert Duck alias Dagobert „Duuhk“. (tan)

Montag, 11. Februar, ARD um 23 Uhr

© Bergedorfer Zeitung 2019 – Alle Rechte vorbehalten.