Castingshow

„The Voice“: Wie eine blinde Sängerin die Jury verzauberte

Eine Kandidatin wie Bernarda Brunovic wünscht sich jeder Juror für sein Team. Die blinde Sängerin entscheidet sich für Patrick Kelly als Mentor.

Eine Kandidatin wie Bernarda Brunovic wünscht sich jeder Juror für sein Team. Die blinde Sängerin entscheidet sich für Patrick Kelly als Mentor.

Foto: Richard Hübner / SAT.1/ProSieben

Bernarda Brunovics Geschichte rührte Publikum und Juroren bei TVOG. Doch zum Weinen brachte Yvonne Catterfeld ein anderer Auftritt.

Berlin.  Und plötzlich war die Erinnerung wieder da. Diese gefühlvolle Stimme, ein toller Song und dazu das begeisterte Publikum. Yvonne Catterfeld, die sonst so toughe Jurorin, ließ sich mitreißen – bis die Tränen flossen. „Ich musste an meinen verstorbenen Freund Roger Cicero denken“, sagte die 38-Jährige mit brüchiger Stimme. Cicero war vor zwei Jahren an einem Schlaganfall gestorben – mit gerade mal 45 Jahren.

Ein Ereignis, das Catterfeld noch immer belastet. Jury-Kollege Michi Beck nahm seine weinende Sitznachbarin in den Arm, tröstete sie.

Was hat Catterfeld emotional so aufgebracht?

Der 25-jährige Gerüstbauer Giuliano De Stefano hatte bei „The Voice of Germany“ am Sonntagabend gerade „A Song For You“ von Donny Hathaway interpretiert – und damit Publikum und Jury begeistert. „Du hast bei mir etwas ausgelöst“, sagte Yvonne Catterfeld.

Und nicht nur bei ihr. Kaum zu glauben, dass De Stefano Musik nur als Hobby betreibt. Der 25-Jährige stand auf der TV-Bühne, als hätte er nie etwas anderes gemacht – dabei war es sein erster großer Auftritt vor Publikum, Gesangsstunden nahm er nur sehr wenige, sagte er. Wenn das stimmt: Chapeau!

Auftritte, die im Gedächtnis bleiben

Es war ein Abend der Emotionen bei „The Voice“. Neben Gerüstbauer Giuliano De Stefano, der sich – na klar – dem Team von Catterfeld anschloss, blieb vor allem ein Auftritt im Gedächtnis: der von Bernarda Brunovic. Die 25-jährige Schweizerin ist von Geburt an blind.

Zweifellos ist sie eine der beeindruckendsten Kandidatinnen der achten Staffel von „The Voice“. Nicht nur, weil sie eine tolle Stimme hat. Es sind ihre Geschichte, ihr Mut und ihr Ehrgeiz, die überzeugen.

Als junges Mädchen fühlte sie sich ausgeschlossen, ausgegrenzt. 33 Operationen ließ Brunovic über sich ergehen, um endlich sehen zu können – erfolglos. Ein Eingriff führte sogar dazu, dass sie ihr linkes Auge verlor. Dort sitzt jetzt eine Glasprothese. Mit 15 zog Brunovic einen Schlussstrich. „Ich hatte genug von Krankenhäusern, Narkosen, Medikamenten“, sagte sie. „Ich konnte einfach nicht mehr.“

Ihr Motto: Alles ist möglich

Sie akzeptierte sich so, wie sie ist – und schöpfte neue Kraft. „Ich habe gelernt, die Welt mit anderen Sinnen zu sehen“, sagte die Sängerin. Ihr Motto: Alles ist möglich. Und zumindest bei „The Voice“ sind ihr wirklich keine Grenzen gesetzt.

Als Brunovic im roten Kleid und mit Sonnenbrille auf der Bühne stand und „I Heard It Through The Grapevine“ von Marvin Gaye anstimmte, waren Jury und Publikum gleich hin und weg. „Du hast uns mit deinem Auftritt die Augen geöffnet für eine Welt, die nur du siehst“, schwärmte Patrick Kelly hinterher.

Von einem „ganz besonderen Moment“ sprach Mark Forster. Und Yvonne Catterfeld flötete: „Du bist eine bezaubernde Frau mit einer sexy-verführerischen Stimme.“

Klar: Jeder Juror wünscht sich Kandidaten in seinem Team, die gut singen können – und das besondere Extra haben. So wie Bernarda Brunovic. Die 25-Jährige entschied sich schließlich für das Team von Patrick Kelly – sehr zum Leidwesen der anderen Juroren. Denn auch sie wissen: Hier entsteht ein Duo, das es ganz weit bringen könnte in dieser achten Staffel von „The Voice“ .

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