ARD-Serie

„Rentnercops“ brachte Tilo Prückner die Rolle seines Lebens

Tilo Prückner als Edwin Bremer (hinten) mit Co-Kommissar Günter Hoffmann (Wolfgang Winkler).

Foto: Ard/Kai Schulz / ARD/Kai Schulz

Tilo Prückner als Edwin Bremer (hinten) mit Co-Kommissar Günter Hoffmann (Wolfgang Winkler).

Tilo Prückner nimmt in der neuen Staffel der „Rentnercops“ die Verbrecherjagd wieder auf. Am Mittwoch läuft die erste Folge in der ARD.

Berlin..  Konrad Adenauer hat einmal gesagt, da war er 85 Jahre alt: „Ich kann Menschen unter 60 kaum ernst nehmen.“ Wenn man länger mit Tilo Prückner redet, versteht man diesen Satz etwas besser. Der 77 Jahre alte Schauspieler schafft es in einem Gespräch mühelos, die großen und die kleinen Dinge des Lebens zu verbinden. Mal ernst, mal heiter, aber es wird klar: Dieser Mann hat viel erlebt.

Für ihn ist es ganz natürlich, von einem Wasserschaden zu erzählen, dann über die Beerdigung eines Freundes und danach darüber, wie man eine Trennung übersteht. Bei Tilo Prückner hört sich das alles ausnehmend heiter und gelassen an. Das Altwerden und das Altsein. Als ob der sogenannte Lebensabend die beste Zeit überhaupt wäre.

Seit 50 Jahren vor der Kamera

Dabei bedeutet das Alter für Tilo Prückner vor allem Arbeit. Er hat gerade jetzt die wohl produktivste Zeit seines Lebens: „In den letzten Monaten habe ich pausenlos gedreht“, sagt er, „ich frage mich selbst, wie ich das alles geschafft habe.“ Dabei sei ihm sein Schlaf so wichtig geworden. „Außerdem hatte ich einen Wasserschaden in der Wohnung, um den ich mich kümmern muss, und das geht dann kaum, wenn man so viel arbeitet.“

Seit 50 Jahren hat er nichts anderes gemacht, als im Theater oder vor der Kamera zu stehen. Er war ein kleines Monster in der „Unendlichen Geschichte“, spielte in Andreas Dresens großartigem „Willenbrock“. Und vor sechs Jahren lief die Nazi-Weltraumkomödie „Iron Sky“ mit Prückner in 20 Ländern. Da mutet es fast seltsam an, wenn er sagt, dass es keine Rolle gab, die besser zu ihm passte als der Edwin Bremer aus den „Rentnercops“. Am Mittwoch läuft die mittlerweile dritte Staffel der ARD-Serie an (18.50 Uhr).

Gemeinsamkeiten zwischen Schauspieler und Ermittler

„Der Edwin Bremer ist die erste Person, bei der ich mich frage, ob ich ihn beeinflusse über die Jahre oder er mich.“ Als Edwin sagt er in einer der neuen Folgen: „Wenn du mir eine E-Mail schickst, ruf mich an und sag Bescheid, okay?“ Das sei ein Satz, den er auch selbst gesagt haben könnte. Und umgekehrt entdeckt er manchmal diese lockere ironische Art des Ermittlers bei sich selbst. Oder war die schon immer da? Natürlich spiele sicher auch das Alter eine Rolle, dass man zu Dingen einen Abstand gewinnt. Selbst über seine Trennung von der Ehefrau nach 39 Jahren, auch davon erzählt er mit einem Lächeln. Da geht also die große Liebe, weil sie einen Inder kennengelernt hat, der halb so alt ist wie sie? Das sei so bitter wie auch komisch gewesen.

Manfred Krug wurde sein Freund

Wie gut, dass er immer viel beschäftigt war: Es gab kaum einen Dreh, den er abgesagt hatte. Nur einmal, erinnert er sich, hat ihn eine Krankheit von der Kamera ferngehalten. Prückner hat mit den Größten seines Fachs gearbeitet: Monika Bleibtreu, Bruno Ganz, Manfred Krug. Besonders bei Letzterem wird er noch einmal sentimental.

„Manfred Krug habe ich kennengelernt, da war gerade die Mauer gefallen“, erinnert er sich. „Da standen wir für einen WDR-Krimi vor der Kamera, er als Gangster, ich als Verrückter.“ Prückner muss der erste Westdeutsche gewesen sein, den Krug getroffen hat. „Er war so vollkommen anders und verstand nicht, was ich da spielte.“ Erst Jahre später trat Tilo Prückner in einer Gastrolle bei „Liebling Kreuzberg“ auf. „Da sah er mich wieder und freute sich richtig.“ Von da an waren sie Freunde bis zum Tod Krugs.

Gedanken über Beerdigung

Das ist ein Thema, über das Prückner leichtfüßig sprechen kann. Viele seiner Kollegen sind gestorben oder dement geworden. Er ist glücklich, dass er noch arbeiten kann. Aber er hat sich schon Gedanken über seine Beerdigung gemacht: Er möchte nicht viel Aufsehen darum machen. Am liebsten wäre ihm ja, dann einfach weg zu sein. Aber er hat ja zwei Söhne, mehrere Enkel — und eine kore­anische Schwiegertochter.

„Ver­suchen Sie, mit der mal über eine kleine Beerdigung zu reden“, sagt er, ­„Ahnen sind da ganz wichtig, und ihr ist wichtig, wo die Eltern einst liegen werden.“ Er hat sich da dann gefügt, aber mehr muss jetzt auch nicht darüber gesprochen werden.

• Mittwoch, 5. September, ARD, 18.50 Uhr

• Link zur „Rentnercops“-Seite der ARD

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