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Profi-Karrieren im „E-Sport“ werden immer lukrativer

Gamescom 2018: Das bietet die Spiele-Messe

Gamescom 2018: Technik-Redakteur Jan Mölleken hat sich auf der Computerspiele-Messe umgesehen.

Gamescom 2018: Das bietet die Spiele-Messe

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Auf der Spielemesse Gamescom werden die Trends der Branche gezeigt. Vorne mit dabei sind der „E-Sport“ und Spiele-Streaming-Services.

Köln/Berlin.  Bässe wummern, Hunderte Displays und Leinwände bestrahlen die schummrigen Kölner Messehallen mit einem kaleidoskopischen Farbspiel. Es ist wie schon in den vergangenen Jahren: Wenn Spielebranche und Spieler auf der Gamescom aufeinandertreffen, sind empfindsame Gemüter fehl am Platz. Doch während die Messe optisch kaum verändert erscheint, deuten sich hinter den Kulissen der weltgrößten Gaming-Messe gravierende Veränderungen an.

Der wohl wichtigste Wandel, den man in der Spiele-Industrie beobachten kann, vollzieht sich bei der Hardware. Jahrzehntelang genügte es nicht, sich einfach ein Videospiel zu kaufen. Man brauchte auch die passende Plattform dazu.

Das hat sich seit den Tagen des Kult-Computers C64 nur wenig geändert. Auch heute setzen die neuesten Spiele eine Konsole von Sony, Microsoft oder Nintendo voraus. Alternativ können Nutzer auch ihren PC für horrendes Geld zur potenten Gaming-Maschine aufrüsten. Damit könnte in Zukunft Schluss sein, bald genügt vermutlich ein einfacher Fernseher – die Spiele werden dann einfach aus der Datenwolke im Internet gestreamt.

Videospiele wie Netflix-Serie streamen

An der Idee, Videospiele wie eine Netflix-Serie zu streamen, versuchte sich vor acht Jahren bereits das Unternehmen OnLive. Damals scheiterte es kläglich. 2014 startete Sony mit Playstation Now testweise einen eigenen Streaming-Dienst und kaufte 2015 die Reste von OnLive auf. Seit Ende vergangenen Jahres ist Playstation Now auch in Deutschland verfügbar. Für rund 15 Euro monatlich bietet Sony Hunderte, zumeist ältere Titel zum Losspielen an.

Auch Grafikkartenhersteller Nvidia bietet mit Nvidia Now einen – derzeit allerdings noch im kostenlosen Beta-Status (Anmeldung über nvidia.de). Hier können zahlreiche aktuelle Top-Titel gespielt werden, man muss sie dafür allerdings auf einer Online-Plattform wie Steam, Uplay oder battle.net besitzen. Wann der Service offiziell startet und was er dann kosten wird, ist bisher nicht bekannt.

Ein weiteres Angebot könnte zudem bald vom Kölner Spieleriesen Electronic Arts (EA) kommen, der im Mai den Spiele-Streaming-Dienst Gamefly gekauft hat. Weitere Details blieb EA zu diesem Thema bislang aber schuldig.

Profi-Karrieren im „E-Sport“ immer lukrativer

Ein anderer Service, der am 4. September in Deutschland startet, konnte auf der Gamescom ausprobiert werden: Shadow Blade. Das französische Unternehmen bietet keine ausgewählten Spiele in der Cloud an, es streamt gleich einen kompletten, virtuellen Windows-10-Spiele-PC mit eigener Spiele-Grafikkarte (Geforce Ti 1080) – und zwar auf TV, Laptop, Mac oder auch Smartphone.

Auf der Messe konnte man so Far Cry 5 mit hohen Detaileinstellungen auf einem billigen Smartphone spielen. Ab 30 Euro pro Monat kann man seinen virtuellen PC mieten. Alle genannten Dienste setzten allerdings eine stabile Internetverbindung mit mindestens 10 MBit/s Download-Rate voraus, für Shadow werden sogar 20 MBit/s empfohlen.

Künftig werden Eltern wohl noch mehr mit Kindern über Bildschirmzeit und Videospiele diskutieren müssen – denn tatsächlich werden Profi-Karrieren im „E-Sport“ immer lukrativer. Derzeit läuft in Kanada „The International“, das letzte Turnier in der Profi-Liga-Saison von „Dota 2“-Spielern („Dota 2“ ist eines der erfolgreichsten taktischen Team-Multiplayerspiele). Insgesamt werden hier rund 25 Millionen Dollar Preisgeld ausgeschüttet, über zehn Millionen davon gehen an das Siegerteam.

Vor wenigen Wochen erst fand in Deutschland, in der Berliner Mercedes-Benz-Arena, das „PUBG International“ statt – vor Tausenden Zuschauern. „PUBG“ ist die Abkürzung für „Player Unknown’s Battle-grounds“, die Spielesensation des vergangenen Jahres. Auch hier ging es um ein stattliches Preisgeld, nämlich zwei Millionen Dollar.

Spielprinzip „Battle Royale“ ist der Renner

Da eine Profi-Karriere sehr unwahrscheinlich ist, können Spieler auch die Seiten wechseln – in Berlin wird ab dem Wintersemester an der Hochschule für angewandtes Management der Studiengang „eSports Management“ angeboten.

Die Begeisterung für digitalen Wettkampf war auf der Gamescom zu beobachten – überall wurde gegeneinander Rennen gefahren, Fußball oder Multiplayerspiele wie „PUBG“ oder „Fortnite“ gespielt.

Das von „PUBG“ eingeführte Spielprinzip des „Battle Royale“ – 100 Spieler werden auf einer unbewohnten Insel ausgesetzt, der letzte Überlebende gewinnt – ist aktuell der Renner, bei Spielern wie Entwicklern. Selbst Shooter-Schwergewichte wie „Battlefield“ von EA oder „Call of Duty“ von Activision wollen diesen Spielmodus in ihren kommenden Titeln anbieten.

Ganz anders ergeht es dem Trendthema Virtual Reality (VR). Noch im vergangenen Jahr waren VR-Spiele für PC und Playstation überall auf der Gamescom vertreten. In diesem Jahr musste man die VR-Brillen schon gezielt suchen.

Denn bei aller Begeisterung für die Technologie: Noch ist die Hardware zu wenig verbreitet – zudem mangelt es an wirklich überzeugenden Spielen. Ob sich das in den kommenden Jahren ändert, scheint heute ungewisser denn je.

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