Computerspielmesse

Gamescom: So erklärt die Bundeswehr die strittigen Plakate

Diese Bundeswehr-Plakate zur Gamescom sorgen derzeit für Aufregung.

Foto: Bundeswehr Twitter

Diese Bundeswehr-Plakate zur Gamescom sorgen derzeit für Aufregung.

Die Bundeswehr hat einen Stand auf der PC-Spielemesse Gamescom. Ein Werbeplakat sorgt jetzt für Kritik in den sozialen Netzwerken.

Berlin.  Ein Werbeplakat der Bundeswehr zur Gamescom sorgt in den sozialen Netzwerken für Wirbel. Es zeigt bewaffnete Kämpfer in Computerspieloptik. Dazu heißt es in Anlehnung an die häufig im Mehrspielermodus gespielten beliebten Ego-Shooter: „Multiplayer at its best!“

Es ist auch ein Hinweis zum Bundeswehr-Stand auf der Gamescom zu sehen.

„Die Bundeswehr lässt den Krieg so darstellen, als sei es ein Spiel“, heißt es in dem Tweet des Nutzers „MOK“, der das Plakat entdeckt und fotografiert hatte. Der Beitrag wurde hundertfach geteilt und mit „Gefällt mir“ markiert. „Das geht zu weit“, schreibt ein Nutzer. Ein anderer findet: „Das ist echt arm. Die müssen echt verzweifelt sein.“

„Unglaublich intrigant wie hier junge Menschen geködert werden sollen“, heißt es in einem weiteren Tweet. Auch die Veranstalter der Gamescom werden kritisiert, dass sie der Bundeswehr einen Stand auf der Messe erlaubt haben. Ein weiterer Nutzer schreibt: „Frieden sichern finde ich gut, aber das ist absolut geschmacklos.“

Es ist nicht das einzige umstrittene Plakat der Bundeswehr. Auf einem anderen heißt es: „Echte Kameradschaft statt Singleplayer-Modus? Mach, was wirklich zählt!“

Bundeswehr auf Gamescom

Die Bundeswehr hat seit 2009 regelmäßig einen eigenen Stand auf der weltweit größten Computerspielmesse Gamescom. Auf der Messe selbst sorgt das Plakat für kaum Aufruhr, wie unser Reporter Jan Mölleken von der Gamescom berichtet. „Auf dem Messestand selbst sieht aber alles zahm aus“, schreibt er auf Twitter.

Seit dem Aussetzen der Wehrpflicht kämpft die Truppe mit Nachwuchsproblemen und sucht mit Werbeplakaten und Ständen auf der Messe selbst nach computeraffinen Bewerbern, wie eine Sprecherin auf Anfrage unserer Redaktion bestätigte.

„Mit der Plakatierung wollen wir junge Erwachsene im Umfeld der Gamescom zum Nachdenken bringen, wofür sie ihre Zeit beziehungsweise Zukunft einsetzen“, sagte sie. Eine Kernfrage, die die Bundeswehr dabei stelle, sei: „Krieg spielen oder für den Frieden kämpfen?“

Werbung zeigt Werte der Bundeswehr

Dass die Werbung an ein Computerspiel erinnert, ist eine bewusste Entscheidung gewesen. „Die Kampagne bedient sich der Signale einer Spiele-Werbung. Danach werde die Sinnfrage gestellt: „‘Echte Kameradschaft statt Single-Player Modus?’ oder ‘An deine Grenzen gehen, statt in deinem Level festhängen?’“

Auf den umstrittenen Werbespruch „Multiplayer at its best!“ angesprochen, sagte die Sprecherin dass er sich zunächst wie eine Rezension für ein neues Spiel lese. Auf den zweiten Blick erkenne man aber die Werte der Bundeswehr: „Kameradschaft und der Einsatz für eine freie Welt“.

Zuletzt wurde deshalb auch über eine Wiedereinfuhr der Wehrpflicht diskutiert. Eine Umfrage ergab, dass die Mehrheit der Deutschen die Wiederaufnahme begrüßen würde.

Es ist nicht das erste Mal, dass es Ärger um ein Engagement der Bundeswehr bei einer Messe gibt. Von der Digital-Konferenz Republica im Mai war die Bundeswehr noch ausgeschlossen worden, was für zahlreiche Schlagzeilen gesorgt hatte.

Am Mittwoch wurde die Gamescom für alle Besucher geöffnet. Nach einem Fachbesuchertag am Dienstag stand am Mittwoch die Eröffnung der Messe auch für Privatbesucher auf dem Programm – und die kamen in großer Zahl, um die neusten Spieletitel der großen Firmen der Branche anzutesten. Alle Infos zur Messe finden Sie hier.

Bis zum Samstag werden Hunderttausende Menschen erwartet. Motto der Gamescom 2018 ist „Vielfalt gewinnt“.

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