Kleine Bilanz

Bei dieser WM war jederzeit alles möglich

Moskau.  Das letzte Spiel ist gespielt, das letzte Tor geschossen. Vorbei ist die Weltmesse des Fußballs in Russlands. Eine kleine Bilanz.

Alles konnte immer passieren. Das machte den Reiz aus. Und alles meint alles: Deutschland schied erstmals in der Vorrunde aus, England gewann ein Elfmeterschießen und hat sogar einen Torwart, der hält. Die vier Halbfinalisten traten mit vier verschiedenen Spielsystemen an. Am ehesten lautet der Trend: Wer den Ball hat, verliert. Umschaltfußball á la Jürgen Klopp trug Frankreich ins Finale, was den Belgier erzürnte. Aber letztlich gewann oft der, der es mehr wollte.

Zudem machten Standards oft den Unterschied. In Zeiten, in denen selbst kleine Nationen defensiv konkurrenzfähig sind, ist ihnen manchmal nur mit Toren nach Freistößen oder Ecken beizukommen. Am besten in dieser Kategorie: die Engländer (9 von 12). Prozentual noch besser: die Deutschen, die aber nur zwei Tore schossen. Der Freistoßtreffer von Toni Kroos gegen Schweden war wunderschön, wichtig – aber letztlich nutzlos.

Der Video-Schiedsrichter feierte Premiere bei diesem Turnier. Ein desaströses Chaos war erwartet worden. Tatsächlich aber darf die Bundesliga feststellen, dass der Assistent auch zur Zufriedenheit fast aller Beteiligten eingesetzt werden kann: zurückhaltend und gewinnbringend, weil meist korrekt.

Auffällig war, dass die Schiedsrichter sich nicht scheuten, verloren gegangene Zeit – entstanden durch den Einsatz des Video-Schiedsrichters, durch Zeitschinden oder viele Tore und Einwechslungen – konsequent nachspielen zu lassen. Vier, fünf, sechs, sieben zusätzliche Minuten waren eher Regel als Ausnahme. Und die Mannschaften nutzten die Chance, die sich dadurch bot. 19 Treffer fielen jenseits der 90. Minute, sieben mehr als bei der vorangegangenen WM.

Viele Spiele dieser Weltmeisterschaft waren nicht wirklich etwas für Freunde der Ästhetik. Aber die späten Treffer erhöhten den Unterhaltungswert beträchtlich.