Eppan.

„Ich denke noch als Spieler“

Miroslav Klose  Stürmertrainer erklärt, warum Deutschland keinen Messi braucht

Eppan.  Miroslav Klose ist im Trainerstab der Fußball-Nationalmannschaft zuständig für die Stürmer. Den deutschen Angriff sieht der Weltmeister von 2014 gut aufgestellt für die anstehende WM in Russland. „Mir ist nicht bange vor Russland“, sagt der WM-Rekordtorjäger (16 Tore). Für Klose (39) ist die WM die vorläufige Endstation beim DFB-Team.

Sie haben vier Weltmeisterschaften als Spieler erlebt. Jetzt kommt Nummer fünf in neuer Rolle dazu. Ist die Faszination WM für Sie unendlich?


Miroslav Klose: Das ist jetzt erstmal die letzte WM, bei der ich dabei bin. Es ist fantastisch, was ich über Jahre mit der Nationalmannschaft erreichen konnte. Ich war zweimal Dritter, einmal Zweiter und am Ende Erster. Wenn man am Ende den Pokal in der Hand hält, wertet es den Weg auf. Ich bin der einzige Spieler der Welt, der bei Weltmeisterschaften viermal im Halbfinale stand.

Was können Sie zur angestrebten Titelverteidigung

beitragen?

Ich sehe mich in der Rolle, dass ich noch als Spieler denke. Natürlich fordern Joachim Löw und die Trainer viel ein von mir – und ich gehe auch schon in Richtung Trainer. Aber ich glaube, dass ich dem Trainerteam auch helfen kann, sich in die Spieler hineinzuversetzen, wie sie ticken, wann sie müde sind, wann man Trainingseinheiten dosieren muss. Da bin ich ein Bindeglied.

Werden Sie bei Nominierungsfragen des WM-Kaders eingebunden?

Wir besprechen uns. Über Monate werden von unserer Scouting-Abteilung Videos erstellt, wie sich die Stürmer bewegen. Ich habe mir jeden Spieler mindestens dreimal live angeschaut. Da trage ich zur Nominierung meinen Teil bei. Entscheiden aber muss der Bundestrainer.

Wie gut ist der deutsche Angriff aufgestellt für die WM?

Gut, denke ich. Wir haben wie beim Confed Cup wieder drei Stürmer. Wir haben einen schnellen, spielerischen Typen wie Timo Werner dabei und mit Mario Gomez einen Brecher mit einem super Abschluss im Sechzehner. Und Nils Petersen schaue ich mir jetzt im Trainingslager genau an. Für ihn ist alles neu.

Portugal hat Cristiano Ronaldo. Argentinien hat Lionel Messi. Frankreich hat Antoine Griezmann. Und Brasilien Neymar ...

... und wir haben die Mannschaft. Das war bei Turnieren schon immer so. Ich bin der festen Überzeugung, dass Einzelspieler nur glänzen können, wenn die Mannschaft intakt ist. Das Ego-Denken hat bei uns kein Spieler.

Trotzdem noch einmal zu Timo Werner. Zählt er schon zur Weltklasse?

Nein. Er ist schon richtig weit, aber noch nicht in der Weltklasse. Er kann noch so viel lernen. Ich hatte damals als Profi nach fünf Jahren in Kaiserslautern erkannt, dass ich stagnierte. Es musste eine Veränderung her. Dann habe ich mich in Bremen spielerisch entwickelt, ich meine auch nochmal deutlich weiterentwickelt. Alle zwei, drei Jahre musst du dich verändern, um etwas dazuzulernen.

Könnte die Antwort auf Ronaldo, Messi oder Griezmann auch lauten: Und Deutschland hat Thomas Müller?

Thomas hat bei seinen ersten zwei WM-Turnieren jeweils fünf Tore gemacht, so wie ich 2002 und 2006. Er hat Qualität, rechts auf dem Flügel, als Zehner, und ich sehe ihn notfalls auch als Stürmer. Er weiß, wie man laufen muss auf verschiedenen Positionen. Und er hat eine super Nase im Strafraum.

Sie haben erwähnt, wie Sie Ihre Spielerkarriere sukzessive aufgebaut haben. Ihre neue Laufbahn als Trainer scheinen Sie ähnlich zu verfolgen. Sie steigen nicht gleich im Profibereich ein, sondern U17-Trainer beim FC Bayern. Warum?

Ich sehe das als Lernprozess. Ich würde nie den Fehler machen, Bayerns Nachwuchs als Sprungbrett nutzen zu wollen, um so schnell wie möglich nach oben zu kommen. So ein Typ war ich nie, das ist nicht mein Charakter. Ich habe viel Lust genau auf diese Aufgabe.

Ist die WM für Sie der Schlusspunkt beim DFB?

Ja. Jetzt kommt die WM – und dann der Cut. Zweigleisig, das wollte ich nicht. Ich steige nach der WM ohne Urlaub sofort ein bei Bayern. Ich will es als Trainer selbst ausprobieren auf dem Platz.

Aber Trainer im Nachwuchsbereich soll nicht die Endstufe sein, oder?

Ich habe zwei Jahre Vertrag bei Bayern. Irgendwann will ich natürlich mal hoch, das ist klar. Sonst hätte ich den Weg als Trainer nicht eingeschlagen. Aber ich sage Ihnen ganz ehrlich: Ich muss ein Gefühl entwickeln, was wann richtig ist.