Hamburg.

VfB ist für den HSV ein Vorbild

Abstiegsszenario Stuttgart erwischte es 2016: Der Club zog die richtigen Lehren

Hamburg.  An den Moment der totalen Leere kann sich Stefan Heim noch ganz genau erinnern. „Als Schiedsrichter Manuel Gräfe die Partie in Wolfsburg abpfiff, war es endgültig vorbei“, sagt der Finanzvorstand des VfB Stuttgart. Sein Club war 2016 erstmals nach 1975 wieder abgestiegen. „Wir waren plötzlich nicht mehr existent“, beschreibt Heim die bitterste sportliche Stunde.

Die folgende Nacht auf der VfB-Geschäftsstelle ist mittlerweile fast zwei Jahre her. Doch gerade vor dem Auswärtsspiel des HSV in Stuttgart (Sa., 15.30 Uhr) sind die Ereignisse wieder präsent: Dem HSV droht ein ähnliches Schicksal. „Wenn man so einen Abstieg selbst mitgemacht hat, dann kann man sich natürlich in die Lage der Kollegen in Hamburg versetzen“, sagt Heim, der sich mit der HSV-
Delegation vor dem Spiel zum Essen treffen wird.

Die Hamburger Bosse dürften diesmal mehr Fragen haben als sonst – etwa: Wie man eine Zweitligasaison ohne Führungsriege plant? Wie man die Wende schafft, wenn man am Boden ist? Und vor allem: Wie der direkte Wiederaufstieg gelingen kann?

Abstieg kostete den VFB40 Millionen Euro

„Ich verweise gerne auf das schöne Beispiel des VfB Stuttgarts“, sagte HSV-Aufsichtsratschef Bernd Hoffmann bereits vor gut drei Wochen, als er nach den Beurlaubungen von Ex-Vorstand Heribert Bruchhagen und Ex-Sportchef Jens Todt gefragt wurde, wer denn nun den HSV-Neustart in der Zweiten Liga planen solle. In Stuttgart seien die Verantwortungsträger auch ausgetauscht worden, „und dennoch haben sie eine Mannschaft zusammenbekommen, mit der sie aufgestiegen sind“. Nur zwei Tage nach dem Abstieg wurde Jos Luhukay als Trainer verpflichtet, wenige Tage später Torjäger und Aufstiegsheld Simon Terodde.

„Der Abstieg hat uns 40 Millionen Euro gekostet“, rechnet Heim für den VfB vor. Jeder Mitarbeiter verzichtete auf 40 Prozent Gehalt. „Sehr wichtig war für uns, dass wir die Zweitliga-Lizenz ohne Auflagen erhalten haben. Dadurch ist man natürlich in einer ganz anderen Verhandlungsposition, hat keinen so extremen zeitlichen Druck, dass man Spieler kurzfristig verkaufen muss, um etwaige Auflagen oder Bedingungen zu erfüllen.“

Spätestens am Dienstag muss der HSV seine wirtschaftlichen Unterlagen für Liga zwei eingereicht haben – schon jetzt steht fest: anders als 2016 beim VfB drohen extrem schwere Auflagen. Die Folge: Der HSV muss nach Saisonende so schnell wie möglich so viel Geld wie möglich garantieren.

In Stuttgart haben zudem die Fans den Abstieg „positiv“ aufgenommen. Im Schnitt kamen 50 000 in die Arena, 60 000 zum ersten Zweitliga-Heimspiel gegen St. Pauli (2:1). Auf die Frage, ob man dem Abstieg und dem Neubau also etwas Gutes abgewinnen kann, antwortet Heim klar: „Bei uns in Schwaben sagt man: Die Tage in Ehren mögen sie nie wieder kehren.“