Hamburg.

Das reicht nicht für Liga eins

HSV-Nullnummer Trotz ansprechender Leistung wieder kein Sieg – Fans schweigen

Hamburg.  Rund 25 Unverbesserliche waren am Sonntagmorgen in den Volkspark gekommen. In erster Linie Familienväter mit ihren kleinen Söhnen, die trotz allem noch ein Autogramm ihrer HSV-Lieblinge wollten. Doch was sie dann erlebten, war wohl das letzte Beispiel dafür, dass irgendetwas in der Beziehung zwischen Fans und Club grundlegend aus dem Ruder gelaufen ist. Nach fünf Jahren Abstiegskampf scheint das Tischtuch zerschnitten.

So baute sich ein Ordner vor den Kindern auf, ließ sie auf dem Weg zu den vom Trainingsplatz kommenden Spielern nicht vorbei. Was das denn solle, fragte ein entsetzter Familienvater. „Die Spieler brauchen ihre Ruhe“, antwortete der resolute Sicherheitsmann.

Mit der erhofften Ruhe war es direkt nach dem Schlusspfiff und der „0:0-Niederlage“ im Abstiegsendspiel gegen Mainz am Vortag endgültig vorbei. Mit einem lautstarken Pfeifkonzert und wütenden „Absteiger! Absteiger“-Rufen empfingen die Anhänger die Spieler. Auf einem Plakat stand: „Danke für nichts – ihr Söldner“. Einen wirklichen Vorwurf in den 90 Minuten konnte man den kämpfenden, aber glücklosen Spielern zwar nicht machen. Aber die Reaktion der Fans war mehr als deutlich: Es reicht.

Verschossener Elfmeter ist Sinnbild für die Torflaute

Die Erstligazeit des Bundesliga-Dinos geht zu Ende. Daran zweifeln nur noch die wenigsten. Dreiviertel der nur noch 46 739 Zuschauer ertrugen die Nullnummer am Sonnabend nur noch schweigend. Die so wichtige Unterstützung im Abstiegskampf fällt in dieser Saison aus.

„Wir sind in einer ganz schlimmen Situation, die nochmal schlechter geworden ist“, sagte Sportdirektor Jens Todt nach dem zwölften Spiel in Serie ohne Sieg. Dass der HSV selbst gegen zu keinem Zeitpunkt Erstligaansprüchen genügende Mainzer nicht gewinnen konnte und auch in einer halbstündigen Überzahl keinen Treffer zustande brachte, führte auch dem letzten Optimisten schonungslos vor Augen: Für dieses HSV-Team reicht es einfach nicht für die Erste Liga.

„Ich bin von der Natur aus ein Mensch, der nicht aufgibt. Aber ich bin Realist genug, um zu wissen, dass wir das Spiel hätten gewinnen müssen, um im Endspurt eine Restchance zu haben“, räumte Stürmer Sven Schipplock ein. Da es aber trotz 20:5 Torschüssen und 11:1 Ecken nur zu einem mickrigen Pünktchen reichte, könnte es anders als 2014, 2015 und 2017 dieses Mal keine Last-Minute-Rettung geben. Der Rückstand auf den Relegationsrang beträgt weiter sieben Punkte.

Klarste Torchancen wurden vergeben oder landeten am Aluminium. Und als Filip Kostic mit seinem schwach geschossenen Strafstoß (62. Min.) am überragenden Mainzer Torwartdebütanten Florian Müller scheiterte, war das Unheil vollends perfekt. „Wir brauchen schon ein kleines Wunder“, gestand Trainer Bernd Hollerbach, der weiter ohne Sieg als HSV-Coach ist – und am Sonnabend nun mit seinem Team zum FC Bayern reisen muss.

Immerhin blieb es vor, während und nach dem Spiel im Hochsicherheitstrakt Volksparkstadion friedlich. Das Spiel war nach der Randale der vergangenen Wochen zum Risikospiel erklärt worden. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vertreten.