Pyeongchang.

Tage der Wahrheit

Eisschnelllauf Die Eigenbrötler im Team sollen die Medaillenmisere beenden

Pyeongchang. Das Gesicht von Robert Bartko ließ in den vergangenen Tagen nicht darauf schließen, dass er bei seinen Besuchen im Gangneung Oval viele Momente der Freude erlebte. Fünf olympische Rennen sah der Sportdirektor der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) bislang, immer Siege der Niederländer, immer deutsche Athleten, die weit entfernt von den Podesträngen den Zielstrich passierten. Das kann einem aufs Gemüt schlagen.

Dabei ließ Bartko nichts unversucht: Für seine Athleten gab es ein Besuchsverbot von anderen Wettkämpfen. Die Sportler murrten schon. „Es geht hier um Professionalität. Solange der Wettkampf läuft, muss der Fokus allein darauf liegen. Deshalb haben wir unseren Athleten untersagt, vor Abschluss ihrer Wettkämpfe andere Olympia-Entscheidungen anzuschauen“, sagt der ehemalige Bahnradsportler.

Drei Medaillenkandidaten gibt es noch

In Sotschi 2014 blieb der Verband erstmals seit 50 Jahren ohne olympische Medaille, ein Desaster für die früher so zuverlässigen Eisschnellläufer. Bartko ist anschließend als Erneuerer maroder Strukturen angetreten. „Wir haben viele Dinge angepackt und verändert“, erzählt er.

Die Tage der Wahrheit stehen nun bevor. Für zwei Athleten, den Erfurter Patrick Beckert und die Berlinerin Claudia Pechstein, waren die ersten Rennen nur Aufwärmrunden für die lange Lieblingsstrecke. Der 27-jährige Beckert tritt heute über die 10 000 Meter an, am Freitag die 45 Jahre alte Rekordolympionikon Pechstein über 5000 Meter. Der Chemnitzer Nico Ihle (32) versucht sein Glück über 500 und 1000 Meter. Alle drei gewannen im Vorjahr an gleicher Stelle WM-Medaillen, das macht Hoffnung.

Die Podestkandidaten profitieren allerdings nicht von Bartkos Veränderungen. Unter dem neuen Bundestrainer Jan van Veen trainieren Beckert, Pechstein und Ihle nicht. Sie haben sich selbst Trainer gesucht, ziehen ihre eigenen Programme durch, auch wenn sie dadurch keine Förderung mehr erhalten. Beckert und Ihle nutzen ihre Brüder als Trainingspartner, Pechstein hat sich ein ganzes Männerteam um ihren Lebensgefährten Matthias Große zusammengestellt.

„Ich bin in der Form meines Lebens. Nur unter den Top Ten zu landen, ist nicht mehr mein Anspruch“, sagt etwa Beckert. Sein Pech: Sein direkter Gegner heute ist Topfavorit Sven Kramer, der Niederländer gewann schon die 5000 Meter – ebenfalls im Duell mit dem abgeschlagenen Beckert.