Jekaterinburg

Deutsche EM-Double geplatzt

Tischtennis Nach dem Finalsieg der Damen gegen Rumänien verlieren die Herren gegen Österreich

Jekaterinburg.  Ein rabenschwarzer Dienstag für Dimitrij Ovtcharov und Co. hat den deutschen Tischtennis-Teams bei der EM in Jekaterinburg das zweite Mannschafts-Double verdorben. Durch eine schwer ernüchternde 2:3-Pleite gegen Österreich scheiterte das Herren-Team nach über vier Stunden Spielzeit zum zweiten Mal nacheinander in einem EM-Finale.

Der Schock für die WM-Zweiten gut neun Monate vor den Olympischen Spielen 2016 in Rio dämpfte im Lager des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) die Freude über den Titel-Hattrick der Damen-Mannschaft durch ein souveränes 3:0 gegen Rumänien erheblich.

Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf wollte nach der dritten Niederlage gegen die Alpenrepublik in Folge den EM-Ausfall von Rekordchampion Timo Boll (Knieoperation) nicht als Erklärung für den Nackenschlag gelten lassen. „Wir hatten uns auch ohne Timo für stark genug gehalten, den Titel zurückzuholen. Schon das verlorene EM-Endspiel 2014 war eine Warnung, dass wir unseren Nimbus der Unbesiegbarkeit eingebüßt haben“, sagte der frühere Doppel-Weltmeister zur vergebenen Chance auf den siebten EM-Triumph für sein Team: „Natürlich werden wir uns Gedanken machen, auch wenn bis zur WM im Februar und bis Rio noch einige Zeit bleibt.“

Nach dem überzeugenden 3:1-Halbfinalsieg gegen Frankreich waren Roßkopfs Spieler noch höchst zuversichtlich in ihr achtes EM-Finale seit 2007 in Serie gegangen. Doch erneut zwei Punkte des in Russland noch ungeschlagenen Weltranglistenfünften Ovtcharov reichten der DTTB-Auswahl nicht, um wieder an ihre Siegesserie von sechs Titeln bis 2013 anzuknüpfen. Zwei Niederlagen des zweimaligen EM-Zweiten Patrick Baum und ein neuerlicher Punktverlust des WM-Fünften Patrick Franziska bescherten Österreich den ersten EM-Titel.

Mit einer ebenso starken Mannschafts-Leistung wie Österreichs Herren hatten gestern Mittag die DTTB-Damen durch Siege von allen drei Aktiven ihren siebten EM-Erfolg perfekt gemacht. Drei Mannschafts-Titel in Serie bei den Damen hatten zuvor in der
57-jährigen EM-Historie nur die Niederlande gewonnen. Das Oranje-Team triumphierte von 2008 bis 2011 sogar viermal nacheinander.

Gut zwei Jahrzehnte nach der Ära der „Golden Girls“ um Nicole Struse darf sich das DTTB-Team mit den Top-15-Spielerinnen Han Ying und Shan Xiaona sowie der deutschen Meisterin Petrissa Solja aufgrund eines starken EM-Auftritts für Olympia durchaus Außenseiterchancen auf eine Mannschaftmedaille ausrechnen. In Russland gaben Solja und Co. in ihren sechs Begegnungen insgesamt nur zwei Einzelpunkte ab.

Im Endspiel gegen Rumänien holte Solja den entscheidenden Punkt. „Es ist ein toller Moment, den entscheidenden Sieg zu einem so wichtigen Erfolg zu holen“, sagte die
21-Jährige kurz nach Spielende. Vor dem Erfolg der German-Open-Siegerin, die mit einer 6:0-Bilanz als einzige DTTB-Spielerin ungeschlagen blieb, hatten in der Neuauflage des EM-Finales von 2013 die eingebürgerten Chinesinnen Han und Shan bereits für eine vorentscheidende 2:0-Führung gesorgt.