Nach WM-Bronze

Geesthachter Segler Michel Voss siegt bei der Kieler Woche

Segeln, Michel Voss, Crew der "Sportsfreund" gewinnt die "Kieler Woche" 2020

Segeln, Michel Voss, Crew der "Sportsfreund" gewinnt die "Kieler Woche" 2020

Foto: Felix Diemer / felix-diemer-photography.com

Als „Mann mit den flinken Händen“ ist Michel Voss an Bord für das schnelle Setzen der Segel zuständig.

Geesthacht/Kiel. Was für sportliche Wochen waren das für den Geesthachter Michel Voss! Zunächst wurde der 28-Jährige Hochsee-Segler mit der Crew der „Homanit“ vor Sardinien Dritter bei der Weltmeisterschaft der Melges-32-Yachten. Dann gewann er nur zwei Wochen später mit seinem Stammteam, der Crew der „Sportsfreund“, zum zweiten Mal nach 2016 die Kieler Woche.

Doch viel Zeit, sich über diese Erfolge zu freuen, bleibt dem Studenten des Fachbereichs Schiffbau und maritime Technik derzeit nicht. Schon am Dienstag muss er an der Fachhochschule Kiel seine Masterarbeit verteidigen. „Danach möchte ich am liebsten beruflich in den Offshore-Bereich gehen“, blickt er voraus. Windenergie, das passt! Mit dem Wind kann Voss, der Sohn des bekannten Geesthachter Stadtschlachters Jens Voss, seit jeher umgehen. Wie viel Zeit ihm dann noch für sein Hobby bleibt, ist fraglich. „Ich bin dankbar dafür, was ich erleben durfte und sehr zufrieden mit dem, was ich erreicht habe“, sagt der Europameister von 2019.

Das Segeln auf der Elbe gelernt

Angefangen hat seine Liebe zum Segelsport vor 20 Jahren bei der Seglervereinigung Geesthacht. „Als Opti-Kind bin ich mit acht Jahren auf der Elbe gesegelt“, erinnert er sich. „Das ist schon ein recht anspruchsvolles Revier mit dem vielen Schiffsverkehr und den Strömungen.“ Sein Heimatverein blickt derzeit in eine ungewisse Zukunft: In zwei Wochen muss das Clubhaus dem Wohnungsbau weichen.

Zum sportlichen Aushängeschild des Vereins wurde Voss, als er 2016 mit der „Sportsfreund“ die „Kieler Woche“ gewann. Dabei handelt es sich um eine sogenannte „ORC 2-Yacht“. ORC steht für „Offshore Racing Congress“, das ist eine internationale Organisation, die sich der Förderung des Hochsee-Segelns widmet. Es gibt drei ORC-Klassen. Die „Sportsfreund“ gehört mit ihren 41 Fuß (12,5 Meter) Länge zur mittleren Kategorie.

Hochsee-Regatta gab den Ausschlag

Michel Voss ist an Bord der „Mastmann“, der Mann mit den flinken Händen, der für das „Anschlagen“ und Hochziehen der Segel ganz vorn im Boot zuständig ist, beispielsweise wenn Fock oder Spinnaker gesetzt werden sollen. Die Crew der „Sportsfreund“ kennt sich schon ewig. „Wir sind ein eingespieltes Team“, schwärmt Voss. Das zeigte sich auch wieder bei der diesjährigen Kieler Woche, bei der die „Sportsfreund“ neben Vorjahressieger „Intermezzo“ im Feld der zwölf Boote als Mit-Favorit galt.

Doch zunächst einmal hatten beide das Nachsehen, denn auf der ersten Regatta, der einzigen, die über einen vollen Tag ging, spielte die Kieler Yacht „Halbtrocken 4.5“, ein nagelneues Boot, ihren Heimvorteil aus und gewann das Rennen über die kabbelige Ostsee nach Damp und zurück vor der „Sportsfreund“, während die „Intermezzo“ nur Siebter wurde. Das sollte bereits die Vorentscheidung sein, denn anders als bei den folgenden acht kurzen Regatten gab es bei der Hochsee-Regatta keine Möglichkeit eines Streichresultats. Da sich „Sportsfreund“ und „Intermezzo“ die Siege auf den folgenden Wettfahrten teilten, gab in der Gesamtwertung letztlich die Hochsee-Regatta den Ausschlag zugunsten von Michel Voss und seinem Team.

In den letzten Rennen Bronze gerettet

Zwei Wochen vor dem Triumph hatte Voss bei der Melges-32-Weltmeisterschaft vor Sardinien auf der deutschen Yacht Homanit ausgeholfen und Bronze gewonnen. „Durch einen Freund hatte ich davon erfahren, dass dort noch ein Segler gesucht wird, und ich passte genau auf das geforderte Gewicht und die Aufgabe als Mastmann“, freut sich der Geesthachter über die unverhoffte Chance. Im Wettbewerb der zwölf baugleichen Boote übernahm die „Homanit“ durch einen Sieg in der dritten von neun Regatten die Führung in der Gesamtwertung vor der italienischen Yacht „Caipirinha“. Es folgten zwei schwächere Rennen, die „Homanit“ fiel auf Rang sechs zurück, bevor sie mit zwei dritten Plätzen in den letzten beiden Rennen noch Bronze rettete. „Darauf waren wir sehr stolz“, betont Voss. Die „Caipirinha“ hingegen war so überlegen, dass es sich die Italiener leisten konnten, zum letzten Rennen gar nicht mehr anzutreten, weil sie bereits als Weltmeister feststanden.

All das ist jetzt nur noch eine Erinnerung, wenn es für Voss am Dienstag an der Fachhochschule heißt, auf ganz anderem Gebiet zu glänzen. Doch eines scheint sicher: Wind und Wellen werden auch weiterhin sein Leben bestimmen.