80 Geburtstag

„Heinzi" Seidenstücker: Seine Überzeugungskraft ist legendär

Karl-Heinz Seidenstückers enthusiastische Art schätzt auch Profi Martin Harnik, der seinem Ex-Klub eng verbunden ist.

Karl-Heinz Seidenstückers enthusiastische Art schätzt auch Profi Martin Harnik, der seinem Ex-Klub eng verbunden ist.

Foto: SC Vier- und Marschlande

Beim SC Vier- und Marschlande ist Seidenstücker seit Jahrzehnten immer mit viel Herzblut dabei.

Ochsenwerder. Karl-Heinz – So nennt ihn eigentlich niemand. Karl-Heinz Seidenstücker, langjähriger Gönner und Vereins-Ikone des SC Vier- und Marschlande, wird von allen nur „Heinzi“ gerufen. Schon immer. Meistens in einem flehenden Tonfall. Wenn er sich am Spielfeldrand mal wieder zu sehr echauffiert hat. „Heinzi, geht das auch ruhiger?“, flehen dann Spieler und Trainerteam des Fußball-Bezirksligisten. Wohlwissend, dass es völlig aussichtslos ist. Dass ihr „Heinzi“ gar nicht anders kann, als sich mit dröhnender Stimme quer über den Platz einzumischen. Denn Karl-Heinz Seidenstücker, der am Sonntag seinen 80. Geburtstag feiert, lebt Fußball. „Er ist immer mit Herzblut dabei“, sagt der frühere SCVM-Abteilungsleiter Siegfried Niemand.

Aufstieg in die höchste Klasse

Begonnen hatte Seidenstückers Laufbahn als Jugendlicher beim Moorfleeter SV. Mit 17 Jahren wechselte er zum ETSV Hamburg, wo er zu einem beinharten Verteidiger heranwuchs, der bei seinen Grätschen auf Grand weder sich noch den Gegner schonte. Er schätzte das Rustikale. „Wir haben damals offene Brüche wegmassiert“, beschrieb Seidenstücker einmal den Geist der damaligen Zeit. Seine größten Erfolge erreichte „Heinzi“ gemeinsam mit Uwe Gummlich als Trainerteam der Ochsenwerder Spielvereinigung. In der Saison 1988/89 gelang der Aufstieg in die höchste Hamburger Spielklasse. Es war die Zeit, in der die Duelle mit den Nachbarn Ereignisse waren, die eine ganze Region mitfiebern ließen. Damals hätte er sich wohl kaum träumen lassen, dass er später einmal mit dem großen Lokalrivalen TSV Kirchwerder gemeinsame Sache machen würde. Doch 1994 fusionierten Moorfleeter SV und Ochsenwerder Spielvereinigung zum SV Ochsenwerder-Moorfleet und 1999 dieser dann mit dem TSV Kirchwerder zum heutigen SC Vier- und Marschlande.

Gespräche, bis die Ohren glühen

Seidenstücker blieb dabei. Selbst als er zweieinhalb Autostunden weit weg nach Nenndorf gezogen war, hielt er dem Verein die Treue, der ein Stück Heimat für ihn ist. In seinem SCVM-Partnerkreis „Heinzi and Friends“ motiviert er auch andere, sich einzubringen. Seine Überzeugungskraft ist legendär. „Wenn ich an ,Heinzi’ denke, dann denke ich an stundenlange Telefongespräche, bis die Ohren glühten“, schmunzelt Niemand.

Er versteht es, die Leute mitzureißen

Wie wichtig Seidenstücker, der im April die silberne Ehrennadel des Hamburger Fußball-Verbandes erhielt, auch heute noch für den SCVM ist, zeigte sich zuletzt im Sommer 2019, als Trainer Thorsten Beyer in Fünfhausen ein Himmelfahrtskommando übernahm. „Wir hatten anfangs kaum Spieler, doch er hat die Kaderplanung as in der entscheidenden Phase vorangebracht“, erinnert sich Beyer, „er versteht es, die Leute mitzureißen.“ Und nach Siegen ist es dann ganz sicher Seidenstücker, der im Mannschaftskreis ein triumphierendes Lied anstimmt. Wie gesagt: Ruhig kann er nicht.