Oststeinbeker SV

Enorm aufwendig: Ein Fußball-Abend in Corona-Zeiten

Oststeinbeks Kassierer Hans-Dieter "Dalli" Schmidt nimmt das Eintrittsgeld mit Mund-Nasenmaske und Plastikhandschuhen entgegen.

Oststeinbeks Kassierer Hans-Dieter "Dalli" Schmidt nimmt das Eintrittsgeld mit Mund-Nasenmaske und Plastikhandschuhen entgegen.

Foto: Hanno Bode

Im Gegensatz zu anderen Vereinen trägt der Oststeinbeker SV seine Heimspiele vor Publikum aus.

Oststeinbek. Seit vielen Jahren ist Hans-Dieter Schmidt Kassierer beim Fußball-Landesligisten Oststeinbeker SV. Für einen kleinen Klönschnack mit den Zuschauern ist der Mann, den alle nur liebevoll „Dalli“ rufen, stets zu haben. So ist es auch an diesem Abend, an dem der OSV zum ersten Mal nach der rund fünfmonatigen Corona-Zwangspause wieder ein Heimspiel austragen darf. Ansonsten aber ist vieles anders als zuvor. Schmidt sitzt mit einer Mund-Nasen-Maske und Plastikhandschuhen in seinem kleinen Holzhäuschen. Vor ihm steht ein Plastikbecher, in den die Fans ihr Eintrittsgeld für das Duell mit Eintracht Lokstedt legen sollen. Wer bezahlt hat, muss seine persönlichen Daten ein Formular eintragen. Der frühere OSV-Ligamanager Michael Baaß wacht als Ordner darüber, dass es niemand vergisst.

Umfangreiches Hygienekonzept

„Es ist ein riesengroßer Aufwand“, sagt Baaß zum umfangreichen Hygienekonzept, das die Stormarner dem Gesundheitsamt vorlegen mussten, um vor Zuschauern spielen zu dürfen. Anders als benachbarte Vereine wie der Barsbütteler SV und SC Wentorf haben sich die Oststeinbeker dazu entschlossen, ihre Testspiele nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit auszutragen, nachdem die Schleswig-Holsteinische Landesregierung wieder Freundschaftspartien erlaubt.

Zuschauer müssen Abstand halten

Um die Ansteckungsgefahr aller Anwesenden zu minimieren, sind Regeln einhalten. Um die Stahl-Barrieren des Kunstrasenplatzes ist alle zwei Meter selbstklebendes Flatterband angebracht, die Pflastersteine sind mit roten Punkten markiert, damit die Zuschauer den Mindestabstand einhalten. Mehrere Ordner sorgen freundlich, aber bestimmt dafür, dass sich niemand zu nahe kommt. Oder sie verweisen auch mal jemanden seines Platzes,. „Bitte einmal hinter das Tor, hier ist alles gesperrt“, fordert der Sportliche Direktor Thomas Krüger kurz vor dem Anpfiff einen OSV-Fan auf, der ein paar Meter neben den Trainerbänken auf den Spielbeginn wartet. „Seit einem Jahr stehe ich hier“, mosert der Anhänger zurück. „Es gibt klare Richtlinien“, erwidert Krüger. Eine davon ist, dass Fans nicht auf der Seite der Coaches und Ersatzkicker stehen dürfen.

Zweikämpfe wie eh und je

Im Spiel selbst ist kaum ein Unterschied zu Vor-Corona-Zeiten zu erkennen. Beide Mannschaften gehen keinem Zweikampf aus dem Weg – als wäre eine Ansteckung hier nicht möglich. Die Gäste führen zur Pause durch ein Fallrückzieher-Tor von Abdelkarim El Aidi (35.) mit 1:0. Die Halbzeit-Ansprache führt Eintracht-Coach Anto Josipovic auf dem Platz anstatt in der Kabine, die nur durch kleine Fenster belüftet wird. Nach dem Seitenwechsel steigert sich der OSV. Ole-Mario Spring krönt seinen beherzten Auftritt mit dem Tor zum 1:1-Endstand (87.). Kurz darauf beendet Schiedsrichter Jonathan Spindler (TSV Glinde) nach exakt 90 Minuten das Spiel – sehr zum Unmut von Oststeinbeks Coach Simon Gottschling. „So lange gab es keinen Fußball. Junge, und du pfeifst so pünktlich ab“, meckert der Trainer. Fluchtartig strömen die Zuschauern in Richtung Parkplatz. Es ist vorgeschrieben, die Anlage schnellstmöglich zu verlassen. Der typische Klönschnack über das Spiel muss in diesen bedrückenden Tagen entfallen. Wie so vieles.