Serie: Magische Momente

Der Höhenflug der Lauenburger Fußballer

LSV-Kapitän Wolfgang Kalupa (links) kommt zu spät. Güldensterns Verteidiger klärt die Spielsituation.

LSV-Kapitän Wolfgang Kalupa (links) kommt zu spät. Güldensterns Verteidiger klärt die Spielsituation.

Foto: privat/bz

Mitte der 1970er-Jahre stieg die Lauenburger SV zweimal in Folge bis in die Amateurliga auf. Der damalige Kapitän im Gespräch mit uns.

Lauenburg.  Es gibt sie in jedem Verein: die magischen Momente. In einer Serie stellen wir Höhepunkte aus der Geschichte unserer Clubs vor. Heute: Der Höhenflug der Lauenburger Fußballer in den 1970er-Jahren.

Vor der Verbandsligasaison 1973/74 präsentierte der Aufsteiger Lauenburger SV einen absoluten Hochkaräter. Rüdiger Knakowski kehrte an den Glüsinger Weg zurück. Der Stürmer war zuvor noch in der Regionalliga, damals nach der Bundesliga die zweithöchste Spielklasse, für Phönix Lübeck auf Torejagd gegangen. Der damalige LSV-Trainer Eugen Igel erklärte den ungewöhnlichen Wechsel – die Lauenburger spielten drei Klassen tiefer, wie folgt: „Rüdiger will in Lauenburg bauen, und da wir in unserer Mannschaft mehrere Handwerker haben, wird unser neuer Stürmer eben etwas billiger bauen.“ Die Mitspieler helfen dem Neuzugang beim Hausbau. In der heutigen Zeit unvorstellbar.

Einstellung zum Fußball hat sich verändert

„Wenn ich unsere Einstellung zum Fußball mit der von heute vergleiche, ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht“, sagt Wolfgang Kalupa. Der 72-Jährige war damals Kapitän der Lauenburger Mannschaft. Zweimal in Folge stieg die LSV unter Trainer Eugen Igel, der im April im Alter von 79 Jahren verstarb, auf: von der Bezirksliga über die Verbandsliga bis in die Amateurliga Hamburg. Am letzten Spieltag der Saison 1973/74 fertigte die Mannschaft Tonndorf-Lohe mit 5:0 ab und machte damit den Aufstieg perfekt. Der LSV-Spielmannszug spielte nach dem Abpfiff groß auf. „Ganz Lauenburg steht kopf“, sagte Eugen Igel freudestrahlend.

Unter den Zuschauern waren auch ehemalige LSV-Spieler wie Pitt Gansen, Willi Meinert oder Fritz Brügmann. Sie waren in den 1950er-Jahren erstmals mit der Lauenburger SV in die Amateurliga aufgestiegen, hielten sich da aber nur kurz.

Zur Spielzeit 1974/75 führte der DFB die zweigeteilte 2. Bundesliga und damit eine weitere Spielkasse ein. Die Amateurliga Hamburg war damit nun die dritthöchste Amateurklasse in Deutschland und insgesamt die 5. Liga.

Kapitän Kalupa lebt immer noch in Lauenburg

„Wir haben damals die Hälfte der Zuschauereinnahmen bekommen. Das Geld wanderte in die Mannschaftskasse, sagt Wolfgang Kalupa und erinnert sich an eine große Weihnachtsfeier mit den Sponsoren. „Die kostete 7000 Mark. Das war eine Menge Geld.“ 600, 700 Zuschauer wollten in dieser Zeit die Spiele der LSV am Glüsinger Weg sehen.

Kapitän Kalupa war eigentlich Geesthachter, fand aber über den SV Curslack-Neuengamme den Weg nach Lauenburg. Hier lebt er immer noch. An seiner Hauswand hängen drei Scheiben. Sie zeichnen ihn als Schützenkönig der Jahre 1996, 2003 und 2011 aus.

Ein Spiel ist dem gelernten Maurer ganz besonders in Erinnerung geblieben. „Es ging gegen Güldenstern Stade. Schon nach einer Viertelstunde lagen wir 0:4 zurück. Bis zur Pause kamen wir auf 3:4 heran. Nach dem Wechsel fiel schnell der Ausgleich. Anschließend ging es hin und her“, berichtet Kalupa. Nach 90 Minuten stand es 7:6 für die Lauenburger SV. „Wir lagen alle völlig platt auf dem Boden“, weiß der zweifache Torschütze.

Schiedsrichter gehörten nicht zu den beleibtesten Sportsfreunden

An Meistermacher Eugen Igel erinnert sich Kalupa als einen Schleifer: „Aber auf die gute Art.“ Nur manchmal habe er ihn verflucht: „Weil er uns so gequält hat.“ Mit Igel landeten die Lauenburger in ihrer ersten Saison nach dem Aufstieg in die Amateurliga Hamburg auf einem respektablen neunten Platz. Die Protagonisten von damals hießen neben Kalupa und Knakowski Horst Friedrich, Klaus Scharnweber, Günter Sommerfeld und Uwe Hartwig, um nur einige zu nennen.

Wenn es auch deutliche Unterschiede zwischen den Fußballern damals und heute gibt: Schiedsrichter gehörten auch in den 1970er-Jahren nicht gerade zu den beliebtesten Sportsfreunden. „Tumulte, Trubel und ein Schiri auf der Flucht“, titelte unsere Zeitung im November 1974 nach einem Spiel gegen Este. Die Partie endete 2:2, der Unparteiische verwehrte zwei LSV-Toren die Anerkennung. „Nach dem Abpfiff war bei unseren Anhängern die Hölle los“, sagte Trainer Igel dem Reporter und: „Wir haben das Schiedsrichtergespann heil nach Hause gebracht.“

Der Erfolgscoach verließ die Lauenburger am Saisonende in Richtung VfL Lohbrügge. Karl-Heinz Slottke kam. In der Spielzeit 1975/76 belegte die LSV im Abschlusstableau Rang zehn, einen Platz hinter Lohbrügge. „Wir haben sie aber geschlagen“, erinnert sich Mittelstürmer Kalupa und kann sich immer noch darüber freuen. Ein Jahr später stieg die Mannschaft dann als Tabellenvorletzter ab und sollte auch nicht mehr zurückkehren.

Als Maurer hat Kalupa übrigens damals tatkräftig dabei mitgeholfen, für Knakowski ein Haus zu bauen. Es war eben eine andere Zeit.