SVCN,. Dassendorf, Lohbrügge

Drei Oberligisten, drei Wege aus der Corona-Krise

Curslacks Marco Schubring (links) und Lohbrügges Tim Santelmann sind nach dem Aufstieg des VfL bald Gegenspieler in der Oberliga.

Curslacks Marco Schubring (links) und Lohbrügges Tim Santelmann sind nach dem Aufstieg des VfL bald Gegenspieler in der Oberliga.

Foto: Hanno Bode

Bei einem Saisonabbruch wird wohl die dann aktuelle Tabelle gewertet – mit allen Konsequenzen!

Bergedorf. Ein Blick nach Süden kann die Fußballer des Nordens momentan neidisch machen. Bereits seit dem 1. Juli ist in Baden-Württemberg wieder Training mit bis zu 20 Personen mit vollem Körperkontakt erlaubt, also praktisch in Mannschaftsstärke. Dazu Spiele mit bis zu 100 Aktiven und 100 Zuschauern. Bayern zog in dieser Woche nach und erlaubte Mannschaftstraining mit Körperkontakt, aber vorerst noch keine Spiele. In Österreich rollt der Ball ohnehin wieder regulär.

Hat der Sport eine Lobby in Hamburgs Politik?

In Hamburg und Schleswig-Holstein ist Training mit Körperkontakt nur in Zehnergruppen erlaubt, von einem regulären Mannschaftstraining kann also noch keine Rede sein. „Mir fehlt das Verständnis, wie im Hamburger Senat Verordnungen getroffen werden“, ärgert sich Robert Mimarbachi, Sportlicher Leiter des Oberliga-Aufsteigers VfL Lohbrügge, „der Sport hat in der Hamburger Politik offenbar keine Lobby.“

HFV plant mit drei Szenarien

Die Ungewissheit, wann es mit dem Spielbetrieb wieder losgehen kann, zerrt an den Nerven. „Wir brauchen ein Licht am Ende des Tunnels“, fleht Jean-Pierre Richter, der Trainer der TuS Dassendorf. „Wir lechzen alle danach, wieder loslegen zu dürfen“, sekundiert Sven Schneppel, der das VfL-Oberliga-Team gemeinsam mit Elvis Nikolic coacht. Doch selbst nachdem klar ist, dass der Finaltag der Amateure in allen Bundesländern am 22. August stattfinden soll (wir berichteten) und man beispielsweise in Westfalen bereits ganz offen mit dem ersten Septemberwochenende als Start für den Ligabetrieb plant, herrscht im Norden weiter Ungewissheit.

SVCN startet so früh wie kein anderes Team

In einem Schreiben an die Vereine hat der Hamburger Fußball-Verband drei Szenarien publik gemacht: Saisonstart am 18. August, am 6. November oder am 15. Januar. Viele Clubs hingegen haben sich längst auf das erste September-Wochenende fokussiert. „Wir bereiten uns so vor, als wenn am ersten September-Wochenende das erste Punktspiel wäre“, betont Oliver Schubert, Manager des SV Curslack-Neuengamme. Die Vierländer starten daher schon am 18. Juli in ihr Sommer-Trainingslager. So früh wie kein anderes Team.

Heiße Diskussionen in Lohbrügge

Vor allem in der Oberliga, wo das Leistungsniveau am höchsten und die Saison mit voraussichtlich 20 Teams und 38 Spieltagen am längsten ist, stellt sich die Frage nach dem Königsweg der Saisonvorbereitung. „Wir haben das lange diskutiert“, betont Schneppel. Ursprünglich wollte der VfL erst am 8. August mit dem Trainingslager beginnen. Auf Intervention der Spieler geht es nun schon am 27. Juli los.

Wer hinterherläuft, dem droht der Abstieg

Noch keinen festen Termin gibt es in Dassendorf. „Wir sind auch auf Ende Juli fixiert, um wieder reinzukommen“, betont Richter, „aber man muss aufpassen, dass sich die Euphorie nicht zu schnell verbraucht.“ Zumal ein guter Saisonstart mehr denn je Gold wert sein könnte. Denn sollte es zu einem neuerlichen Saisonabbruch gelten, soll voraussichtlich die Abbruchtabelle als Schlusstabelle gewertet werden – mit Auf- und Absteigern. Wer zu Beginn hinten dran ist, könnte also vielleicht keine Chance mehr bekommen, seinen Rückstand noch aufzuholen. „Das ist dann halt so“, zuckt Schneppel mit den Schultern, „wir sind als Aufsteiger selbstbewusst genug, einen einstelligen Tabellenplatz belegen zu wollen.