Historie

Faszination Wassersportzentrum Allermöhe

Zwei Sportler rudern auf der Dove-Elbe in den Sonnenuntergang.

Zwei Sportler rudern auf der Dove-Elbe in den Sonnenuntergang.

Foto: Bergedorfer Ruder-Club

Die Öffnung der Dove-Elbe bedroht das Wassersportzentrum Allermöhe. Dessen Geschichte ist reich an Höhepunkten.

Allermöhe. Genau 30 Jahre ist es her, dass die Regattastrecke in Allermöhe eine ganz neue Charakteristik bekam. Im Sommer 1990 wurde eine Fußgängerbrücke quer über die Dove-Elbe gebaut. Damit konnten Sportler, Trainer und Schaulustige trockenen Fußes das andere Ufer erreichen, was die Nutzbarkeit des Reviers deutlich anhob. Mit dem Bau des ersten Zielturms am Südufer vier Jahre zuvor war Allermöhe in die Lage versetzt worden, nicht nur regionale, sondern auch nationale und internationale Wettkämpfe auszurichten. Die Brücke sollte das Projekt nun abrunden.

„Buntes Klima der Harmonie“

Doch gegen die ursprünglich geplanten Sandvorspülungen und eine Überbauung des Feuchtgebietes liefen die Umweltschützer Sturm. Bei den Deutschen Ruder-Meisterschaften blockierten sie am 16. und 17. Juli 1988 den Allermöher Deich und die Autobahnabfahrt Allermöhe, um das Event zu behindern. Doch als der damalige Bürgermeister Henning Voscherau die Veranstaltung am 18. Juli 1988 besuchte, stellte er fest, dass es trotz aller Gegensätze zwischen Sportlern und Naturschützern friedlich blieb. „Ein buntes Klima der Harmonie“, nahm der SPD-Politiker damals wahr. Die Umweltschützer setzten sich schließlich durch: Auf die umstrittenen Sandvorspülungen wurde verzichtet, stattdessen im Sommer 1990 eine einfachere Version der Brücke gebaut, die dafür nun mit 2,1 statt 1,3 Millionen Mark fast doppelt so teuer war.

Der Weg zu Olympia in Atlanta ’96 führte über Allermöhe

30 Jahre später kämpfen Sportler und Naturschützer nun Seite an Seite gegen die Pläne, die Dove-Elbe zur Tide-Elbe hin zu öffnen. Dies würde das Wassersportzentrum Ebbe und Flut aussetzen und, so die Befürchtung der Projektgegner, das Revier langfristig durch Brackwasser und Sedimente aus dem Hafen verschlammen lassen. Doch die Prioritäten der Politik scheinen sich verschoben zu haben: So sollen im Zuge der Maßnahmen 3000 Meter an Stahlwänden in die Uferbereiche gerammt werden. Ein deutlich drastischerer Eingriff als die geplanten Aufspülungen vor 30 Jahren, die so viel Wirbel ausgelöst hatten.

Die Regattastrecke hat eine lange Historie als Trainingszentrum für Hamburgs Talente. Ruder-Olympiasieger Eric Johannesen und sein Bruder, Ruder-Weltmeister Torben Johannesen, schindeten sich hier bis zur Weltelite.

Eine der erfolgreichsten Sportlerinnen aller Zeiten

Doch das Wassersportzentrum war auch Schauplatz einiger bedeutender Rennen. Am wichtigsten vielleicht im Sommer 1996, als die Kanuten ihre Deutschen Meisterschaften austrugen. Wer sein Olympia-Ticket nicht zuvor schon in der Tasche hatte, für den war es hier Ende Juni 1996 die letzte Chance, sich für die Jahrhundertspiele in Atlanta zu empfehlen. Die anderen nutzten die Titelkämpfe als letzte Formüberprüfung, bevor es zum Abschlusstrainingslager nach Kienbaum (bei Berlin) ging. Am Start war auch die erfolgreichste deutsche Olympionikin aller Zeiten: Birgit Fischer. Mit acht Gold-, vier Silber- und null Bronzemedaillen wird sie nur von dem US-Schwimmer Michael Phelps (23/3/2), der sowjetischen Turnerin Larissa Latynina (9/5/4), dem finnischen Langläufer Paavo Nurmi (9/3/0), dem US-Schwimmer Mark Spitz (9/1/1) und US-Leichtathlet Carl Lewis (9/1/0) übertroffen.

Drachenboot-Spektakel mit 60 Teams

„Paddeln war für mich immer ein Abenteuer“, sagte sie damals im Interview dem Autor dieser Zeilen. Bei einem Bier im Athletenzelt. Es war erstaunlich, mit welcher Ruhe und Gelassenheit so eine Ausnahmeathletin nach ihrem Sieg mit lockerem Paddelschlag geduldig Rede und Antwort stand. Vielleicht ahnte sie damals schon, dass es wieder reichen würde: Mit Anett Schuck, Ramona Portwich und Manuela Mucke holte sie als Frontfrau Gold im Vierer auf dem Lake Lanier in Atlanta.

Paddelsportler ganz anderer Natur eroberten das Revier nach dem Jahrtausendwechsel: die Drachenbootfahrer. Hier zählte nicht allein die sportliche Leistung, sondern vor allem auch das Gemeinschaftserlebnis. Weit über 1000 Aktive in 60 Teams maßen sich beim 1. Taiwan Cup im Sommer 2009.

2014 letzte große Ruder-Regatta

Im Juni 2011 siegte dann der Deutschland-Achter beim Ruder-Weltcup in Allermöhe. Damals übrigens noch ohne Lokalmatador Eric Johannesen, der erst später ins Boot rutschte und im Sommer darauf in London seine Karriere mit Olympia-Gold krönen sollte. Im August 2014 folgte dann mit der Junioren-Weltmeisterschaft im Rudern die letzte große Ruder-Regatta in Allermöhe. Steuerfrau Larina Hillemann lenkte den deutschen Achter bis ins Finale und fand sich als „Belohnung“ hinterher für ein unfreiwilliges Bad in der Dove-Elbe wieder. Die war sauber und unverschlammt. Ob das so bleibt, müssen die kommenden Jahre zeigen.