Spielerwechsel

Fußball-Amateurvereinen droht ein böses Erwachen

Froh darüber, dass wieder mit Kontakt trainiert werden darf: Daniel Andrade

Froh darüber, dass wieder mit Kontakt trainiert werden darf: Daniel Andrade

Foto: Hanno Bode

Während der Trainingsbetrieb wieder anrollt, droht wechselwilligen Fußballern ohne Freigabe eine lange Zwangspause.

Bergedorf. Der Hamburger Fußball-Verband hat in einem Schreiben an die Vereine bekräftigt, dass trotz der Corona-Pandemie an den üblichen Wechselfristen festgehalten wird. Stichtag für Vereinswechsel war der 30. Juni. Wer diese Frist verpasst hat, dem drohen sechs Monate Sperre.

Die Pandemiezeit zählt nicht mit

Das Problem: Gerechnet wird die Zeit der Sperre dabei immer vom letzten Spiel an. Da die Pandemiephase jedoch nicht mitzählt, könnten den betroffenen Fußballern, die ihren letzten Einsatz vor dem Lockdown Mitte März hatten, nun Zwangspausen von einem Jahr oder länger drohen. Denn selbst bei der optimistischen Annahme, dass der Spielbetrieb am 1. September wieder anläuft, würde die automatische Sperre dann ja noch bis zum 1. März 2021 dauern – also bis fast ein Jahr nach Pandemie-Beginn.

Manche Anträge werden gar nicht erst bearbeitet

Dass diese E-Mail nun ausgerechnet am Morgen des 30. Juni, dem letzten Tag der Wechselfrist, verschickt wurde, stieß einigen Vereinsvertretern sauer auf. „Wir hatten nach dem Verbandstag halt viel zu tun“, sagt Jörg Timmermann vom HFV „Die Intention des Schreibens war nicht so sehr, auf die Wechselfrist hinzuweisen. Die ist den Vereinen ohnehin bekannt. Ich arbeite seit 26 Jahren beim HFV, und immer war der 30. Juni der Stichtag. Es ging uns vielmehr darum, den Clubs mitzuteilen, dass bestimmte Anträge im Moment von uns gar nicht erst bearbeitet werden können.“

Böses Erwachen droht denen, die auf Zeit spielen

Denn hierin liegt die wirkliche Krux der aktuellen Situation. Werden sich bei einem Spielerwechsel abgebender und aufnehmender Verein nicht einig, erhält der Spieler automatisch sechs Monate Sperre. „Die kann jedoch erst bemessen werden, wenn wir den Termin des Saisonbeginns kennen“, erläutert Timmermann. Und: „Solange das nicht der Fall ist, müssen die Anträge unbearbeitet bleiben.“

Für Clubs, die die Dinge haben schleifen lassen im Vertrauen darauf, die Corona-Krise werde das Problem der Sperren schon richten, dürfte es ein böses Erwachen geben. „Man darf nicht vergessen, dass wir diese Regelung haben, um die abgebenden Vereine zu schützen“, gibt Timmermann zu bedenken.

Ab sofort ist wieder Training mit Kontakt erlaubt

Immerhin ist seit Anfang Juli in Hamburg nach dem Vorbild Schleswig-Holsteins wieder Training in Zehnergruppen mit vollem Kontakt erlaubt. Für Daniel Andrade, Coach des Fußball-Landesligisten SV Nettelnburg/Allermöhe, ist das eine überfällige Entscheidung. „Wenn du die ganze Zeit kontaktlos trainieren musst und siehst, dass ein paar Kilometer weiter in Wentorf oder Ohe Training mit vollem Kontakt erlaubt ist, obwohl 90 Prozent der Spieler dort aus Hamburg kommen und sich hinterher mit Maske in die Bahn setzen, dann ist das ein wenig surreal und grenzt an Wettbewerbsverzerrung“, moniert er.

Freundschaftsspiele? Nicht so bald!

Wann wieder Freundschaftsspiele erlaubt werden, ist noch offen. Dem Vernehmen nach geschieht dies aber nicht vor Mitte August.