Frauenfußball

Grünhoferin Mailin Wichmann debütiert in der Bundesliga

Mailin Wichmann wurde schon als 14-Jährige zu einem DFB-Lehrgang eingeladen.

Mailin Wichmann wurde schon als 14-Jährige zu einem DFB-Lehrgang eingeladen.

Foto: Hannes Seifert / FF USV Jena

Das 17-jährige Torhüter-Talent Mailin Wichmann hat für den FF USV Jena ihr erstes Spiel in der Bundesliga absolviert.

Tesperhude. Die Vorbereitung auf das letzte Saisonspiel mit dem FF USV Jena in der Frauenfußball-Bundesliga beginnt für Mailin Wichmann in der Küche. Denn wenn es am Sonntag um 14 Uhr auf dem Ernst-Abbe-Sportfeld – in Jena nur das „Paradies“ genannt – gegen den MSV Duisburg geht, muss die 17 Jahre alte Torhüterin aus Tesperhude ihrem Team einen Kuchen ausgeben. So ist es halt Sitte, wenn jemand sein Debüt in Deutschlands höchster Spielklasse gegeben hat. „Ich denke, ich werde einen veganen Kuchen machen, denn wir haben eine Veganerin im Team“, verrät die Gymnasiastin.

Jahrelang hatte sie auf ihr Traumziel hingearbeitet. Im Auswärtsspiel beim SC Sand in Franken, das mit 2:4 verloren ging, war es nun soweit. „Ich war vorher schon ziemlich aufgeregt“, gibt Wichmann zu, „und natürlich hätte ich lieber weniger Gegentore kassiert, auch wenn ich bei den Treffern nichts machen konnte.“ Doch für die Norddeutsche, die normalerweise in Jenas 2. Mannschaft in der Regionalliga den Kasten hütet, war es auch so ein riesiges Erlebnis. So musste beispielsweise extra ein Trikot für sie hergestellt werden. Das Jersey mit der Nummer 27 bekommt nun einen Ehrenplatz. „Das werde ich mir einrahmen“, strahlt sie.

Mit 15 Jahren von zu Hause ausgezogen

Vor zwei Jahren machten sich Mailin und ihre Zwillingsschwester Leonie Wichmann auf, die Fußballwelt zu erobern. Gerade mal 15 Jahre alt, zogen sie zunächst nach Magdeburg und dann nach Jena, um ihren Traum von der Frauenfußball-Bundesliga zu verfolgen. Während die Defensiv-Allrounderin Leonie, die gemeinsam mit ihrer Schwester im Regionalliga-Team spielt, zuletzt häufiger verletzt war, hat sich dieser Wunsch für Mailin nun bereits früher als gedacht erfüllt. Denn die Umstände waren günstig: Da Jenas ausländische Spielerinnen wegen Corona nicht nach Deutschland einreisen durften, musste Stammkeeperin Sarah Hornschuch im Feld aushelfen. So war der Weg frei für Mailin Wichmann, die aber wohl schon am Sonntag wieder Ersatz sein wird.

Schon im Kinderwagen auf dem Sportplatz

„Das Tempo, mit dem im Spiel umgeschaltet wird, und die Robustheit der Spielerinnen sind die größten Unterschiede zwischen Bundesliga und Regionalliga“, weiß Mailin Wichmann – und dass es für die Schwestern auch künftig ein steiniger Weg sein wird, sich nachhaltig in der Bundesliga zu etablieren. „Im Regionalliga-Team sollen sie jedoch schon in der kommenden Saison Führungsspielerinnen sein“, sagt ihr Vater Christian Wichmann, der ebenso wie seine Frau Katrin beim Vfl Grünhof-Tesperhude leidenschaftlich gern Fußball spielt. „So sind die Mädchen schon im Kinderwagen ständig über die Sportplätze gefahren worden“, erzählt Christian Wichmann. Das Talent der Zwillinge wurde schnell offensichtlich. „Einmal waren wir bei einem Turnier für Jungenmannschaften, da haben die Jungen hinterher geheult, weil sie von Mädchen an die Wand gespielt worden waren“, erinnert sich der Vater.

Die Impulsive und die Vernünftige

Dass sie zu zweit in die Fremde ziehen konnten, half ihnen dabei, flügge zu werden, zumal sich die Zwillinge charakterlich gut ergänzen. „Mailin ist die, die voraus prescht, die immer drauflos geht und alles zuerst ausprobieren muss“, beschreibt sie Christian Wichmann. „Leonie hingegen ist die Vernünftigere, die sich eher zurückhält, die immer auf ihre Schwester aufpasst und überhaupt alles abwägt.“ Vielleicht ist das die Weisheit des Alters, denn Leonie ist eine Minute früher geboren als ihre Zwillingsschwester.

Geringe Körpergröße als Nachteil

So selbstbewusst, wie Mailin Wichmann im Leben vorprescht, so dominant tritt sie auch auf dem Fußballplatz auf. „Eine meiner großen Stärken ist es, dass ich sehr lautstark bin und die Mannschaft von hinten dirigiere“, analysiert sie. „Außerdem bin ich eine sehr mitspielende Torhüterin.“ Ihr größter Nachteil ist zweifellos die mit 1,65 Meter nur sehr geringe Körpergröße. Das könnte ein limitierender Faktor in ihrer weiteren Karriere sein. „Viele Trainer sehen es gern, wenn eine Torhüterin im Tor viel Raum abdeckt. Das ist bei ihr natürlich nicht der Fall“, so Christian Wichmann. Doch das Erlebnis, in der Bundesliga gespielt zu haben, kann ihr niemand mehr nehmen. Und bis zum Abitur 2022 ist noch viel Zeit, weiter an ihren fußballerischen Träumen zu arbeiten.