Streit ums Geld

Max Kruse kündigt bei Fenerbahce Istanbul

Max Kruse (rechts) im Zweikampf mit Christian Luyindama (Galatasaray).

Max Kruse (rechts) im Zweikampf mit Christian Luyindama (Galatasaray).

Foto: GerritVanKeulen / WITTERS

Nur Platz sieben statt des erhofften Meistertitels. Jetzt folgte der nächste Rückschlag für die Fans von Fenerbahce.

Reinbek. Harun Gök hatte sich extra frei genommen. Für vier Tage flog der Mittelfeldspieler des Fußball-Bezirksligisten FSV Geesthacht Ende Februar mit seiner Frau nach Istanbul, um beim Lokalderby zwischen seinem Lieblingsverein Fenerbahce und Rekordmeister Galatasaray live im Stadion dabei zu sein. 20 Jahre lang hatte Fenerbahce aus dem asiatischen Teil Istanbuls kein Heimspiel mehr gegen „Gala“ verloren. Und auch dieses Mal begann es im Sükrü-Saracoglu-Stadion vielversprechend, als Ex-Nationalspieler Max Kruse schon nach 21 Minuten einen Elfmeter zur 1:0-Führung verwandelte.

„Wie Barcelona gegen Real Madrid“

Doch am Ende siegte Galatasaray mit 3:1. Aber immerhin hatte Harun Gök eine alte Familientradition gewahrt. Auch sein Vater Ismail Gök, genauso glühender Fenerbahce-Anhänger, hatte in den 80er-Jahren ein solches Derby besucht. „Das ist einfach ein unbeschreibliches Erlebnis“, schwärmt er, „schon vor dem Stadion ist die Stimmung mit den bengalischen Feuern unglaublich. Während des Spiels erst recht. Wie Dortmund-Schalke, Barcelona gegen Real Madrid oder HSV-St. Pauli.“ Das zeigt, mit wie viel Herzblut Fußball in der Türkei verfolgt wird. Einen Unterschied zwischen Vater und Sohn gibt es allerdings. „Wir haben damals 2:1 gewonnen und sind am Ende auch Meister geworden“, schmunzelt Ismail Gök.

„Kündigung ungerechtfertig und gegenstandslos“

In diesem Sommer jedoch droht Fenerbahce als Tabellensiebter erneut den europäischen Wettbewerb zu verpassen. Und nun hat Topstar Kruse seinen Vertrag auch noch einseitig gekündigt. Der Reinbeker habe Gesprächsanfragen vonseiten der türkischen Fußballföderation TFF zu Gehaltszahlungen in der Corona-Krise unbeantwortet gelassen, wird in der Mitteilung des Clubs betont: „In diesem Zusammenhang ist seine einseitige Kündigung aus unserer Sicht ungerechtfertigt und gegenstandslos.“

Der Fall werde vor das Sportgericht getragen, der Verein werde alles tun, um seine Interessen zu wahren. Kruse, den die Sportredaktion am Freitag kurz erreichte, verzichtete auf eine Stellungnahme. „Ich werde mich zeitnah zu dem Sachverhalt äußern“, stellte er in Aussicht.

Zurück zu Werder? Nicht sofort!

Derweil schießen natürlich bereits die Spekulationen ins Kraut. In den sozialen Netzwerken träumten die Fans von Kruses Ex-Verein Werder Bremen davon, die abstiegsbedrohten Hanseaten könnten den Reinbeker sofort für die beiden entscheidenden Spiele gegen Mainz und Köln unter Vertrag nehmen. Das allerdings erlauben die Regularien nicht. „Für uns ist das jetzt kein Thema. Wir konzentrieren uns komplett auf die letzten beiden Spiele. Alle Personalfragen müssen hinten angestellt werden“, sagte Werder-Sportchef Frank Baumann laut Weserkurier.

Kumpel Martin Harnik spielt beim HSV

Das schließt zumindest für später eine Verpflichtung des dann wohl ablösefreien Ex-Nationalspielers nicht aus. Doch sowohl bei Werder Bremen als auch beim HSV, wo Martin Harnik, Kruses Kumpel aus seiner Jugendzeit beim SC Vier- und Marschlande, unter Vertrag ist, wird sich der begnadete Techniker womöglich die Frage stellen müssen, ob er sich die 2. Bundesliga vorstellen kann.

Da ist wohl ein Grillabend fällig

In der Süper Lig wird Fenerbahce Istanbul am Sonntag nun also ohne Kruse, der zuletzt aber ohnehin wegen einer Blinddarm-Operation ausgefallen war, zum nächsten Stadtderby zu Kasimpasa Istanbul reisen müssen. Das ist ein Verein, der vor 15 Jahren noch in der 4. Liga spielte und sich nun im Oberhaus etabliert hat. Doch zu gewinnen gibt es in dieser Saison für Fenerbahce nichts mehr, und das hat Folgen für Harun Gök. Geesthachts Spielmacher hatte nämlich vor der Saison mit FSV-Co-Trainer Zafer Temirci gewettet, dass Fenerbahce Meister würde und nicht Temircis Lieblingsclub Trabzonspor. Der jedoch ist Tabellenführer, und so wird Gök wohl bald die Mannschaft zum Grillen einladen müssen.