HFV-Sportgericht

Geldstrafe für SV Hamwarde, Zuschauer gesperrt

Auf dem Feld ging es im Pokal-Achtelfinale umkämpft zu. Hier setzt Hamwardes Hauke Dähn gegen Jannik Arnold zur Grätsche an.

Auf dem Feld ging es im Pokal-Achtelfinale umkämpft zu. Hier setzt Hamwardes Hauke Dähn gegen Jannik Arnold zur Grätsche an.

Foto: Volker Koch

Beim Pokal-Aus gegen HR hatten Fans den Linienrichter bedrängt. Kurios: Das Opfer und die beiden Haupttäter sind jetzt Teamkollegen.

Hamwarde. Der SV Hamwarde hatte mit dem Schlimmsten gerechnet. Doch das Horror-Szenario des Kreisligisten – ein Punktabzug in der Meisterschaft, der zum Verlust der Tabellenspitze und des Aufstiegs hätte führen können (siehe Tabelle) – ist ausgeblieben.

Das Sportgericht des Hamburger Fußball-Verbands verurteilte die Hamwarder für die Vorkommnisse rund um das Pokalspiel gegen die SV Halstenbek-Rellingen (1:2 nach Verlängerung) „nur“ zu einer Geldstrafe in Höhe von 500 Euro. Die Hälfte davon wurde zudem für ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt.

Tätlicher Angriff auf einen Linienrichter

Sieben Zuschauer der Achtelfinale-Partie am 16. Februar wurden derweil für einen tätlichen Angriff gegen einen Linienrichter unterschiedlich lange für den Fußball-Spielbetrieb gesperrt. Möglich war dies, weil sie in verschiedenen Vereinen selbst aktiv sind.

Die beiden Haupttäter – Ruven Scharnberg (aktuell SVNA) und Jannik Wöhl (Düneberg) – wurden wegen unsportlichem Verhalten gegenüber Linienrichter Mark Späth für ein halbes Jahr ab Wiederaufnahme des Spielbetriebs aus dem Verkehr gezogen. Sie hatten zugegeben, den Unparteiischen in einem Handgemenge an der Brust angefasst beziehungsweise ihm seinen Arm mit der erhobenen Fahne niedergestreckt zu haben.

Die ebenfalls sich um den Referee drängenden Alexander Witt, Maximilian Herrmann (SV Hamwarde I), Max Borter und Leon Tappert (alle Hamwarde II) erhielten eine Zwei-Spiele-Sperre, Malte Zakrzewski (FSV Geesthacht) muss eine Begegnung zusehen. Keiner der gesperrten Hamwarder Akteure stand beim Pokalspiel auf dem Spielbericht.

Was war beim Pokalspiel am 16. Februar geschehen?

Trotz dreier Feldverweise gegen sich standen die Hamwarder gegen den zwei Ligen höher spielenden Landesligisten vor der Sensation. In der Nachspielzeit der Verlängerung gelang ihnen bei acht gegen elf der vermeintliche Ausgleich, der den SVH ins Elfmeterschießen gebracht hätte. Das Tor fiel direkt vor den Zuschauern, die sich in Hamwarde auf einer Stehtraverse bündeln. Die Verurteilten waren zum Jubeln aufs Feld gestürmt, als sie bemerkten, dass der in ihrer Nähe stehende Linienrichter richtigerweise auf Abseits erkannt hatte. Daraufhin war der für den VfL Lohbrügge pfeifende Assistent bedrängt worden. Die Partie endete wenig später regulär.

Mitarbeit bei der Aufklärung als strafmildernd gewertet

Das Strafmaß gegen die Hamwarder hätte jedoch auch deutlich schlimmer ausfallen können, das unterstrich Christian Koops, der Vorsitzende des HFV-Sportgerichts. „Der Verein hat ganz hervorragend an der Aufklärung mitgearbeitet. Das kennen wir ganz anders. Und auch die betroffenen Zuschauer haben ihre Taten offen eingeräumt. All das hat bei der Urteilsfindung eine Rolle gespielt“, sagt Koops.

„Wir hatten ein bisschen Angst vor einem Punktabzug. Darum war es ein guter Tag für uns“, räumte dann auch Marco Sorge, der 2. Vorsitzende der Hamwarder nach der Verhandlung ein, die wegen der Corona-Pandemie in der Sporthalle des HFV stattgefunden hat.

Im Vorwege der Verhandlung hatten sich übrigens die beiden Haupttäter Ruven Scharnberg und Jannik Wöhl mit Linienrichter Späth getroffen, entschuldigt und ausgesprochen. Wenn ihre Sperren abgelaufen sind, könnte es übrigens passieren, dass alle drei gemeinsam in einer Mannschaft auf dem Platz stehen. Scharnberg und Wöhl wechseln zur neuen Saison zum SV Börnsen – und zu dessen Kader gehört auch ein gewisser Mark Späth.