TSG Bergedorf

Olga Wolgast ist TSG-Mitglied seit der Weimarer Republik

Olga Wolgast mit einem alten Foto (circa 1939) aus ihrer aktiven Zeit als Turnerin.

Olga Wolgast mit einem alten Foto (circa 1939) aus ihrer aktiven Zeit als Turnerin.

Foto: Dirk Schulz

Am 1. März 1929, also vor 91 Jahren, ist die Lohbrüggerin in die Bergedorfer Turnerschaft eingetreten, aus der später die TSG wurde.

Lohbrügge. Als Olga Wolgast in einen Sportverein eintrat, hieß Deutschland noch Deutsches Reich. Paul von Hindenburg war das Staatsoberhaupt, und Herrmann Müller (SPD) stand als Reichskanzler an der Spitze der letzten Regierung der Weimarer Republik, die sich auf parlamentarische Mehrheiten stützte. Der „Schwarze Freitag“ an der New Yorker Wall Street lag noch ein paar Monate in der Zukunft, die Comicfiguren „Tim und Struppi“ sowie „Popeye“ waren gerade erstmals erschienen.

Exakt schreiben wir den 1. März 1929, als die kleine „Olly“, wie Olga Wolgast von allen genannt wurde, in die Bergedorfer Turnerschaft von 1860 eintrat. Daraus entstand 1965 nach einem Zusammenschluss mit Spiel- und Sport Bergedorf die
TSG Bergedorf.

Heute hat der Großverein gut 11.000 Mitglieder. Wir leben im digitalen Zeitalter. Globalisierung und Klimawandel sind vorherrschende Themen. Olga Wolgast ist derweil – 91 Jahre später – immer noch in „ihrem“ Sportverein.

Wolgast ist eines von 14 Ehrenmitglieder der TSG

Natürlich, möchte man sagen, ist die Lohbrüggerin Ehrenmitglied. Davon gibt es bei der TSG insgesamt 14 an der Zahl. Wolgast ist die einzige, die es sich über ihre langjährige Vereinszugehörigkeit verdient hat.

Angefangen hatte sie in der Turn- und Gymnastikabteilung. „Die Turnerin mit den hübschen Beinen haben sie mich früher genannt“, erinnert sich die Rentnerin. Als sie das sagt, strahlen ihre Augen. „Heute wollen meine Beine leider nicht mehr so“, schiebt sie hinterher. Auch das Seh- und Hörvermögen hat nachgelassen. Und dennoch wohnt sie auch mit 99 Jahren noch in der eigenen Wohnung. Der Unterstützung von Tochter Heidi (77), die nebenan wohnt, sei dank.

Olga Wolgast berichtet von Fahrten zu Deutschen Turnfesten, Vorführungen mit der Bergedorfer Turnerschaft vor großem Publikum, etwa vor dem Bergedorfer Rathaus oder im Schlosspark.

Obwohl sie alleinerziehend war, ihr Mann Ernst-August fiel 1943 kurz nach der Geburt der einzigen Tochter im Zweiten Weltkrieg, schaffte sich die ehemalige Sachbearbeiterin Freiräume für ihren Sport.

Später spielte sie auch Prellball und war Trainerin einer Handball-Jugendmannschaft. „Das muss aber irgendwann im Krieg gewesen sein“, kramt Wolgast in ihren Erinnerungen.

Was sie noch ganz genau weiß: „Das Datum meiner Mitgliedskarte (18. März 1936, die Red.) stimmt nicht.“ Das bestätigt der stellvertretende TSG-Vorsitzende Thorsten Wetter.

Am 24. Juli feiert sie ihren 100. Geburtstag

Was Wetter nicht weiß: Vor ein paar Jahren – ihre Weggefährtinnen von der „Fidelen Neun“, mit der sie viele Ausflüge machte, waren fast alle verstorben – wollte Olga Wolgast austreten, um den Beitrag zu sparen. Erst dabei erfuhr sie von der Ehrenmitgliedschaft und der damit verbundenen Beitragsfreiheit.

Also blieb sie doch, obwohl sie schon vor gut 50 Jahren mit dem aktiven Sport aufgehört hat. „1963 war ich noch auf dem Turnfest in Essen“, sagt Wolfgast, die kein Geheimrezept für ihr hohes Alter
parat hat.

„Wie wird man so alt? Ich weiß es nicht. Ich habe nicht geraucht und getrunken und hatte immer Beschäftigung mit meinem kleinen Garten“, sagt Wolgast, die im Bergedorfer Heinrich-Heine-Weg aufgewachsen ist und in sechs Wochen – genauer gesagt am 24. Juli – ihren 100. Geburtstag zu Hause in Lohbrügge im kleinen Familienkreis feiert. „Dabei wollte Mutti noch nicht mal 70 werden“, wirft Tochter Heidi ein.

Die weiteren Ehrenmitglieder der TSG Bergedorf: Ingo Schultz, Christian Schwarzer, Werner Schröder, Notker Kelber, Rolf Barthel, Lutz Beck, Michael Jordt, Jürgen Klingenberg, Hans-Jürgen Meyer, Brigitte Peters, Sieglinde Rössler, Fritz Schwaab.