In Bergedorf

Kampfsporttraining jetzt als Freiluft-Spektakel

Budo-Kampfsportzentrum Bergedorf, Training im Zelt im Corona-Sommer 2020

Budo-Kampfsportzentrum Bergedorf, Training im Zelt im Corona-Sommer 2020

Foto: Volker Gast

Nach wochenlanger Pause sind die Aktiven der Budo-Kampfsport-Akademie in Bergedorf zurück im Training – draußen!

Bergedorf. Der Zustrom reißt nicht ab. Geduldig reihen sich die Trainingswilligen vor der Budo-Kampfsport-Akademie in Bergedorf auf, um Zugang zum neu errichteten Zelt zu erhalten. Von Boxen über Kickboxen, Karate, Thaiboxen bis hin zu Fitnessboxen und Selbstverteidigung reicht die Palette.

Obwohl hier insgesamt rund 950 Aktive trainieren, von denen ein großer Teil Mitglieder der TSG Bergedorf sind, begrüßt Akademie-Geschäftsführer André Wendt viele am Empfang mit Namen. Auf eine familiäre Atmosphäre legen sie hier besonderen Wert.

Es ist der erste Trainingstag nach dem wochenlangen Corona-Lockdown, und die Begeisterung ist riesengroß. „Wir haben sogar einige Mitglieder, die an der Ostsee wohnen und über eine Stunde Anfahrt in Kauf nehmen“, freut sich Ibo Günes, der Gründer der Budo-Kampfsport-Akademie. Schon am Eingang werden die Sportler vom Ordnungsdienst empfangen, der Schutzmasken trägt. Abstand halten und Kontakte vermeiden, das ist das oberste Gebot.

Auch bei Regen bleibt das Zelt offen

Ungefähr 20 mal acht Meter misst das Zelt. Reichlich Platz. „Wir sind das erste Kampfsport-Studio in Hamburg, das so etwas hat“, sagt Günes stolz. Jeder Sportler bekommt seine Fläche zugewiesen, auf der er sich bewegen darf. Männer, Frauen, Erwachsene, Jugendliche, Kinder, alle gemeinsam, jeder nach seinen Fähigkeiten.

„Eins-zwei-drei-vier“, brüllt vorne Karate-Trainer Patrick Grzonka und wird nicht müde, immer wieder die Schlagkombination vorzuführen, die er sehen will. Im Dreiviertelstunden-Rhythmus wechseln sich Gruppen im Zelt ab. „So können im Verlauf der Woche fast alle Mitglieder trainieren“, freut sich Günes.

„Kampfsportler bewältigen Krisen besser“

Die Auflagen sind streng: Selbst bei Regen, Wind und Sturm dürfen die Seiten nicht zugemacht werden, denn es handelt sich um eine Open-Air-Veranstaltung. „Drinnen hätten wir in einem 40-Quadratmeter-Studio nur fünf Sportler trainieren lassen dürfen“, erläutert Günes, „das lohnt nicht.“ So aber hoffen sie, das Corona-Jahr irgendwie zu überstehen. „Kampfsportler gehen mit vielen Situationen besser um als andere Menschen, auch mit so einer Krise“, ist Günes überzeugt.

Unterdessen sind die Karateka mit ihrem Training fertig. Braungurt Lisann sitzt am Zeltrand und reibt sich ihre wunden Füße. „Auf diesem Holzfußboden kriegt man leider schnell Blasen“, klagt sie, „trotzdem ist es schön, dass es wieder Training gibt.“ Freundin Larie, die bereits den Schwarzgurt trägt und bei Deutschen Meisterschaften schon Medaillen in jeder Farbe gewonnen hat, lässt verschwitzt, aber glücklich das gerade Erlebte innerlich nachwirken. „Ich betreibe schon seit elf Jahren hier im Budo-Kampfsportzentrum Karate“, betont sie, „noch nie gab es eine so lange Pause. Das war keine schöne Zeit.“

Fitness-Training statt Vollkontakt-Sport

Oben auf der Fläche toben sich jetzt die Boxer aus. Trainer Phil Bösche hat sich extra ein an die Corona-Bedingungen angepasstes Programm überlegt. „Das war gar nicht so leicht, denn im Boxen machen wir normalerweise viele Partnerübungen, und das geht nun natürlich nicht“, erläutert er.

Ebenso verhält es sich in der Thaibox-Variante K1, die Trainer Eduard Taach anschließend anleitet: „Viel mehr, als Fitness und Technik zu verbessern, ist nicht möglich“, sagt er, „Kampfsport hat nun mal etwas mit Kontakt zu tun.“ Doch alle sind froh, dass mit dem heutigen Tag ein Anfang gemacht ist. Nicht zuletzt wegen des sozialen Aspekts. „Die Kinder sitzen seit Wochen zu Hause rum und fragen sich, was sie machen sollen“, sagt Günes, „hier haben sie ihre Freiheit.“