Mato Mitrovic

„Ich wollte den VfL Lohbrügge nie verlassen“

Wegweiser: Mato Mitrovic (links)  gibt VfL-Verteidiger Robert Pallasch die Richtung vor.

Wegweiser: Mato Mitrovic (links) gibt VfL-Verteidiger Robert Pallasch die Richtung vor.

Foto: Hanno bode

Im Interview wirft Mato Mitrovic Trainern und Vereinsführung vom VfL Lohbrügge vor, seinen Abschied forciert zu haben.

Lohbrügge. Der 20.000-Einwohner-Ort Orasje in Bosnien-Herzegowina ist die Heimat von Mato Mitrovic. Dort ist er aufgewachsen, und in den 80er-Jahren hat er für den dortigen Verein HNK Orasje gespielt. Nur einen Steinwurf von Orasje, aber doch in einem anderen Land liegt die kroatische Stadt Vinkovci. So ist es normal, dass Menschen, die wie Mitrovic in dieser Region aufwachsen, beide Pässe besitzen: den von Kroatien und den von Bosnien-Herzegowina.

Vom FC Bergedorf zum VfL Lohbrügge

Als der Krieg ins Land kam, floh Mitrovic nach Deutschland und baute sich hier als Inhaber einer Firma für Gebäudereinigung, die am Hammer Steindamm sitzt, erfolgreich eine Existenz auf. Zudem engagierte er sich im Heimatfußball, zunächst als 1. Vorsitzender und Trainer beim FC Bergedorf, seit 2017 dann zunächst als Trainer und später als Sportlicher Leiter beim VfL Lohbrügge.

Enge heimatliche Verbindung zu den Spielern

Darüber hinaus bot Mitrovic immer wieder jungen Leuten aus seiner Heimat die Möglichkeit, ebenfalls in Deutschland Fuß zu fassen, sowohl beruflich als auch sportlich. Spieler aus dem aktuellen Kader des VfL Lohbrügge wie Anto Zivkovic, Duro Maskaljevic und Duro Arlovic stammen ebenso wie Mitrovic aus Orasje. Mit dem Vater von Duro Maskaljevic spielte er sogar früher in einer Mannschaft. Keeper Alen Brandic, den es nun nach Österreich zieht (wir berichteten), ist hingegen der einzige Spieler im VfL-Kader „von drüben“. Der 25-Jährige lief früher für Vinkovci auf, bevor er erfolglos in der Schweiz versuchte, sich im bezahlten Fußball zu etablieren.

Einstieg beim WTSV Concordia

Sie alle spielten schon in Bergedorf unter Mitrovic, arbeiteten für ihn in seiner Firma und zogen mit ihm gemeinsam weiter, als er 2017 zum VfL Lohbrügge wechselte. Die gemeinsame Heimat verbindet. Doch im Februar dieses Jahres, als der Aufstieg in die Oberliga praktisch geschafft war, zog sich Mitrovic plötzlich aus dem VfL zurück. Die Sportredaktion hat ihn zu den Vorgängen in den vergangenen Monaten befragt.

Herr Mitrovic, im Februar haben Sie sich beim Oberliga-Aufsteiger VfL Lohbrügge als Sponsor und Sportlicher Leiter verabschiedet. Jetzt haben Sie die Sportliche Leitung beim Oberligisten WTSV Concordia übernommen. Wie ist es dazu gekommen?

Mato Mitrovic: Ich habe in den vergangenen Wochen mit mehreren Vereinen gesprochen. Concordia hat mich einfach überzeugt, das Konzept, die Mannschaft, der Standort, der Verein mit allem drum und dran.

Wie sieht das Konzept aus?

Wir wollen uns erst einmal in der kommenden Saison in der Oberliga stabilisieren und dann oben angreifen, wollen unter die besten fünf oder sechs.

Können Sie sich vorstellen, dass dieser Schritt in Lohbrügge für Irritationen sorgt, nachdem es im Februar hieß, Sie könnten sich aus beruflichen Gründen nicht länger im Sport engagieren?

Ich wäre ja gerne beim VfL Lohbrügge geblieben. Ich wollte den VfL nie verlassen. Ich bin ja damals an den Binnenfeldredder gekommen, weil mir das Konzept des Vereins gefallen hat, dass er hoch wollte in die Oberliga. Ich habe beim VfL Lohbrügge eine sehr gute Zeit gehabt. Der Weg war gut, die Mannschaft war gut. Ich wollte dort nicht weggehen.

Warum sind Sie dann gegangen?

Ich brauchte nur eine Auszeit von zwei, drei Monaten, um neben meiner Gebäudereinigungsfirma noch eine neue Firma aufzubauen, eine Baufirma für Innenausbau. Da wollte ich meine Kraft und Zeit in diese Aufbauphase hineinstecken. Diese Zeit ist jetzt vorbei, und seit Anfang Mai bin ich bei Concordia voll dabei. Wir planen die kommende Saison, reden wegen Corona zwei- bis dreimal pro Woche über Videokonferenzen.

Und das war für den VfL nicht akzeptabel?

Die Trainer haben hinter meinem Rücken mit dem Vorstand die Entscheidung getroffen, mit Robert Mimarbachi einen Nachfolger zu holen. Dabei war ich es, der Robert einst zum VfL geholt hat. Als ich davon hörte, war für mich klar, dass ich nicht zum VfL zurückgehen werde.

Wie ist Ihr Verhältnis zum VfL Lohbrügge jetzt?

Ich wünsche dem Verein, dass es sportlich für sie in der Oberliga gut läuft, dass alles klappt mit der Mannschaft.

Es gibt eine ganze Reihe von Spielern, die wie Sie bosnisch-kroatische Wurzeln haben wie Anto Zivkovic, Alen Brandic, Duro Maskaljevic oder Duro Arlovic, um nur einige zu nennen, die Sie über die Jahre begleitet haben und zum Teil auch bei Ihnen arbeiten. Ist zu erwarten, dass Sie jetzt auch eine ganze Reihe von Spielern von Lohbrügge zu Concordia holen werden?

Nein, keinen einzigen Spieler werde ich vom VfL holen. Ich habe schon mit ihnen gesprochen und ihnen gesagt, dass der VfL Lohbrügge ein guter Verein für sie ist und dass sie sich erst einmal in der Oberliga durchsetzen sollen. Bis auf Duro Maskaljevic hat ja noch keiner von ihnen in dieser Liga gespielt. Klar, in Kroatien waren sie früher auch schon in höherklassigen Ligen aktiv, aber das kann man vom Niveau des Fußballs her nicht vergleichen. Das Tempo ist in Deutschland ein ganz anderes.