Neustart

Erste allgemeine Verunsicherung im Jugendfußball

Das geht auch in Coronazeiten: Ein junger Fußballspieler schießt mit voller Wucht aufs Tor.

Das geht auch in Coronazeiten: Ein junger Fußballspieler schießt mit voller Wucht aufs Tor.

Foto: Haas, Robert / picture-alliance

Schulen zu, Restaurants auf, Mannschaftssport ja, aber nur mit Abstand – viele Clubs bleiben vorsichtig.

Bergedorf. So kann es auch gehen. Die Eltern des SC Sternschanze in Hamburg erhielten am Dienstag per E-Mail die Nachricht, dass der Verein ungeachtet der Lockerungen erst einmal auch weiterhin keinen Jugendfußball anbieten wird. Der Vorstand sei „zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs nach derzeitigem Wissensstand ausgeschlossen ist“. Behörden und Verbände seien zwar dabei, Handlungsempfehlungen zu formulieren, aber „Fragen unsererseits, wer bei Verstößen gegen die Handlungsempfehlungen die rechtliche Verantwortung trägt, konnten nicht beantwortet werden“.

Außensportanlagen sind wieder offen

Erlaubt sind in der Hansestadt vom heutigen Mittwoch an wieder alle Sportarten, die im Freien und mit Abstand betrieben werden. „Das bedeutet auch, dass alle Außensportanlagen wieder öffnen können“, sagt Innen- und Sportsenator Andy Grote (SPD). In Schleswig-Holstein ist das ohnehin schon seit Wochenbeginn der Fall.

Normales Training bleibt unmöglich

Schulen zu, Restaurants auf, Kontaktverbot ja, aber Besuche in Pflegeheimen erlaubt, Mannschaftssport ja, aber nur mit Abstand und auf wessen Verantwortung eigentlich? – Kein Wunder dass die Corona-Krise viele Clubs verunsichert. So wie beim SV Nettelnburg/Allermöhe, wo über 1000 Kinder und Jugendliche Fußball spielen. „Unmittelbar nach den Senatsbeschlüssen haben mich die ersten Trainer angerufen und gesagt: ,Super, wir trainieren morgen wieder ganz normal!’“, schildert Fußball-Abteilungsleiter Gerald Grassé, „da musste ich ihnen erst einmal sagen, so einfach ist das alles nicht. Es gibt so viele Vorgaben, dass ein vernünftiges Training kaum möglich ist. Für mich ist das ein Konzessionsbeschluss der Politik, um nach der Genehmigung für die Bundesliga die Amateurvereine zu besänftigen.“

Schwammige Vorgaben verunsichern die Vereine

In der Tat sind einige Vorgaben schwammig. So ist in den Leitplanken des Deutschen Olympischen Sportbunds (siehe Kasten), die für alle Vereine und Sportarten gelten, von einer Verkleinerung der Trainingsgruppen die Rede, ohne genau zu definieren, wie groß eine Gruppe sein darf. Präzise Vorgaben wären für Grassé nur eine von drei Voraussetzungen, unter denen Jugendfußball beim SVNA wieder möglich wäre. „Zudem brauchen wir von den Trainern die schriftliche Zusicherung, dass die Hygienevorschriften eingehalten werden, und von den Eltern eine schriftliche Einverständniserklärung.“

Outdoor-Fußball-Fitness bei der TSG Bergedorf

Beim Nachbarn TSG Bergedorf hingegen soll der Trainingsbetrieb im Billtalstadion „möglichst noch in dieser Woche wieder losgehen“, betont Fußball-Abteilungsleiter Andreas Kruse. „Wir planen eine Art Outdoor-Fußball-Fitness“, erläutert er, „wir stehen in den Startlöchern und arbeiten mit Hochdruck daran, die Vorgaben möglichst rasch umzusetzen.“ Da jedoch in der kommenden Woche in Hamburg die Pfingstferien anstehen, werden die Teams gerade befragt, ob überhaupt schon Bedarf an Trainingszeiten besteht.

Training in kleinen Gruppen

In Schleswig-Holstein gibt es keine Pfingstferien. Eine Einverständniserklärung der Eltern will aber auch der Düneberger SV einfordern. Auch hier gibt es schon ein fes­tes Konzept. „Die Stadt Geesthacht hat bereits grünes Licht gegeben“, betont Fußball-Abteilungsleiter Thomas Josteit, „wir werden von der A- bis zur D-Jugend in Zehnergruppen, von der E- bis zur G-Jugend in Fünfergruppen mit jeweils einem Übungsleiter trainieren.“ Die augenblickliche Situation sieht Josteit vor allem als Herausforderung für die Clubs. „Wir müssen uns jetzt im Training neu erfinden.“

Kleine Kinder gucken in Grünhof weiter zu

Beim Nachbar VfL Grünhof-Tes­perhude dürfen nur Kinder ab der E-Jugend vom 18. Mai an wieder kicken. F-Jugend und Fußball-Kindergarten pausieren weiter. „Wir haben gemerkt, dass die kleineren Kinder den Abstand zueinander so gut wie gar nicht kontrollieren können“, begründet Fußball-Abteilungsleiter Peter Kägeler die Einschränkung.

Vorsichtiger Neubeginn beim TSV Glinde

Auch beim TSV Glinde soll der Ball voraussichtlich ab dem 18. Mai wieder rollen, aber auch hier erst einmal nur für die älteren Kinder ab Jahrgang 2010. „Sicherheit geht beim Neubeginn vor Schnelligkeit“, betont Fußball-Abteilungsleiter Frank Gabbert, „wir machen uns da keinen Druck.“

Beim SC Wentorf haben die Herrenteams bereits wieder den Trainingsbetrieb aufgenommen. In der kommenden Woche sollen die Jugendlichen folgen. Dabei müssen sich die Fußballteams die Anlage allerdings mit Sportarten wie Turnen oder Leichtathletik teilen, die ebenfalls Platz finden sollen. „Es kommt ja nicht auf eine Woche früher oder später an“, ist Fußball-Obmann Dirk Stegen überzeugt, „wichtig ist allein, dass jetzt endlich wieder Leben in die Bude kommt.“