SV Polizei Bergedorf/Lohbrügge

Kampfsportler von Coronavirus ausgeknockt

Sandra Wahl (blauer Gürtel) beim Kickbox-Training.

Sandra Wahl (blauer Gürtel) beim Kickbox-Training.

Foto: Marco Wahl / SV Polizei Bergedorf/Lohbrügge

Kontaktsportarten wie Kickboxen haben derzeit schlechte Chancen. Pläne, zum Training zurückzukehren, gibt es trotzdem.

Bergedorf. Mit über 4000 Mitgliedern gehört die Sportvereinigung Polizei zu den 20 größten Sportclubs in der Hansestadt. Dabei sind es schon längst nicht mehr nur Ordnungshüter, die sich dort fit halten. „Wir haben uns schon vor vielen Jahren geöffnet. Mittlerweile findet man in vielen Kursen kaum noch Polizisten“, betont Sandra Wahl, die als Juristin bei Polizei arbeitet und Pressewartin der Abteilung Bergedorf/Lohbrügge ist. Mit über 700 Mitgliedern, darunter gut 500 Kinder, gehört der Bergedorfer Zweig der SV Polizei auch im Heimatgebiet zu den nicht gerade kleinen Clubs. Doch von der Corona-Krise ist er besonders stark betroffen. Da der Verein ausschließlich Hallensport wie Kinderturnen oder Kickboxen anbietet und keinerlei Zugriff auf Freiluftflächen hat, profitiert er nicht von der jetzt geplanten Öffnung. Der gesamte Sportbetrieb der SV Polizei Bergedorf/Lohbrügge liegt seit Wochen danieder.

Verein komplett ehrenamtlich geführt

Existenzbedrohend, betont San­dra Wahl, sei das auf absehbare Zeit aber nicht. Dennoch: „Die finanziellen Folgen lassen sich noch nicht ganz abschätzen“, betont sie, „aber Kündigungen von Mitgliedern gab es bislang kaum. Zudem kommt uns zugute, dass der gesamte Verein ehrenamtlich geführt ist.“ So können die Beiträge auf einem niedrigen Niveau (13,50 Euro für Erwachsene, 10 Euro für Kinder im Monat) gehalten werden.

Erst in den Handschuh atmen, dann zuschlagen

Somit ließe sich die Krise eigentlich gut abwettern, hätten die Polizeisportler ihre Kernkompetenz nicht ausgerechnet im Kampfsport. Zweimal pro Woche, montags und freitags, geht es normalerweise in der Sporthalle des Gymnasiums Bornbrook zur Sache. Es ist das Reich, in dem Sandra Wahls Mann, Kickbox-Trainer Marco Wahl, das Sagen hat. Und der sieht kaum Chancen, dass sich an der Zwangspause so schnell etwas ändern wird. „In dem Begriff ,Kontaktsport’ steckt es ja schon drin“, erläutert er, „ich atme in die Boxhandschuhe, die ich zur Deckung an den Kopf halte, und dann haue ich damit dem anderen auf die Nase. Da gibt es keine Illusionen, was mögliche Übertragungen angeht.“

Viele Kinder vermissen das Training

Entsprechend groß ist der Leidensdruck, vor allem in den Kindergruppen. Kampfsport wird bei der SV Polizei für Erwachsene und Jugendliche von zwölf bis 16 Jahren angeboten, es gibt aber auch ein spielerisches Kindertraining für Acht- bis Zwölfjährige. „Wir haben allein 80 Kinder im Verein, die über das Projekt ,Kids in die Clubs’ zu uns gekommen sind“, betont Marco Wahl. Bei diesem Projekt werden die Kosten von der öffentlichen Hand übernommen, um Kindern aus sozial schwachen Familien die Möglichkeit zu geben, Vereinssport zu betreiben. „Lohbrügge ist nun einmal nicht Blankenese“, führt der Jurist weiter aus, „das merken wir schon daran, dass für viele Kinder das Training ein bestimmender, schöner Termin in der Woche ist. Entsprechend oft kommen jetzt die Fragen, wann es wieder losgeht.“

Kickboxen draußen funktioniert nicht

Der Bundesverband der Kickboxer, die WAKO, hat anhand der Vorgaben des Deutschen Olympischen Sportbunds einen Fünf-Stufen-Plan entwickelt, wie eine Rückkehr zur Normalität für die Kampfsportler aussehen könnte. Stufe 1 sieht ein improvisiertes Draußen-Training in Kleingruppen ohne Kontakt vor, Stufe 2 den Wechsel nach drinnen, Stufe 3 die Hinzunahme des Kontakts in immer gleichen Kleingruppen, Stufe 4 die Rückkehr zum normalen Training und Stufe 5 die Wiederaufnahme des Wettkampfbetriebs. Doch schon bei Stufe 1 steckt die Tücke im Detail. Nicht nur, weil die SV Polizei keine Draußen-Flächen hat. „Man könnte unsere Tatami-Matten auch gar nicht auf die Wiese legen“, erläutert Jurist Marco Wahl, „die sind relativ teuer und viel zu empfindlich. Der Stoffbezug würde leiden.“ So hofft er, dass irgendwann mit Stufe 2 die Rückkehr zum Trainingsbetrieb gelingt. „Die Sporthalle des Gymnasiums Bornbrook ist relativ hoch und gut belüftet“, betont er, „das sollte einen Unterschied machen zu engen, niedrigen Kampfsport-Studios.“

Mit Geduld auf die Zukunft bauen

Zunächst aber müssen sie sich bei der SV Polizei weiter in Geduld üben. „Kickboxen ist eine junge, moderne Sportart mit großem Potenzial für die Zukunft“, heißt es auf der Homepage der WAKO. Sie werden auf diese Zukunft bauen müssen.