Sechs Neue

Kurs Oberliga-Spitze? SVCN verstärkt sich mächtig

Seine Dynamik ist sein Markenzeichen: Finn Thomas.

Seine Dynamik ist sein Markenzeichen: Finn Thomas.

Foto: Hanno Bode

Mit Finn Thomas und Corvin Behrens holen die Vierländer zwei weitere Spieler mit Regionalliga-Erfahrung.

Curslack. Es ist fast auf den Tag genau zwei Jahre her, dass Finn Thomas das wohl wichtigste Tor seiner jüngeren Karriere erzielte. Am 1. Mai 2018 traf er in der Verlängerung des Oddset-Pokal-Halbfinales bei Teutonia 05 zur 1:0-Führung für die TuS Dassendorf und ebnete dem Serienmeister damit den Weg zum späteren Pokal-Triumph. Nur vier Tage später, am 5. Mai, traf Thomas erneut – und wieder war es entscheidend – zum 1:0-Auswärtssieg der Dassendorfer in der Oberliga beim VfL Pinneberg. Kein Wunder, dass er von unserer Redaktion in die „Elf der Saison“ des Heimatgebiets gewählt wurde.

Kreuzbandriss - Ein Sportler-Albtraum

Was damals niemand ahnte: Es sollte das letzte Mal für sehr lange Zeit gewesen sein, dass Thomas einen eigenen Treffer bejubeln konnte. Denn schon im ersten Oberliga-Spiel der nächsten Saison, beim 4:0 gegen Wedel, lief er unglücklich rückwärts in einen Gegenspieler hinein, riss sich das Kreuzband im Knie, verletzte sich zudem Innenband sowie Außen- und Innenmeniskus. Ein Albtraum für jeden Sportler! Nach monatelanger Pause war Thomas bei den Dassendorfern zuletzt auf dem Weg zurück zu alter Stärke, bevor die Coronakrise den Fußballbetrieb stoppte. Sein nächstes Tor wird Finn Thomas nun voraussichtlich für den Liga-Konkurrenten SV Curslack-Neuengamme erzielen. Der 32-Jährige ist einer von insgesamt sechs Neuzugängen bei den Vierländern.

Finn Thomas - Ein „Mentalitätsmonster“

„Mit Finn bekommen wir einen Spieler für unsere rechte Seite, der unser Spiel noch flexibler macht und den Konkurrenzkampf auf dieser Seite mächtig anheizt“, freut sich SVCN-Coach Christian Woike. Unermüdlicher Einsatz ist das Markenzeichen von Wirbelwind Thomas. Keiner kämpft so verbissen um den Ball wie er. „Finn ist ein absoluter Gewinnertyp, ein Mentalitätsmonster“, schwärmt SVCN-Manager Oliver Schubert. „Bei ihm habe ich immer ein bisschen Angst, dass er in der Saison 25 Gelbe Karten sieht.“ Bei den Vierländern trifft Thomas auf seinen Dassendorfer Teamkollegen Marcel von Walsleben-Schied. Der Transfer des 37-jährigen Ausnahme-Stürmers zum SVCN steht schon länger fest. „Beide haben in den vergangenen Jahren deutlich mehr Spiele gewonnen als verloren. Sie bringen eine gewisse Siegermentalität mit“, hofft Woike, dass dieses Selbstbewusstsein auf den Rest des Kaders abfärbt.

Fünf Neue mit Regionalliga-Erfahrung

Kaum weniger erfahren als die beiden Dassendorfer ist Corvin Behrens, der gemeinsam mit seinem Kumpel Finn Thomas den Weg zu den Vierländern gefunden hat. Auch er ist mit 33 Jahren schon im Herbst seiner Karriere, besitzt aber die Erfahrung von über 150 Regionalliga-Spielen und soll bei den Vierländern die Zentrale verstärken. Ebenfalls schon höherklassig gespielt haben Stürmer Christian Peters (23, SV Eichede) und Innenverteidiger Oliver Doege (25, Niendorfer TSV), deren Verpflichtung bereits länger feststeht.

Weg von „Jugend forscht“

Von Nachwuchs-Stürmer Tyrone-Nick Töner (18, Vorwärts-Wacker Billstedt) abgesehen, haben die Vierländer damit bislang ausschließlich Spieler mit Regionalliga-Erfahrung geholt. Ein deutlicher Paradigmenwechsel. Unter Woike-Vorgänger Matthias Wulff hatte der SVCN noch vor allem auf junge Talente aus der Region gesetzt. „Viele glauben jetzt, ich hätte eine Goldader entdeckt“, schmunzelt Schubert, „aber es ist tatsächlich die Überzeugungskraft unseres Trainers. Die Jungs haben Bock darauf, unter ihm zu spielen.“

„Die Qualität des Kaders hat sich deutlich verbessert“, nimmt Woike zufrieden zur Kenntnis, „für einen Verein wie Curslack ist es schon sehr besonders, solche Spieler zu verpflichten. Hätte man den alten Weg weitergehen wollen, wäre ich vielleicht nicht der Richtige gewesen. Ich habe die Vereinsführung gefragt, ob sie sehen will, was für den SVCN in dieser Liga möglich ist, und sie haben sich entschlossen, diesen Weg mit mir zu gehen.“

Oben mitspielen? Vielleicht!

Mit den prominenten Neuzugängen dürften sich schnell entsprechende Erwartungen verknüpfen. „Mit solchen Spielern willst du schon oben mitspielen“, formuliert es Schubert. Doch Coach Woike bleibt vorsichtig: „Bislang sind es ja nur Namen auf dem Papier. Noch habe ich die Spieler kein einziges Mal zusammen auf dem Platz gehabt. Und man darf nicht vergessen, dass wir vor vier Spielen noch in Abstiegsgefahr geschwebt haben.“

Mentalität statt Qualität

Viel dürfte davon abhängen, ob es ihm gelingt, aus dem Kader eine Einheit zu formen. „Mentalität schlägt Qualität“, weiß Woike, „wenn die stimmt, ist vieles möglich. So habe ich 2013 und 2014 beim SC Condor mit Spielern zweimal hintereinander das Pokalfinale erreicht, die in Hamburg niemand kannte.“ Man darf gespannt sein, wohin nun der Weg der Curslacker führt. Einen Aufstieg in die Regionalliga jedenfalls schließt Manager Schubert aus: „Das ist für uns kein Thema und wird es auch nie sein, solange der Vorsitzende Hartmut Helmke und ich im Amt sind. Dafür hat der SVCN nicht die Mittel.“