Fußball

96 Prozent der Vereine für Abbruch der Amateursaison

Geht es nach den Vereinen, wird die alte Serie nicht zu Ende gespielt.

Geht es nach den Vereinen, wird die alte Serie nicht zu Ende gespielt.

Foto: Hanno Bode

Wir haben uns bei Vereinen aus dem Hamburger Osten sowie aus dem Umland umgehört – das Ergebnis der Stichprobe war eindeutig.

Bergedorf. Der Hamburger Fußball-Verband (HFV) hat in der Coronakrise die Ruhe weg. Andere Sportarten haben ihre Saison längst beendet, und auch andere Fußball-Landesverbände haben bereits Nägel mit Köpfen gemacht. Doch wie es mit der unterbrochenen Spielzeit im Hamburger Amateurbereich weitergeht, ist immer noch ungeklärt. Erst nächste Woche will das HFV-Präsidium seine „Gedankenwelt“ (Sprecher Carsten Byernetzki) öffentlich machen. Gegenüber dem NDR sagte er bereits: „Die Tendenz geht dazu, die Saison fortzuführen.“

Doch was wollen die Vereine überhaupt? Für eine Erstellung eines Meinungsbildes hatte der Verband knapp acht Wochen. Geschehen ist in dieser Zeit nichts. „Das hätte aus unserer Sicht nicht viel gebracht“, sagte Byernetzki.

Das hat unsere Zeitung jetzt übernommen und die Vereine unseres Verbreitungsgebiets, die in der aktuellen Serie am Herrenspielbetrieb teilnehmen, zu ihrer Meinung befragt. 26 von 27 Clubs haben wir erreicht. Da insgesamt rund 200 verschiedene Vereine im Hamburger Fußball-Verband gemeldet haben, beläuft sich unsere Stichprobe also auf etwa 13 Prozent.

Nur ein Vereinsvertreter will die Saison zu Ende spielen

Das Ergebnis war dabei mehr als eindeutig: 96 Prozent der kontaktierten Vereinsvertreter sprachen sich für einen Abbruch der aktuellen Saison aus. Lediglich einer wollte die unterbrochene Serie ab dem September fortsetzen und zu Ende spielen.

Bei unser Umfrage standen den Befragten vier verschiedene Szenarien zur Auswahl (in Klammern die Ergebnisse in Prozent): Fortsetzung der Serie ab September (4), Abbruch und Annullierung der Saison (4), Abbruch mit Wertung der Hinrundentabelle (15) und Abbruch mit Wertung des jetzigen Tabellenstandes (77).

Die 24 Vereinsvertreter, welche die zu mehr als zwei Drittel gespielte Serie gewertet haben wollen, konnten darüber hinaus wählen: Soll es dann wie gehabt auch Auf- und Absteiger geben? Oder verzichtet man auf Absteiger, lässt aber den Meister aufsteigen? Auch hier ergab sich ein klares Meinungsbild. 75 Prozent (18 von 24) sprachen sich in diesem besonderen Fall gegen Absteiger aus.

„Bei Verlängerung der Saison droht Regulierungswahnsinn“

Philipp Mohr, Liga-Manager des SV Altengamme, gehört zu den 25 Prozent, die trotz allem für Absteiger sind. Seine Begründung: „Es gibt doch eine Regel, die sinngemäß besagt, dass ein einzelnes Spiel gewertet werden kann, wenn es zu drei Vierteln gespielt ist. Das könnte jetzt auch für die Saison gelten. Darum bin ich für Absteiger.“

Jan Arp, Ligamanager des SV Nettelnburg/Allermöhe, schlägt in der Abstiegsfrage vor, sich jede Liga gesondert anzuschauen. „Vielleicht gibt es ja Mannschaften, die gar nicht die Klasse halten wollen, weil sie längst für eine Liga tiefer planen.“

Daniel Schmitt, Manager des Landesligisten Voran Ohe, graust es derweil davor, wenn die alte Serie über das ursprüngliche Saisonende hinaus verlängert würde. „Der Regulierungswahnsinn, der dann auf uns zukommt. Wenn ich zum Beispiel an unsere zwei Neuzugänge vom SVNA (Rene Seibert und Fabian Reimers, die Red.) denke. Die können beim SVNA nur zweimal im Jahr austreten: am 30. Juni und am 31. Dezember. Wie will man das alles lösen? Dann müssten die ganzen Vereinsstatuten geändert werden“, gibt Schmitt zu Bedenken.

Von einer Fortführung der Saison im September, wie ihn der bayrische Verband beschlossen hat, hält Thorsten Beyer, Trainer des SC Vier- und Marschlande, überhaupt nichts: „Wenn ich jetzt höre, das es vielleicht auch in Hamburg so kommt, frage ich mich: Was soll dieser Unfug? Der HFV verhält sich wie in einem Fürstentum.“

Auch Hartmut Helmke, Vorsitzender des SV Curslack-Neuengamme, findet deutliche Worte: „Ich fühle mich vom HFV im Stich gelassen.“ Und Sven Reinke, Coach des SC Schwarzenbek, wünscht sich endlich einmal Klarheit: „Der HFV glänzt nur durch Merkelsches Aussitzen der Angelegenheit.“