FUSSBALL

Maximilian Zoch: Auf dem Sprung zum Fußballprofi

Maximilian Zoch hat beim SV Nettelnburg/Allermöhe mit dem Fußballspielen begonnen.

Maximilian Zoch hat beim SV Nettelnburg/Allermöhe mit dem Fußballspielen begonnen.

Foto: Dirk Schulz

Der 18-jährige Neuallermöher kommt in 18 Partien für Holstein Kiel in der A-Jugend-Bundesliga auf 13 Tore und vier Vorlagen.

Neuallermöhe. Kurz vor dem Duell gegen den FC St. Pauli gab Maximilian Zoch grünes Licht für einen Einsatz. Klar, gegen seinen alten Verein wollte der zuvor angeschlagene Neuallermöher unbedingt dabei sein. Doch ganz traute Dominik Glawogger, sein Trainer in der A-Jugend-Bundesliga bei Holstein Kiel, dem Braten nicht. „Wenn du nicht 120 Prozent gibst, wirst du es hier schwer haben“, mahnte der Österreicher.

Doch die Einstellung des A-Juniors stimmt. Zoch machte im November des vergangenen Jahres sein bislang vielleicht bestes Spiel. Obwohl er zunächst eine „Hundertprozentige“ ausgelassen hatte, gelangen ihm beim 2:2 beide Kieler Tore. Dabei machte er jeweils einen Rückstand seiner Mannschaft wett. Den Treffer zum Endstand kurz vor Schluss markierte er mit einem sehenswertem Lupfer.

Beim SVNA angefangen

Überhaupt kann sich seine Quote in seinem ersten Jahr in Kiel sehen lassen. Zoch ist der Topscorer der „Störche“, war an fast der Hälfte der 35 Saisontore beteiligt. Seine Ausbeute: 13 Treffer und vier Vorlagen in 18 Partien. Zum Vergleich: Nick Woltemade, der für Werder Bremen bereits zweimal in der 1. Bundesliga eingesetzt wurde, steht in der A-Junioren Bundesliga Nord/Nordost bei 16 Toren.

Der Sprung in den bezahlten Fußball ist auch das Ziel des Neuallermöhers, der mit fünf Jahren beim SV Nettelnburg/Allermöhe mit dem Fußball angefangen hat. Mit dem SVNA stieg er in die Regionalliga auf – bis zur C-Jugend ist das die höchstes Klasse in Deutschland. Anschließend wechselte er zum FC St. Pauli. Nach zwei Jahren ging es wegen der großen Konkurrenz bei den Kiezkickern weiter zum Niendorfer TSV und schließlich vor dieser Saison weiter an die Förde. Dort hat er auch schon einen Anschlussvertrag für die Kieler U23-Mannschaft, die in der Regionalliga spielt.

„Maximilian darf sich nicht auf seinen Toren ausruhen“

„Mein Vater und Förderer Wojciech sagt immer, dass ich kleine Schritten machen muss“, erzählt Maximilian Zoch, der früher auch ein guter Brustschwimmer bei der SG Bille war. Nach dem Fach-Abitur am Bergedorfer Luisengymnasium war der Umzug in eine kleine Wohnung in Kiel der nächste Schritt. „Vorher kannte ich nur das ,Hotel Mama’. Alleine zu leben, war am Anfang schon schwierig“, räumt „Zochi“ – so sein Spitzname – ein. Um besser zurecht zu kommen, gab es von Mutter Malgorzata Kochunterricht. „Spaghetti Bolognese, Chinesisch mit Huhn – so die Standards“, berichtet der 18-Jährige.

Die fünf Kieler Nachwuchsspieler, die alle dicht beieinander wohnen, kochen oft gemeinsam. „Dann muss man weniger abwaschen“, weiß Zoch, der täglich trainiert, manchmal sogar zweimal am Tag.

Verzicht gehört dazu

Doch fällt einem jungen Kerl nicht vor Langeweile mal die Decke auf den Kopf, zumal er vielen Verlockungen wie Partys oder Disco widerstehen muss? „Wenn man einen Traum hat, dann ist der Verzicht der Weg dazu“, sagt Zoch. Auch Trainer Glawogger lobt seine Einstellung: „Dafür, dass er das erste Mal von zu Hause weg ist, ist er das sehr professionell angegangen. Maximilian ist ein sehr ehrgeiziger Spieler, mit einer guten Beschleunigung und Abschlussstärke. Da geht aber noch mehr, er darf sich jetzt nicht auf seinen Toren ausruhen“, sagt der Coach. Schließlich schaffen nur rund zwei Prozent der A-Jugend-Bundesliga-Spieler den Sprung zu den Profis.

Ein paar Jahre will Zoch alles auf die Karte Fußball setzen. Aktuell wohnt er wegen der Coronakrise wieder bei seinen Eltern. Von Holstein bekommt er einen wöchentlichen Trainingsplan, regelmäßig steht auch gemeinsames digitales Training auf dem Stundenplan. Das Training auf dem Platz kann das nicht ersetzen. „Dabei ist gerade perfektes Wetter, um auf den Rasen zu gehen“, bedauert er.

Derzeit bleibt ihm nur, mit dem Ball in seinem Zimmer zu jonglieren. „Mama schreit dann immer“, lacht Maximilian Zoch.