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Alles Bundesliga oder was?

Inszenierung ist alles: Der Ball wartet auf einer eigenen Säule auf den Spielbeginn.

Inszenierung ist alles: Der Ball wartet auf einer eigenen Säule auf den Spielbeginn.

Foto: Jan Woitas / dpa

Geisterspiele in der Fußball-Bundesliga? Das stößt im Heimatgebiet auf euphorische Begeisterung, aber auch strikte Ablehnung.

Bergedorf. In der Fußball-Bundesliga wird ein Saisonabschluss ab 9. Mai mit „Geisterspielen“ ohne Zuschauer und unter strengen Sicherheitsvorkehrungen diskutiert. Nur 300 Menschen sollen Einlass finden. Die Spiele werden allerdings live nur im Bezahlfernsehen zu sehen sein. Wenn es sie denn gibt. „Laut dem Spiegel steht im medizinischen DFL-Bulletin, dass die Spieler ihre Klamotten selbst waschen müssen. Damit dürfte der Plan mit den Geisterspielen gescheitert sein“, scherzt NDR-Sportmoderator Martin Roschitz auf Facebook.

Ein Blick zu den Nachbarn: Belgien hatte bereits Anfang April die Saison abgebrochen, die Niederlande folgte nun. In England soll eventuell ab Anfang Juni eine „Blitzsaison“ gespielt werden, in Schweden soll der Profifußball ab Mitte Juni normal weitermachen. Auch in Italien soll gespielt werden, aber niemand weiß, wann da überhaupt wieder dran zu denken ist. Was tun? Die Sportredaktion hat sich im Heimatgebiet umgehört.

Ist ein Bundesliga-Neustart jetzt die richtige Idee?

Sören Deutsch (43 Jahre, Trainer TSV Glinde): „Ich würde das gut finden. Das Risiko ist überschaubar, es sind ja junge, gesunde Menschen. Ich halte mich seit sieben Wochen penibel an die Regeln und mir fällt die Decke auf den Kopf. Mir fehlt der Fußball.“
Simon Gottschling (45, Trainer Oststeinbeker SV): „Worüber reden wir? Dabei geht es doch nur um den finanziellen Aspekt. Ohne die Atmosphäre im Stadion bringt es auch keinen Spaß. Und was soll der kleine Junge zu Hause auf der Couch sagen, der auch Fußball spielen will, wenn er die Profis im Fernsehen sieht?“
Jean-Pierre Richter (33, Trainer TuS Dassendorf, sympathisiert mit Hertha BSC): „Im Moment ist allein die Gesundheit wichtig, und wir sollten uns glücklich schätzen, dass so intelligente Leute mit Demut und Respekt die Entscheidungen treffen. Der Fußball muss sich dem anpassen. Ich verfolge die Bundesliga ohnehin nur in spieltaktischer Hinsicht, aber nicht als Fan.“
Patrick Paap (28, Trainer ASV Bergedorf 85, HSV-Fan): „Ich kann die ganzen Darts-Wiederholungen auf Sport 1 nicht mehr sehen. Es würde der Seele von Millionen Fans guttun, im Fernsehen mal wieder einen Ball rollen zu sehen.“
Oliver Schubert (43, Manager SV Curslack-Neuengamme): „Ich finde die Fortführung Schwachsinn. Lass’ doch mal einen Spieler positiv getestet werden. Was ist dann? Als Fan von Werder Bremen wäre es mir sogar ganz recht, wenn die Saison abgebrochen wäre – ohne Absteiger natürlich.“
Daniel Schmitt (33 Jahre, Teammanager FC Voran Ohe, glühender HSV-Fan):
„Es wäre ein Funken der Hoffnung. Ich würde sogar so ein typisches Sonntagnachmittagspiel wie Mainz gegen Augsburg gucken.“
Sven Reinke (42, Trainer SC Schwarzenbek, glühender HSV-Fan): „Mit gefällt nicht, dass sich der Profi-Fußball immer weiter von der Basis entfernt. Da bin ich ein extremer Fußball-Romantiker.“

Was bedeutet ein Bundesliga-Neustart für die Amateure?

Daniel Schmitt: „Es darf kein Privileg der Profis sein, wieder zu spielen. Wir Amateure müssen folgen. Einen Saisonstart Anfang September fände ich da gut. Neben der freiwilligen Feuerwehr sind wir in Ohe der Mittelpunkt des öffentlichen Lebens.“
Patrick Paap: „Wenn wir ein Derby haben und auf den beiden Kunstrasen Jugendspiele sind, haben wir gut 400 Leute auf der Anlage. Vielleicht wäre das gerade nicht das Beste.“
Sven Reinke: Geisterspiele im Amateurfußball sind schwierig, da zum Beispiel die Schiedsrichter aus den Zuschauereinnahmen bezahlt werden.
Sören Deutsch: „Ich verstehe nicht, dass Risikogruppen Schuhläden und Baumärkte bevölkern dürfen, aber junge Menschen nicht auf den Fußballplatz dürfen.“